Für den bevorstehenden Transport von Atommüll von Jülich nach Ahaus über die Straßen von Nordrhein-Westfalen werden laut der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Tausende Einsatzkräfte benötigt. Laut einer Schätzung von GdP-Landeschef Patrick Schlüter könnten bis zu 4.500 Polizisten gebraucht werden. "Zum Vergleich: Bei einem Derby von Dortmund gegen Schalke oder Mönchengladbach gegen Köln sind üblicherweise 2.500 bis 3.000 Beamte im Einsatz", sagte Schlüter der "Rheinischen Post".
Das Innenministerium hingegen hält diese Schätzung für übertrieben. "Konkrete Zahlen zum Personalaufwand bei Castor-Transporten werden zum aktuellen Zeitpunkt aus einsatztaktischen Gründen nicht genannt. Die aktuell wiedergegebene Schätzung ist jedoch nicht zutreffend", betonte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.
GdP-Landeschef Schlüter betonte, dass ein Strahlenschutz- und Arbeitssicherheitskonzept vorliege, das weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehe. "Deswegen sind wir als GdP NRW damit zufrieden - auch wenn wir diesen Einsatz natürlich weiter für unnötig halten."
Reul würde gerne auf die Castor-Transporte verzichten
Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist kein Fan von dem Einsatz: "Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castor-Transporte gerne verzichten. Aber die Arbeit der Polizei ist kein Wunschkonzert. Wir können uns die Einsätze nicht aussuchen."
Der Schutz von Castor-Transporten sei eine große Herausforderung. Doch die Polizei habe die notwendige Erfahrung, um solche Einsätze effizient und sicher durchzuführen, unterstrich der Innenminister.
Die hohe Zahl an Einsatzkräften liegt auch daran, dass es zu Demonstrationen kommen könnte: "Es wäre der Super-Gau, wenn es Castorgegnern gelänge, den Transport unterwegs zu stoppen", sagte GdP-Landeschef Schlüter. Man wisse um die Radikalität derjenigen, die in Lützerath aktiv waren. "Wir wissen auch, dass die Szene sehr schnell mobilisieren kann. Die Polizei hat ein Auge drauf, beobachtet sehr genau."
Es gibt keine Endlager - nur Zwischenlager
Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, unter anderem in Ahaus.
Bei dem Atommüll handelt es sich um rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus einem 1988 abgeschalteten Versuchsreaktor in Jülich. Sie befinden sich in 152 speziellen Schutzbehältern, sogenannten Castoren. Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke nach Ahaus wird nach bisherigen Angaben voraussichtlich jeweils ein kleiner Konvoi von bis zu vier Schwertransportern unterwegs sein. Angesichts der 152 Castoren dürften es zahlreiche Transporte werden.