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Deutsch-italienisches Verhältnis: Stefano Stefani: "Ich liebe Deutschland!"

Der italienische Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani hat sich einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge für seine umstrittenen Äußerungen über deutsche Touristen entschuldigt. Also doch noch Italien-Urlaub für den Kanzler?

Der italienische Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani hat sich einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge für seine umstrittenen Äußerungen über deutsche Touristen entschuldigt. In einer Erklärung, die die Zeitung in ihrer Samstagausgabe veröffentlicht, heißt es: „Teile meines Artikels in der Parteizeitung 'La Padania' haben in den letzten Tagen zu Verstimmungen im deutsch-italienischen Verhältnis geführt. Das tut mir Leid, das war nicht meine Absicht“.

Nur ein "Missverständnis"?

Der Politiker beteuerte dem Bericht zufolge: „Ich liebe Deutschland. Wenn durch meine Worte bei vielen Deutschen Missverständnisse entstanden sind, möchte ich mich hiermit dafür vielmals entschuldigen“. Stefani versicherte laut „Bild“, dass die Deutschen in Italien stets willkommen seien. Sie seien vorbildliche Nachbarn und verlässliche Freunde. Der Staatssekretär ergänzte der Zeitung zufolge, er habe mit seinen umstrittenen Äußerungen lediglich jene kritisieren wollen, die „Italien und seine Regierung wieder und wieder in ein schlechtes Licht rücken“, zitiert die Zeitung aus der Erklärung.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den Verzicht auf Ferien in Italien wegen antideutschen Ausfällen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano verteidigt. "Ich halte unbedingt an meiner Urlaubsentscheidung fest, weil man Deutschland nicht so behandeln kann, wie es behandelt wurde", sagte Schröder der "Financial Times Deutschland" (Freitagsausgabe). Die Wortwechsel der vergangenen Tage würden das deutsch-italienische Verhältnis aber nicht grundsätzlich beschädigen.

Mit Ironie reagierte Schröder nach Angaben der Zeitung auf den Vorschlag des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Russland und Israel in die Europäische Union aufzunehmen. "Ich glaube, dass dieser Vorschlag ein wenig zu ehrgeizig ist. Er sollte ihn noch einmal überdenken", sagte der Kanzler.

Italienischer Europaminister legt Stefani und Schulz den Rücktritt nahe

Der italienische Europaminister Rocco Buttiglione legte sowohl Stefani als auch dem deutschen EU-Abgeordneten Martin Schulz (SPD) den Rücktritt nahe. Laut Berliner Inforadio bezeichnete Buttiglione die Aussagen Stefanis als "verrückt". Sie entspreche nicht der Auffassung und den Gefühlen des italienischen Volkes.

Haben Sie nach Stefanis Äußerungen noch Lust auf Italien-Urlaub?

Der Minister fügte jedoch hinzu: "Wenn Herr Schulz das Gleiche tun würde (gemeint ist: zurückzutreten)..., wäre das eine bedeutende Hilfe, um diese kleineren Streitigkeiten zu beseitigen." Die Kritik von Schulz an der Regierung Berlusconis sei nicht akzeptabel. "Schulz ist nicht Richter über die freie Entscheidung des italienischen Volkes, das Berlusconi gewählt hat." Dies gelte auch insgesamt für das EU-Parlament.

Nachdem Schulz Berlusconi bei dessen Antrittsrede als EU-Ratspräsident vor dem Straßburger Parlament wegen dessen Doppelrolle als Regierungschef und Medienunternehmer scharf kritisiert hatte, bezeichnete Berlusconi den Deutschen als Idealbesetzung für einen Aufseher in einem KZ-Film. Kurze Zeit später goss Stefani weiteres Öl ins Feuer, als er die Deutschen "einförmige, supernationalistische Blonde" nannte, die lärmend über italienische Strände herfielen. Daraufhin sagte Schröder seinen Italien-Urlaub ab.

Germanwings kommt mit Zusatzangebot für Italienurlauber

Nach der Absage des Kanzler-Urlaubs in Italien will die Billigfluglinie Germanwings nun mit einem zusätzlichen Angebot deutsche Touristen in das beliebte Urlaubsland lotsen.

"Der Kanzler bleibt zu Hause, Deutschland fliegt nach Italien. Die Deutschen lassen sich ihr beliebtestes Urlaubsziel nicht von einzelnen italienischen Politikern vermiesen", sagte Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein am Freitag. Daher biete das Unternehmen 19.000 zusätzliche Italien-Tickets ab 19 Euro an. Nach Angaben eines Sprechers sollen die meisten der Tickets auch zu diesem Preis verkauft werden. Teurer als 49 Euro werde keines sein. Der Verkauf beginne in der Nacht zum Sonntag um 23.59 Uhr und ende 24 Stunden später. Im Angebot seien Flüge bis zum 25. Oktober nach Bologna, Mailand, Rom und Venedig. "Nur dem Kanzler werden Sie dort nicht begegnen - ja und!", hieß es auf der Internetseite der Fluglinie zu dem Angebot.