Absage offiziell Kanzler verzichtet auf Italienurlaub


"Ciao bella" mag der Kanzler der Adria noch sehnsüchtig gerufen haben. Doch eins war klar: Er fuhr nicht in den Süden, machte Urlaub in Hannover.

Gerhard Schröder macht wahr mit seiner Drohung: sein geplanter Italienurlaub wird abgesagt, so Regierungssprecher Bela Anda. Das Kanzleramt hatte die Italien-Reise Schröders davon abhängig gemacht, dass die anti-deutschen Ausfälle von Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani nicht "ohne Konsequenzen" blieben. Dieser hat bislang eine Entschuldigung abgelehnt. Stattdessen war Schröders Urlaubsziel ins öffentliche Interesse gerückt - ein Zustand, den er nun seiner Familie und einer ungestörten Zeit zuliebe beenden wollte. Mehrere Ferienorte in Deutschland werben um die medienwirksame Gunst des Bundeskanzlers. Der will jedoch - so verlautete es aus Regierungskreisen - seinen Urlaub nicht nur im Lande, sondern gar zu Hause verbringen, in Hannover.

Einladungen von allen Seiten: Harz, Sylt und Amrum ...

Eine Einladung kam aus dem Harz: hier wäre der Regierungschef herzlich willkommen, sagte der Geschäftsführer des Harzer Verkehrsverbandes, Michael Lücke, am Dienstag. Schröder könnte "einen wichtigen Akzent zu Gunsten des Tourismusstandortes Deutschland setzen".

Auch Ferienorte und Hoteliers an Nord- und Ostsee luden Schröder ein, seinen Urlaub dort zu verbringen, wie das 'Flensburger Tageblatt' berichtete. Ein Sylter Nobelhotel biete dem Kanzler-Ehepaar sogar drei Wochen freie Kost und Logis. Der Bürgermeister von Timmendorfer Strand sagte der Zeitung: "Wir würden sofort die Straßen italienisch flaggen."

Ruhe, Abgeschiedenheit und eine einmalige Landschaft aus Watt, Sand und Meer werfen die nordfriesischen Inseln und Halligen in die Waagschale im Wettbewerb um den Schröder-Urlaub. "Bei uns könnte er die Kraft schöpfen, die er braucht, um seine Agenda 2010 umzusetzen", sagte Christian Johannsen von der Amrum Touristik. Vom 4-Sterne-Hotel bis zur Ferienwohnung - die Schröders hätten die freie Wahl. Und für die Kanzler-Familie würde die Insel mit dem endlosen Sandstrand allerhand springen lassen: "Hier ist er eingeladen, egal wie lange er bleibt", sagt Johannsen.

... Kalifornien (Plön), Franken, Mallorca

"Wir würden ihn und seine Familie liebend gern begrüßen", sagte Friedrich-Wilhelm Henning, Kurdirektor des Ferienortes Kalifornien (Kreis Plön). An dem beliebten Strand könne der Kanzler Entspannung und frische Luft genießen. "Zudem gewinnt er Abstand vom politische Geschäft." Henning bot an, dem Kanzler persönlich das Inline-Skaten beizubringen. "Aber auch unsere Flora und Fauna ist sehenswert." Der Kurdirektor war überzeugt, dass sich Hotels und Pensionen um angemessene Unterbringung und Verpflegung des prominenten Gastes reißen würden. "Die setzen alle Hebel in Bewegung, um Schröder einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen."

Als alternative Urlaubsziele hat sich am Mittwoch auch die mittelfränkische Stadt Hersbruck angeboten. Hersbruck sei ebenso wie Schröders bisheriges italienisches Urlaubsziel Positano Mitglied der Feinschmecker-Bewegung 'Slow Food'. Der oberfränkische IHK-Hauptgeschäftsführer Joachim Hunger warb in dem Brief an den Kanzler unter anderem mit der Festspielstadt Bayreuth und dem Weltkulturerbe Bamberg sowie der reizvollen Landschaft.

Der Hoteliersverband von Mallorca lud Schröder ein, seine Ferien auf der spanischen Insel zu verbringen.

Ein Zeitungsartikel ist schuld

Auslöser für die Urlaubsplanänderung beim Bundeskanzler war der italienische Tourismus- Staatssekretär Stefano Stefani. Dieser hatte in einem Artikel deutsche Touristen unter anderem als rülpsenden Pöbel und als "stereotypisierte Blonde mit hypernationalistischem Stolz" geschildert. Das gefiel Schröder gar nicht, markiert aber nur eine weitere Runde im aktuellen deutsch-italienischen Gekabbel.

Berlusconi vs. Schulz

In der ersten Runde hatte Italiens Ministerpräsident Berlusconi bei seinem ersten Auftritt als EU-Ratsvorsitzender im Europaparlament zum sozialdemokratischen Fraktionsvize Martin Schulz gesagt, er wolle ihn für die Rolle eines KZ-Aufsehers in einem italienischen Film vorschlagen, dafür sei er "perfekt geeignet". Schulz hatte Berlusconi vorher kritisiert. Zwar hatte er danach bedauert, dass seine ironisch gemeinte Bemerkung missverstanden worden sei, bestand jedoch klar darauf, sich nicht bei Schulz zu entschuldigen, wie Schröder und andere deutsche Politiker das gefordert hatten.

Stefani vs. deutsche Touristen

Runde zwei eröffnete dann der italienische Tourismus-Staatssekretär Stefani mit seinen Äußerungen über deutsche Touristen in der Tageszeitung 'Padania'. Sie seien "einförmige, supernationalistische Blonde, die lärmend über unsere Strände herfallen", hieß es da unter anderem. Und wieder blickte der Kanzler drohend gen Italien und drohte mit der Absage seines geplanten Italien-Urlaubs. Beschwichtigende Worte vom Außenminister und zahlreichen Touristen-Verbänden folgten. Stefani selbst betonte, der Kanzler sei sicherlich anders und lud ihn persönlich zu sich ein. Half alles nichts. Die deutschen Ferienorte sehen nun ihre Chance gekommen, sich als Kanzler-Ferienregion zu etablieren - wenn er nicht lieber in Hannover bleibt.

Ein "tölpelhafter Staatssekretär"?

Damit der Zuschauer das Ganze richtig auskosten kann, legt Innenminister Schily nach und greift den italienischen Staatssekretär an. Stefani sei für sein Amt "in jeder Weise ungeeignet", und "wenn ich der Regierungschef in Italien wäre, dann wäre dieser Mann nicht mehr im Amt", sagte Schily. Ein "tölpelhafter Staatssekretär" wie Stefani, der "unflätige Bemerkungen macht", könne aber die traditionellen, tiefen und vertrauensvolle Beziehungen der beiden Länder nicht in Frage stellen, so Schily im ZDF-'Morgenmagazin'. Deutsche könnten auch anderswo Urlaub machen, es gebe an vielen Stellen Europas schöne Ziele.


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