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Erste Hinrichtung vor 130 Jahren Der elektrische Stuhl sollte den Tod humaner machen, brachte aber mehr Qualen und Leid

Elektrischer Stuhl
Eine Zeichnung von William Kemmler bei seiner Hinrichtung. Es war die erste Exekution auf dem elektrischen Stuhl.
© akg / Science Photo Library
Am 6. August 1890 verrichtete der elektrische Stuhl zum ersten Mal seine tödliche Arbeit. Er sollte die Verurteilten schneller und schmerzloser ins Jenseits schicken. Stattdessen geriet vieles schief, schon beim ersten Versuch.

Es sei so furchtbar gewesen, die Anwesende konnten ihre Augen nicht abwenden, schrieb die "New York Times" über die erste Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl. "Der Stromerzeuger schien nicht reibungslos zu laufen. Die Elektrizität war mit einem scharfen Schnappen zu hören. Auf dem Gesicht des Elenden auf dem Stuhl begann Blut zu erscheinen. Es stand wie Schweiß auf dem Gesicht", hieß es vor 130 Jahren in dem amerikanischen Blatt. 

Die erste Hinrichtung auf dem Elektrischen Stuhl wurde an William Kemmler vollzogen, weil er eine Frau mit einem Beil getötet hatte. Seitdem wurde Strom durch die Körper Tausender Menschen in den USA geleitet, bis sie starben. 130 Jahre später gilt der Elektrische Stuhl als Auslaufmodell - bleibt aber ein Symbol für staatliche Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten. 

Ein Zahnarzt erfand den elektrischen Stuhl

Angesichts ihres desaströsen Rufs scheint es heute fast unglaublich, dass die Tötungsmethode einst als "humanerer" Ersatz für das bis dahin gebräuchliche Erhängen entwickelt wurde. 

Alfred Southwick, eigentlich Zahnarzt, hatte 1881 einen Betrunkenen beobachtet, der einen Generator berührt hatte und auf der Stelle tot war. Er kam zu dem Schluss, dass der Tod durch Strom schnell und schmerzlos sei und baute den ersten Elektrischen Stuhl. 

Schon der Anblick der todbringenden Erfindung mit seinen Fesseln für Arme, Beine und Oberkörper löst bei vielen Menschen Schaudern aus. Die durch den Elektrischen Stuhl Getöteten werden bei seinem Einsatz in der Regel zunächst der Kopf und ein Teil des Beins rasiert, um an beiden Stellen Elektroden anbringen zu können. Dann wird dem Death Penalty Information Center zufolge für etwa 30 Sekunden ein Stromstoß zwischen 500 und 2000 Volt durch den Körper geleitet. Wenn das Herz des Verurteilten dann noch schlägt, wird die Prozedur wiederholt. 

Strenger Geruch und grausige Körperveränderungen

Der Tod auf dem Elektrischen Stuhl kann mit dem strengen Geruch nach versengtem Fleisch und grausigen Körperveränderungen einhergehen. Mehrmals passierte es auch, dass die Verurteilten noch lebten, obwohl ihr angeblicher Tod festgestellt worden war. Trotz allem wurde der Elektrische Stuhl vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur vorherrschenden staatlichen Tötungsmethode in den USA.

Mittlerweile haben eine Reihe von US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft oder deren Vollstreckung ausgesetzt. Nach Angaben des Death Penalty Information Centers gibt es sie inzwischen in etwa 20 der 50 US-Staaten nicht mehr. Auch die Zahl der insgesamt Exekutierten ist deutlich zurückgegangen - 2019 waren es 22. 

Und auch die Tage des Elektrischen Stuhls in den Vereinigten Staaten sind gezählt. Heute stirbt niemand mehr auf ihm, solange die Person die Methode nicht ausdrücklich bevorzugt. Zuletzt wurde im Februar der 58-jährige Nicholas Sutton in Tennessee auf dem Stuhl getötet.

Vor allem die - ebenfalls umstrittene - Giftspritze hat die Stromstöße mittlerweile weitgehend abgelöst. Beigetragen dazu hat vor allem die Einsicht, dass der Elektrische Stuhl nicht - wie von Erfinder Southwick gedacht - schnell und schmerzfrei ist. So schrieb der Oberste Gerichtshof in Nebraska 2008 in einem weithin beachteten Grundsatzurteil: "Die Beweise hier zeigen, dass die Tötung durch Strom starken Schmerz und qualvolles Leiden verursacht."

deb / Benno Schwinghammer DPA

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