HOME

Umbaumaßnahmen der BVG: Kein Platz mehr für Obdachlose? Neue Sitzbänke in Berliner U-Bahnhöfen sorgen für Kritik

Besonders im Winter sind die U-Bahnhöfe in Berlin ein Zufluchtsort für Obdachlose. Neue Sitzbänke mit Armlehnen verhindern jetzt aber, dass Wohnungslose darauf schlafen können.

U-Bahnhof in Berlin

Die U-Bahnhöfe in Berlin bieten für viele Obdachlose Zuflucht. Mit baulichen Maßnahmen werden sie aber immer weiter verdrängt. (Symbolbild)

Picture Alliance

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen die Sicherheit und den Komfort für ihre Fahrgäste erhöhen. Dafür hat die BVG nun unter anderem hat in einigen U-Bahnhöfen neue Sitzbänke mit Armlehnen auf- und mehr Sicherheitspersonal in den U-Bahnen eingestellt. Nach Angaben des Unternehmens soll so der Drogenhandel in den Zügen und Bahnhöfen eingedämmt werden.

Doch vor allem an den neuen Sitzbänken gibt es Kritik. Während Armlehnen für wartende Fahrgäste zusätzliche Bequemlichkeit bedeuten, können sie für Obdachlose zu einer schwerwiegenden Einschränkung führen: Die Bänke in den U-Bahnhöfen lassen sich nicht mehr als Schlafplatz nutzen.

Vorwurf an die BVG: Obdachlose sollen ausgeschlossen werden

Mit der Maßnahme wolle die BVG Obdachlose ausschließen, vermuten Kritiker. Zu ihnen gehört unter anderem der sozialpolitische Sprecher der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte, Taylan Kurt. Er schrieb auf Twitter: "Weil wir dich nicht lieben: Überall in Berlin baut die BVG Sitzbänke so um, dass Obdachlose darauf nicht mehr schlafen können und vertrieben werden! Die BVG argumentiert, die Kund*innen wollen das, um getrennt zu sitzen." Für Kurt kein valides Argument: "Für wie dumm halten die uns eigentlich? Das muss aufhören!"

Schon länger wird der BVG vorgeworfen, Obdachlose aus den Bahnhöfen verdrängen zu wollen – nun auch durch sogenannte "defensive Architektur". In diesem Winter hatten die Verkehrsbetriebe keine Kältebahnhöfe mehr geöffnet, die Obdachlosen nachts bei Minusgraden Zuflucht bieten sollten. Begründet wurde das mit Sicherheitsproblemen. Nach langem Tauziehen wurden die Kältebahnhöfe schließlich durch eine zentrale Wärmehalle ersetzt.

Im Fall der Armlehnen auf den Sitzbänken verweist die BVG auf die Bedürfnisse älterer Fahrgäste, für die die Lehnen "eine gute Aufstehhilfe" seien, sagte Sprecherin Petra Nelken der "Berliner Morgenpost". Bei einer Umfrage hätten sich viele Fahrgäste für die neuen Sitzbänke ausgesprochen. Diese sind bisher in zehn der insgesamt 174 U-Bahnhöfe in Berlin verbaut.

Quellen: "Berliner Morgenpost" / Taylan Kurt auf Twitter / "taz"

epp