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Video löst Rassismus-Debatte aus "Verpisst euch in euer Land!": Familie wird in Dänemark rassistisch attackiert – Kinder hören alles mit

Der Angreifer attackiert Kodes Hamdis Mann verbal (l.). Ihre Kinder (r.) bekommen alles mit
Screenshots aus dem Video, das Kodes Hamdi auf Facebook geteilt hat. Es zeigt, wie der Angreifer ihren Mann verbal attackiert (l.) und ihre Kinder (r.), die alles mitbekommen
© Privat
Ein Ausflug bekam eine bittere Wendung, als ein Mann eine junge Familie mit rassistischen Beleidigungen bepöbelte. Ein Video des Geschehens verbreitet sich schnell in Dänemark und löst eine Debatte und Reaktionen aus – sogar von der Ministerpräsidentin.

"Ihr seid Gäste hier!"

"Warum verpisst ihr euch nicht in euer eigenes Land?"

"Das ist nicht euer Land, schaut euch eure Hautfarbe an!"

"Fuck you!"

Was ein netter Ausflug an den Hafen von Kastrup nahe der dänischen Hauptstadt werden sollte, wurde für die junge Familie Hamdi zu einem unschönen Erlebnis. Das Ehepaar war mit seinen zwei kleinen Kindern am Wasser, als sie anscheinend grundlos von einem Mann verbal attackiert und rassistisch beleidigt wurden.

Mutter Kodes Hamdi postete am Sonntag auf Facebook Fotos und Videos des Geschehens vom Tag davor. "Ein Ausflug zum Hafen von Kastrup wurde zu einem Ausflug, den meine Kinder vorerst nicht vergessen werden. Warum? Weil wir die Hautfarbe haben, die wir haben", schreibt sie dazu. 

"Ihr seid Gäste!": Junge Familie wird beschimpft

Auf dem Video, das auch mehrere dänische Medien verbreitet haben, ist zu sehen, wie die Familie am Kai des Hafens steht. Aus einigen Metern Entfernung ruft ein Mann ihnen dann zu: "Weil ihr hier Gäste seid, man!" und "Halt die Klappe, man!"

Die 28-jährige Kodes Hamdi wehrt sich gegen die Verbal-Attacke: "Nein, wir sind keine Gäste hier." Sie fordert den Mann auf, selbst den Mund zu halten und nicht so mit ihr und ihrer Familie zu sprechen. Energisch erklärt sie, dass sie mit zwei kleinen Kindern unterwegs sei und fordert den Angreifer auf, sich rauszuhalten. 

Der Mann ruft, dass die Familie aufhören solle, Ärger zu machen. "Welchen Ärger haben wir denn gemacht?", entgegnet Hamdi, die Mathelehrerin ist. "Wir schauen doch nur aufs Wasser!"

Darauf kommt der Mann auf das Ehepaar zu. Kodes Mann stellt sich ihm gegenüber und fordert ihn auf, den Mund zu halten. Der Angreifer schimpft dann, dass die Familie zu Gast in Dänemark sei.

Verängstigte Kinder bekommen alles mit

Es folgen weitere Beschimpfungen. "Das ist mein Land, ich bin hier aufgewachsen", entgegnet Kodes Hamdi, die Kopftuch trägt. "Das ist nicht euer Land, schaut euch eure Hautfarbe an!", bekommen sie und ihr Mann zu hören. "Warum kämpft ihr nicht in eurem eigenen Land?", fragt er sie weiter. "Es herrscht kein Krieg in dem Land, aus dem wir kommen", antwortet die 28-Jährige, die tunesische Wurzeln hat.

Die beiden Kinder der Hamdis bekommen die Schimpftirade mit. In einem weiteren Video ist zu sehen, wie einer der beiden Jungen in Tränen ausbricht und vom Vater getröstet wird. Offenbar hat der Junge Angst bekommen. 

