"Cap Anamur" Haft zu Ende - doch die Affäre geht weiter


Auch nach der Freilassung der drei Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Cap Anamur" dauert die Affäre an. Ihnen droht weiter die Anklage wegen der Beihilfe zur illegalen Einwanderung.

Trotz der erhofften Freilassung der drei Cap-Anamur- Mitarbeiter ist die Affäre um die deutsche Hilfsorganisation alles andere als zu Ende. Zwar durften Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel, der Kapitän des Flüchtlingsschiffes und deren Erster Offizier am Freitag nach fünf Tagen ihre wenig komfortablen Zellen räumen, doch die Vorwürfe gehen sie bleiben aufrecht. Der Untersuchungsrichter hat nämlich den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einwanderung bestätigt. Den Cap-Anamur-Mitarbeitern droht daher weiter eine Anklage und ein Prozess.

Was wird aus dem Schiff?

Völlig offen bleibt auch das Schicksal des am Montag konfiszierten Hilfsschiffes, das am Montag 37 afrikanische Flüchtlinge an Land gebracht hatte. Der Richter hat die Beschlagnahme bestätigt. Theoretisch könnte die "Cap Anamur" sogar verschrottet werden, falls es zu einer Verurteilung der Cap-Anamur-Mitarbeiter kommen sollte.

Freude über die Freilassung

"Die Cap-Anamur-Männer waren sehr glücklich über ihre Freilassung, zugleich aber besorgt um das Schicksal des Schiffes und der übrigen Besatzung", sagte die kommunistische italienische Europa-Abgeordnete Luisa Morgantini, die die Inhaftierten besuchte, als ihnen gerade ihre Freilassung mitgeteilt wurde.

Morgantini wurde vom deutschen Europaabgeordneten Tobias Pflüger begleitet, der vor allem die "problematischen Haftbedingungen" kritisierte. Bierdel und seine beiden Mitarbeiter waren nach Medienberichten in Zellen gesperrt worden, in denen Diebe und Mörder einsitzen.

Aufenthaltsverbot für Sizilien

Bierdel und Schiffskapitän Stefan Schmidt dürfen erst wieder zum Prozess nach Sizilien zurückkehren, denn der Untersuchungsrichter hat über sie ein Aufenthaltsverbot für die Insel und die beiden süditalienischen Regionen Kalabrien und Apulien verhängt - ganz offensichtlich wegen des Verdachts, sie könnten erneut Flüchtlinge ins Land "schmuggeln".

Die Beschlagnahme des Schiffes dürfte von den italienischen Justizbehörden auch als Druckmittel gedacht sein, damit im Falle eines Prozesses die Angeklagten auch wirklich erscheinen. Sollten sie es nicht tun, würde das wie ein Schuldeingeständnis gewertet werden - und der Prozess könnte nach italienischem Recht auch in Abwesenheit der Angeklagten geführt werden.

Ungewisse Zukunft der 37 Afrikaner

Völlig offen bleibt auch das Schicksal der 37 Afrikaner, die die "Cap Anamur" schon im Juni südlich von Sizilien gerettet hatte und erst nach dreiwöchiger Wartezeit an Land bringen konnte. Nachdem Deutschland dem Wunsch der Männer nach politischem Asyl in der Bundesrepublik eine Absage erteilt hatte, stellten sie ihr Asylgesuch in Italien - die Erfolgsaussichten sind jedoch denkbar gering.

Eine eigens nach Sizilien gekommene Regierungskommission hat am Freitag die Überprüfung der Asylanträge beendet, ohne jedoch ein Ergebnis bekannt zu geben. Innenminister Giuseppe Pisanu hat jedoch bereits die Abschiebung der Afrikaner in ihre Heimatländer angedeutet. Nach Angaben der italienischen Behörden kommen sie aus Nigeria, Niger und Ghana und nicht wie von Cap Anamur angegeben aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur. Ein Hoffnungsschimmer für die Flüchtlinge besteht trotzdem: Die Stadt Venedig hat sich angeboten, sie aufzunehmen.

Giovanni Facchini, DPA DPA

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