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"Unter Linken - der Film": Der Michael Moore der Bourgeoisie

Sehenswert: "Spiegel"-Journalist Jan Fleischhauer geht durch Berlin und entlarvt auf amüsante Weise die Lügen humorloser Linker. Die Verfilmung seines Buches "Unter Linken" ist gelungen. Da war die Legendenbildung vorab gar nicht nötig.

Von Dirk Benninghoff

Jan Fleischhauers Kindheit muss die Hölle gewesen sein. Comics? Nur Asterix. Disneys Donald Duck? Auf keinen Fall. Südfrüchte? Nicht aus Diktaturen. Nicht mal aus Israel, das die Palästinenser knechtet. Pepsi? Nein, Republikaner. Coca-Cola? Ab und an, Demokraten. Die Gosse ist ein Fest dagegen.

So kann es einem ergehen, dessen Eltern überzeugte Sozialdemokraten sind. Und Sozialdemokraten hatten in Fleischhauers Kindheit, Ende der 60er Jahre, einen anderen politischen Charakter als heute. Der Hamburger, heute Autor des "Spiegel", befand sich unter Linken. Nicht nur zuhause, auch auf der Uni war das Linke schwer en Vogue, das Konservative quasi aus der Art geschlagen. So ging Fleischhauer den Weg, den viele derart geprägte Menschen eines Tages gehen: Er wurde zum Konservativen. Und aus dessen Sicht entlarvt er die Lügen der Linken, dessen Borniertheit, dessen Humorlosigkeit. Das hat Fleischhauer bereits in seinem Buch "Unter Linken" gemacht - und heute Abend präsentiert er seine linke Nabelschau in Ton und Bild. Spiegel TV Magazin zeigt sozusagen die Verfilmung seines Buches.

Von wegen Prügel

Der "Spiegel"-Mann hat vorher kräftig auf die Trommel geschlagen für den Film, hat gar den US-Provokateur Michael Moore als ein Vorbild bezeichnet. Im Netz werden schon hier und da Legenden gebildet. Von Frank Bsirske, dem Verdi-Chef, sei Fleischhauer fast verprügelt worden, heißt es. In der Tat rückt ihm der rabiate Gewerkschaft nah auf die Pelle, ist aber von einer Schlägerei so weit entfernt wie Fleischhauer mittlerweile von den Sozis.

Doch solche Übertreibungen hat der nette, kleine Film überhaupt nicht nötig. Fleischhauer wandelt als herrlich blasierter, bourgeoiser Großstadt-Intellektueller durch Berlin. Seine Vorgehensweise ähnelt in der Tat der von Moore, optisch dagegen entstammt Hanseat Fleischhauer einem ganz anderen Lager. Auf seinem Weg durch die Stadt und ihre linken Zentren entlarvt er die Dummheiten und Absurditäten der Linken so widerspruchslos, dass es ihm ob seiner Herkunft verdammt weh tun muss, was er da vorfindet. Da kann man Fleischhauer auch verzeihen, dass seine Stimme nicht unbedingt fernsehkompatibel ist und das ein oder andere Wort mal verschluckt oder verhaspelt wird ("Vorsisssender").

Peymann nimmt die Kohle

Als ein sehr wütender und sehr dummer Mensch aus Kreuzberg den dortigen CDU-Mann Kurt Wasner von der Oranienstraße verjagen will, weil er dort nicht zu suchen habe - es gebe von seinesgleichen schließlich nur eine Handvoll in Kreuzberg - beruft sich Fleischhauer auf den Minderheitenschutz, für den doch gerade die Linke einstehe. Als er einen noch dümmeren Jungen zur Rede stellen will, weil der einen anderen aus der Handvoll Christdemokraten mit Wasser beschüttet hatte, flüchtet der junge Mann - ausgerechnet zur Polizei.

Claus Peymann entlarvt der "Spiegel"-Autor als linken Raffke, drückt ihm die versprochenen 500 Euro für den kurzen Interview-Termin vor laufender Kamera in die Hand. Der Theaterregisseur ist vollkommenen überfordert, gibt ein armseliges Bild ab. Auch bei Christian Ströbele tun sich Widersprüche auf, wenn er sich dafür einsetzt, dass ein McDonalds gegenüber einer Kreuzberger Berufsschule nicht eröffnen darf, weil das Essen ungesund für die - teilweise schon volljährigen - Schüler ist. Gegen einen Besuch an der Pommes-Bude hat der Grünen-Politiker dagegen nichts einzuwenden, obwohl das Fett dort genauso lustig brutzelt. Ohnehin scheint Ströbele nicht auf der Höhe der Zeit. Prustend schildert er Fleischhauer, dass er ja gerade ein ganz lustiges Buch über die Linken gelesen habe. "Unter Linken" heiße es. Es zeichnet Fleischhauer aus, dass er ihn darüber aufklärt, wer der Autor des Buches ist. Auch Dieter Hildebrandt entlarvt er, wenn der Pflichtkabarettist der Bewegung von sich behauptet, schon immer Witze über die Linke gemacht zu haben. Am Ende fällt ihm nur ein einziger ein.

Die größte Nummer in dem ganzen linken Absurditäten-Kabinett ergibt sich aber bei einem Treffen der grünen Jugend. Aber das lassen wir Ihnen als Cliffhanger, sonst müssten Sie "Unter Linken - der Film" am Ende gar nicht mehr anschauen.

Spiegel TV Magazin, "Unter Linken - der Film", RTL, heute, 23.25 Uhr