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Film "enthüllt" Strippenzieher: Die ganze Wahrheit über Femen

Die Femen-Aktivistinnen haben beim Filmfest in Venedig einen Film präsentiert, der ihre Gegner begeistert. Ein Mann stecke hinter den Busen-Aktionen, heißt es. Sie haben sich wohl zu früh gefreut.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Ha! Endlich! Natürlich! Wir haben es doch schon immer gewusst! Gegner der feministischen Aktivistinnen von Femen im Allgemeinen und Russlands Präsident Putin im Besonderen reiben sich wohl gerade die Hände angesichts der Berichterstattung über eine Dokumentation, die beim Filmfest in Venedig aktuell Premiere gefeiert hat: "Die Ukraine ist kein Bordell" heißt der Film. Gedreht hat ihn die Australierin Kitty Green, die ein Jahr lang mit den Femen-Frauen gearbeitet hat. Und glaubt man Zeitungen wie dem britischen "Independent" hat sich die schrille Bewegung damit selbst erledigt. Denn: Hinter all den blanken Brüsten steckt - ein Mann.

Die Welt scheint wieder in Ordnung, wenn es heißt, dass Wiktor Swjatskij Femen "gegründet", von Anfang an "kontrolliert", die schönsten Frauen "ausgesucht" habe und "die graue Eminenz", das "Mastermind" hinter der ganzen pressewirksamen Aufregung sei. Er habe die Bewegung nur ins Leben gerufen, um "Frauen zu kriegen", wird vollmundig ausgeführt. Und jetzt kommt's: Die Mädels ließen sich von ihm schlecht behandeln und anschreien, weil sie am "Stockholm Syndrom" litten. Man hört den Autor des Artikels geradezu erleichtert aufatmen. Der Spuk ist vorbei.

Organisierter Nacktprotest: Das System Femen

"Wir sind stärker als zuvor"

Ist er nicht, wenn man bei Femen-Aushängeschild Sascha Shevchenko nachfragt. Dann fängt er gerade erst an. Denn - anders als der Artikel impliziert - ist Greens Film für die Aktivistinnen offensichtlich ein Grund zum Feiern. Sie hätten sich von Wiktor Swjazkij befreit, sagt Shevchenko am Telefon zu stern.de, und genau davon erzähle dieser Film. "Seit Juni vergangenen Jahres arbeiten wir ohne ihn. Weil wir ihn nicht mehr brauchen."

Ja, Swjazkij sei bei der Gründung mit dabei gewesen, "wie andere Männer auch, denn wir haben als Kollektiv angefangen". Ja, er habe großen Einfluss gehabt, und sie hätten viel von seinen Erfahrungen in politischen Organisationen gelernt. Und ja, ihnen sei bewusst gewesen, dass Männer in der Organisation seltsam wirkten. Um so größer sei nun das Gefühl der Befreiung, die persönliche Befreiung vom Patriarchat innerhalb Femens, so Shevchenko. "Das ist unsere Geschichte. Und deshalb sind wir jetzt stärker als zuvor. Effektiver! Weil der Druck weg ist."

Und was sagen Sie zu Leuten, die sich darüber freuen, dass "es" doch nur ein Mann war? "Natürlich werden sie es gegen uns benutzen." Aber das sei nun mal so. "Wir sind stark genug. Femen ist glücklich über diesen Film! Wir sind frei!"