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Frankreichs reichste Frau: Gericht entmündigt L'Oréal-Erbin

Frankreichs reichste Frau wird entmündigt, ihre Tochter wird sich um die Finanzen der 88-Jährigen kümmern. Trotz negativer medizinischer Gutachten will sich die L'Oréal-Erbin aber nicht geschlagen geben.

Die unendliche Familien-Saga um Frankreichs reichste Frau, Liliane Bettencourt, hat wenige Tage vor ihrem 89. Geburtstag einen neuen Höhepunkt erreicht. Ein Vormundschaftsgericht in Courbevoie bei Paris hat nach Angaben der Anwältin von Bettencourts Tochter am Montag die Entmündigung der L'Oréal-Erbin verfügt. Demnach wurde ihr Enkel, Jean-Victor Meyers, als gesetzlicher Betreuer der 88-Jährigen bestimmt. Die Hand auf dem Vermögen werden nun ihre Tochter Françoise sowie zwei Enkel haben. "Sie wollen mich einsperren", hatte die als lebenslustig geltende Seniorin zuvor einer Zeitung erklärt - und gedroht, im Fall der Entmündigung auszuwandern.

Unklar bleibt, ob es nun wirklich der letzte Akt der Bettencourt-Familienfehde ist, die Frankreichs Öffentlichkeit sowie ganze Scharen von Juristen seit Monaten beschäftigt. Beide Seiten nutzten für ihre Zwecke alle möglichen Tricks und Möglichkeiten, die das französische Justizsystem zu bieten hat. Die vielen Gerichtsverfahren wurden zuletzt nur noch von Experten durchschaut.

Die im schicken Pariser Vorort Neuilly wohnende Liliane Bettencourt soll nach Medienberichten unter einer Mischung aus Alzheimer und Demenz leiden. Ihr Anwalt Jean-René Farthouat behauptet jedoch, dass das der Richter-Entscheidung zugrundeliegende Verfahren mangelhaft gewesen sei. Sein angekündigter Einspruch hat allerdings keine aufhebende Wirkung des Richterspruchs vom Montag.

Psychoterror und Parteispendenaffären

Die Tochter der L'Oréal-Erbin versucht seit langem, ihre Mutter für unmündig erklären zu lassen. Sie warf der 88-Jährigen vor, sie verschleudere unter dem Einfluss von Freunden und Bekannten große Teile ihres Vermögens. Mitarbeiter nutzten ihre Schwächen schamlos aus, darunter der homosexuelle Dandy und Promi-Fotograf François-Marie Banier. Insgesamt soll Liliane Bettencourt ihm Immobilien, Lebensversicherungen und Gemälde im Wert von einer Milliarde Euro geschenkt haben, behauptete die Bettencourt-Tochter.

Beide Frauen hatten sich heftige Auseinandersetzungen geliefert. Der Familienstreit um das L'Oréal-Erbe hatte diverse Affären ausgelöst, die auch die konservative Regierungspartei von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy betrafen. Liliane Bettencourt wehrte sich mit einer Klage wegen Psychoterrors und versöhnte sich schließlich in einer Mischung aus Familien- und Geschäftssinn Ende vergangenen Jahres mit ihrer Tochter. Françoise Bettencourt-Meyers ließ hingegen alle Klagen fallen und erhielt im Gegenzug Zugeständnisse von der Mutter.

Liliane Bettencourt ist die Erbin des L'Oréal-Kosmetikimperiums, das einst von ihrem Vater Eugène Schueller gegründet worden war. Nach ihrem Punktsieg in der jahrelangen Auseinandersetzung besänftigte die Tochter am Montag als erstes die um die Zukunft des Konzerns besorgten Aktionäre. Es bestehe kein Grund zur Sorge durch die Gerichtsentscheidung, ließ sie erklären. Änderungen seien nicht in Sicht - die Familie übe ihre Interessen über die Théthys-Holding aus.

Von Ralf E. Krüger/DPA / DPA