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Cap-Anamur-Kapitän Schmidt: "Lebensretter anzuklagen, ist irrwitzig"

Stefan Schmidt, Kapitän der "Cap Anamur", musste vor Gericht, weil er Menschen gerettet hatte. Angesichts des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer fordert er endlich Rechtssicherheit für Kapitäne.

Von Kerstin Herrnkind

Wochenlang schipperte die "Cap Anamur" mit ihrer unerwünschten Fracht vor der Küste Italiens herum. An Bord hatte sie 37 sudanesische Flüchtlinge, die die Besatzung aus dem Mittelmeer gefischt hatte. Was folgte, war eine Farce: Die Behörden beschlagnahmten das Schiff, Kapitän Stefan Schmidt und "Cap Anamur"-Chef Elias Bierdel wurden festgenommen und angeklagt. Das war 2004 und erst fünf Jahre später erfolgte der Freispruch für den Seemann. Dabei hatte er nur Menschenleben gerettet. Im neuen stern fordert Stefan Schmidt daher Rechtssicherheit für Kapitäne: "Man muss sich nur an das internationale Seerecht halten. Danach müssen Menschen aus Seenot gerettet werden. Punkt. Trotzdem riskieren Fischer, die Leben retten, in Italien noch immer, als Schlepper vor Gericht gestellt zu werden. Das ist irrwitzig."

Im langwierigen Prozess gegen Schmidt hatte der italienische Staatsanwalt vier Jahre Haft und eine Geldstrafe von 400.000 Euro gefordert. Sein Strafverfahren, so Schmidt, habe rund 800.000 Euro gekostet, die vom Verein Cap Anamur übernommen worden seien. "Als Privatleute wären wir ruiniert gewesen", sagte er. Neben einer Anklage riskierten Retter derzeit den wirtschaftlichen Ruin, weil Boote von den italienischen Behörden zerstört und Schiffe beschlagnahmt würden.

In den vergangenen Tagen waren gleich mehrere überfüllte Flüchtlingsboote gekentert. Dabei kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, mehr als 500 wurden gerettet. Wie es mit dem asylsuchenden Flüchtlingen weitergeht ist noch unklar. In Deutschland kommt auf 100.000 Bewohner gerade einmal ein genehmigter Asylantrag. Die rigide Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik Europas führt regelmäßig zu Protesten. So kam es am Dienstag zu Ausschreitungen im Schanzenviertel, als linke Demonstranten mit der Polizei aneinandergerieten