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Bücherverbrennung Vor 80 Jahren zündeten die Nazis Tausende Bücher an


Der Tag gehört zu den dunkelsten der deutschen Geschichte: Am 10. Mai 1933 gingen Tausende literarischer Werke in Flammen auf. 80 Jahre danach erinnern bundesweit Bürger an die Bücherverbrennung.

Deutschland hat sich nach den Worten von Bundestagspräsident Norbert Lammert bis heute nicht vollständig von den Folgen der Bücherverbrennungen der Nazis erholt. Die Verfolgung Hunderter Autoren und die öffentliche Vernichtung ihrer Werke seien Teil eines Zivilisationsbruchs gewesen, der in Kultur und Wissenschaft nachwirke, sagte Lammert auf einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Bücherverbrennung am Freitag in der Berliner Humboldt-Universität.

Am 10. Mai 1933 hätten nur wenige Meter von der Universität entfernt auf dem Berliner Opernplatz, dem heutigen Bebelplatz, NS-Studenten ein "bizarres Staatsschauspiel" inszeniert - mit Unterstützung der Professoren, wie Lammert betonte. Die Scheiterhaufen seien ein Symbol für die mutwillige Zerstörung und die Selbstaufgabe der Demokratie. Der Exodus der Intellektuellen habe einen kulturellen und wissenschaftlichen Aderlass ausgelöst. Lammert zitierte den Schriftsteller Joseph Roth, der schon vor Machtantritt der Nationalsozialisten gesagt hatte: "Sie werden unsere Bücher verbrennen und uns damit meinen."

Kein Professor erhob Einspruch

Der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, sagte, die Hochschule habe dabei eine umrühmliche Rolle gespielt. Kein Professor habe Einspruch gegen die Verbrennung erhoben, die Initiative für die "schwarzen Listen" sei von den Studenten ausgegangen.

Auch an weiteren Orten in Deutschland wurde am Freitag an die Bücherverbrennung erinnert. Mit der "Aktion wider den undeutschen Geist" hatten die Nationalsozialisten in mehr als 20 Städten tausende Werke bekannter Autoren vernichtet, darunter Bücher von Lion Feuchtwanger, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Sigmund Freud und Karl Marx.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die Bücherverbrennung einen "Akt der Barbarei und der antidemokratischen Hetze". Büchern seien auch Toleranz, Liberalität und Pluralismus verbrannt.

Lesen aus den Büchern der "Reichsfeinde"

Mit einer Kunstaktion wurde auf dem Münchner Königsplatz der Vernichtung der Bücher gedacht. Der Künstler Wolfram Kastner verbrannte ein Stück Rasen - genau dort, wo die Bücher verfemter Autoren 1933 brannten. "Über die Geschichte darf kein Gras wachsen", erklärte Kastner. Anschließend lasen Freiwillige aus Büchern der damals sogenannten "Reichsfeinde", darunter Bertolt Brecht, Heinrich und Klaus Mann, Alfred Döblin und Erich Maria Remarque.

Am Nachmittag wollten auf dem Bebelplatz die evangelische und die katholische Kirche sowie die Jüdische Gemeinde an die Verbrennung erinnern, Schauspieler wollten aus verbotenen Büchern lesen. Auf dem Platz neben Staatsoper und Hedwigskathedrale hat der israelische Künstler Micha Ullman ein unterirdisches Denkmal geschaffen: Eine Bibliothek ohne Bücher, die durch ein Glasscheibe im Boden einzusehen ist.

nw/DPA DPA

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