Diplomatie Arme Afrikaner


Seit dem Berlin-Umzug 1999 tobt für die zurückgelassenen afrikanischen Diplomaten in Bonn der politische und finanzielle Überlebenskampf: Allein die Armut ihrer Heimatländer zwingt 17 Botschaften am Rhein zu bleiben.

Nicht einmal den Gärtner können sie sich noch leisten: Während den Kollegen in Berlin der rote Teppich ausgerollt wird, sitzen afrikanische Diplomaten in Bonn in heruntergekommenen Residenzen fest. "Für Reparaturen und den Umzug fehlt uns fast allen das Geld", sagt der Botschafter der Republik Niger, Amadou Touré. Allein die Armut ihrer Heimatländer zwingt 17 Botschaften weiterhin am Rhein zu bleiben - und manchem Diplomaten sitzt gar die Angst im Nacken als Sozialfall ohne jede Lobby zu enden.

"Keine Selbstverständlichkeit"

"Vor lauter Frust haben einige der afrikanischen Kollegen bereits angekündigt, Deutschland zu verlassen", erklärt Touré in Bonn. Namen will er nicht nennen. Er selbst ist froh, dass es ihm nicht mehr auf den Kopf regnet. Für notdürftige Reparaturen im Dachgeschoss seiner Bonner Botschaft konnte Touré nach zähen Verhandlungen bei seiner Regierung etwas Geld locker machen - "für eine afrikanische Botschaft keine Selbstverständlichkeit".

Eine Etage über seinem Büro türmen sich indessen noch immer Schutthalden und auf den vergilbten Tapeten sind Spuren von Schimmelbefall. "Ohne einen Umzug nach Berlin wird jedoch vor allem der politische Schaden für die ärmsten Länder immer größer", warnt Touré. Denn keine Botschaft könne es sich auf Dauer leisten, so weit weg vom politischen Geschehen zu sein. "Auch wir konnten im letzten Jahr nur 25 Reisen in die Hauptstadt unternehmen."

Überlebenskampf auf dem diplomatischen Parkett

Seit dem Berlin-Umzug 1999 tobt für die zurückgelassenen Afrikaner auf dem kaum noch vorhandenen diplomatischen Parkett der politische und finanzielle Überlebenskampf: Geld, das für Renovierungen dringend gebraucht würde, musste in Reisekosten investiert werden. Trotzdem sind selbst besser gestellte Botschaften - wie die Nigers - gezwungen, rund 90 Prozent der Einladungen aus Berlin abzulehnen. "Kleine Länder wie Mali, Ghana und Sierra Leone haben erst recht keine Stimme mehr, wenn sie nicht nach Berlin reisen können."

Dabei haben es die Afrikaner längst aufgegeben, auf die Unterstützung des Auswärtiges Amtes in Berlin zu hoffen: "Wir fühlen uns dort nicht ernst genommen, manchmal sogar verspottet und beleidigt", erklärt der Botschafter der Republik Guinea, Abraham Doukouré. Dabei versuche seine Botschaft alles, um auf dem diplomatischen Parkett noch präsent zu sein.

Verärgert, vertröstet, abgewiesen

"500 bis 600 Euro geben wir alle zwei Wochen für die Fahrt nach Berlin aus", sagt Doukouré. Umso verärgerter sei er, dass er oft vertröstet werde und selbst kleine Anfragen von der Protokollabteilung des Auswärtigen Amtes abgewiesen würden. "Den Engländern und Amerikanern aber wird jeder Wunsch sofort erfüllt", sagt Touré.

Das Auswärtige Amt verweigert den Botschaften nach eigenen Angaben die finanzielle Hilfe mit Verweis auf die unantastbare Souveränität der Staaten. "Die Botschaften einzurichten und zu erhalten ist einzig allein Sache der afrikanischen Länder, nicht unsere Aufgabe", sagt eine Sprecherin.

Düstere Aussichten

An regelmäßige Reisen an die Spree braucht der Botschafter von Sierra Leone gar nicht erst zu denken. "Die Botschaft hat selbst Schwierigkeiten die Heizkosten zu bezahlen", erklärt ihr Honorarkonsul, Ralf Lienenkämper. Noch düsterer sieht es für Liberia aus: "Die Botschaft überlebt durch Gebühreneinnahmen, wie durch Ausstellung von Visa - auf Gelder aus Afrika kann sie derzeit lange warten", sagt Honorarkonsul Joachim Meier.

Doch das hilft den Afrikanern aus Bonn nicht weiter: "Die Afrikaner bleiben auf ihren Botschaften sitzen, weil Zahlungen aus den Heimatstaaten manchmal über Monate ausbleiben", erklärt Lienenkämper. "Welcher Bauträger lässt sich da noch auf einen Auftrag zur Renovierung der bröckelnden Fassaden ein?" Für kaum eine der verfallenen Bonner Botschaften lohne sich derzeit der Verkauf.

Björn Seeger DPA

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