Flüchtlingsdrama "Cap-Anamur"-Kapitän weist Vorwürfe zurück


Stefan Schmidt hat alle Vorwürfe der Behörden zurückgewiesen. Er würde immer wieder so handeln wie bei den 37 Afrikanern, die vor vier Wochen im Mittelmeer aufgenommen wurden, sagte Schmidt.

"Ich habe nur getan, was ein Kapitän eines Schiffes machen musste." Schmidt und der Chef der Hilfsorganisation, Elias Bierdel, wollten sich am Dienstag in Berlin auf einer Pressekonferenz zur Aktion äußern.

Keine Medieninszenierung

Auch Bierdel könne er keinen Vorwurf machen, sagte Schmidt. "Ich stehe voll zu ihm." Er wies Vorwürfe zurück, die Bergung der Männer sei für die Medien inszeniert gewesen. Sein Schiff sei während einer Probefahrt nach einer Reparatur zufällig auf das Flüchtlingsboot gestoßen, das Luft verloren und dessen Motor gebrannt habe. Es habe schlicht keine andere Möglichkeit gegeben, als die Männer an Bord zu nehmen. Zudem sei er als Kapitän gesetzlich verpflichtet, Schiffbrüchige in einen sicheren Hafen zu bringen.

Über 400 Flüchtlinge ertrunken

Die italienischen Behörden werfen den Cap-Anamur-Leuten Beihilfe zur illegalen Einwanderung vor, weil sie die Afrikaner nach Sizilien gebracht haben. Im Meer vor Sizilien sind einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" zufolge im vergangenen Jahr mindestens 411 Flüchtlinge ertrunken. Nach einer Aufstellung des Politologen Paolo Cuttitta von der Universität Palermo seien 2003 elf Unglücke von Flüchtlingsbooten auf dem Weg nach Italien bekannt geworden, 81 Leichen geborgen und 330 Menschen als vermisst gemeldet worden.

Die Flüchtlingsexpertin von Amnesty International, Julia Duchrow, übte in Zusammenhang mit der Aktion Kritik an der Flüchtlingspolitik der Union. Sie forderte im bayerischen Rundfunk ein zentrales, europaweites Asylverfahren. Dabei könnten die Menschen, deren Schutzbedürftigkeit festgestellt sei, nach einem Schlüssel verteilt werden.

AP


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