"Zum Glück waren andere Leute in der Nähe, die kamen und halfen. Meine Jungs wurden von Leuten auf eine Jacht eingeladen, denen Hautfarbe und Glaube egal sind. Sie haben dafür gesorgt, dass meine Jungs nicht noch mehr traumatisiert wurden und mit diesem Skandal abschließen konnten", schreibt Kodes Hamdi weiter in ihrem Facebook-Beitrag. Polizisten, die sie gerufen hatte, halfen der jungen Familie ebenfalls.

Politiker:innen in Dänemark reagieren entsetzt

Auf den geposteten Videos lässt sich nicht erkennen, was zuvor passiert ist. In einem Interview mit dem Sender TV2 berichtet Hamdi, dass die Kinder am Wasser gespielt hätten. Offenbar hatte das den Mann gestört.

Das Video des Ereignisses verbreitet sich schnell in sozialen Medien in Dänemark. Mehr als 5700 Mal wurde es auf Facebook geteilt. Auch viele Medien griffen das Video auf, wodurch eine Debatte um Rassismus im Land angestoßen wurde. Mehrere Politiker:innen verschiedenster Parteien reagierten ebenfalls auf das Video.

Der sozialdemokratische Integrationsminister Mattias Tesfaye teilte über Twitter mit, dass ihn die Geschichte "traurig" mache. "Aber gleichzeitig ist es schön zu hören, wie Passanten und Polizei mit der Situation umgegangen sind. Stoppt Rassismus."

Der konservative Abgeordnete Rasmus Jarlov schrieb auf Twitter: "Verwerfliches Verhalten. Arme kleine Kinder. Das Ablehnen von Masseneinwanderung sollte niemals zu etwas Persönlichem gemacht werden, bei dem man den einzelnen Einwanderer dafür kritisiert, in Dänemark zu sein. Es ist völlig unvernünftig und bringt nichts Gutes mit sich. Nur Unglück und Trauer."

Søren Espersen, Abgeordneter der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei, schrieb auf Twitter: "Ich habe das Video gesehen und sympathisiere mit der kleinen Familie, die diese Behandlung sicherlich nicht verdient hat."

Auch die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte in sozialen Medien mit einem kurzen Statement. "Wir alle haben die Verantwortung, Nein zu Rassismus, Hass und Diskriminierung zu sagen. Es gehört nicht nach Dänemark."

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Die sozialliberale Partei Radikale Venstre sowie mehrere Vereine wollen nun eine Untersuchung zu Rassismus in Dänemark und einen Handlungsplan anstoßen, wie TV2 berichtet. Laut der dänischen Polizei wurde von 2018 bis 2019 ein Anstieg um 27 Prozent bei Hassverbrechen registriert – von 449 Fällen auf 569.

Mutter will in Dialog mit Angreifer treten

Wie der Sender weiter berichtet, hat Kodes Hamdi Anzeige bei der Polizei in Kopenhagen erstattet. Der Anwalt Tyge Trier erklärte aber, dass das Geschehen in dem Video wahrscheinlich nicht als Hassverbrechen eingestuft werden könne – und somit keine strafbare Handlung darstelle. "Er sagt etwas wirklich Unhöfliches und wirklich Unangenehmes, aber er bleibt im Rahmen des Gesetzes."

Im TV2-Interview lud Kodes Hamdi den Mann zu einer Aussprache ein. Sie würde ihn gerne fragen: "Warum? Warum gerade wir? Was haben wir getan? Was macht mich weniger dänisch als dich?"

Update vom 27. Mai: Der Mann, der die Familie Hamdi beschimpft hat, hat sich bei der Zeitung "Ekstra Bladet" gemeldet und die Familie "von ganzem Herzen" um Verzeihung gebeten. Seiner Aussage nach habe er zuvor Alkohol getrunken und sei von Kodes Hamdis Mann beschimpft worden. Dies sei aber keine Entschuldigung für seine Reaktion, so der Mann in der grünen Jacke. Kodes Hamdi sagte der Zeitung, dass sie die Entschuldigung annehme. Sie könne aber seine Darstellung der Geschehnisse nicht teilen. Sie bekräftigte ihr Angebot eines Dialogs mit dem Mann. 

Weitere Quellen: Danmarks Radio, TV2


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