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Pharma-Betrüger Der Hass auf Martin Shkreli

Martin Shkreli trägt bei seiner Festnahme dunkle Sonnenbrille und schwarzes Hemd, so geht er im Regen durch eine Menschenmasse
Martin Shkreli gilt als der "meistgehasste Mann Amerikas"
© Lucas Jackson/Reuters
Mit seiner Arroganz und seinem Geld hat sich Martin Shkreli den Hass der USA erkauft. Der Unternehmer hat keine Skrupel, wenn es darum geht, sich selbst zu bereichern. Jeden Shitstorm lässt er einfach an sich abprallen.

Manche nennen ihn den "meistgehassten Manager der USA", andere den "meistgehassten Mann des Internets", wieder andere den "meistgehassten Mann Amerikas". Es wird deutlich: Martin Shkreli ist alles andere als beliebt. Der US-amerikanische Unternehmer war unter anderem in die Kritik geraten, weil er den Preis eines Aids-Medikaments um das 55-fache angehoben hatte.

Als er am Donnerstag festgenommen wurde, konnte man beinahe die ganze Welt jubeln lesen. Doch das, wofür Shkreli festgenommen wurde, ist nicht das, wofür die meisten Menschen ihn gerne hinter Gittern sehen möchten. Inzwischen ist er gegen eine Kaution von sage und schreibe fünf Millionen Dollar sogar wieder auf freiem Fuß, wie "Business Insider" berichtet.

Ein Vorzeigeunternehmer - ohne jede Moral

Zur traurigen Berühmtheit wurde der heute 32-Jährige, weil er ein für Aids-Patienten wichtiges Medikament exorbitant teurer machte. Mit seiner Investment-Firma Turing Pharmaceuticals hatte er das Medikament Daraprim aufgekauft. Zugelassen wurde das bereits Anfang der Fünfziger Jahre. Den bisherigen Preis von 13,50 Dollar pro Pille legte er neu auf horrende 750 Dollar fest - ebenfalls pro Pille. Den Shitstorm, den er damit unweigerlich auslöste, ließ er kühl an sich abprallen. Als ihn unter anderen auch die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mit Inbrunst darum bat, den Preis wieder zu senken, lachte Shkreli sie und all seine Kritiker via Twitter aus - mit einem schlichten "lol".

Shkreli hat eigentlich die perfekte Aufstiegsgeschichte hinter sich, er lebte den amerikanischen Traum. Seine Eltern sind aus Kroatien und Albanien in die USA eingewandert und haben sich und ihrem Sohn ein gutes Leben erarbeitet. Als Jugendlicher brach Shkreli die High School ab und wandte sich lieber gleich einer glitzernden, von Anfang an auf Profit ausgelegten Karriere zu, die ihn erst an die Wall Street führte, später über große Unternehmen als Hedgefonds-Manager in die Pharma-Industrie. Ein Vorzeigeunternehmer, der bald zum Symbol für die schmutzigste Seite des Kapitalismus wurde.

Festgenommen wurde er am Donnerstag jedoch nicht etwa wegen seiner perversen Geldmacherei. Nein, vielmehr aufgrund von Anschuldigungen im Zusammenhang mit seinem früheren Job als Chef der Pharmafirma Retrophin. Shkreli soll damals Geldbeträge in Millionenhöhe abgezweigt haben, um Verluste bei seinem Hedgefonds auszugleichen. 

Er nimmt Geld von Kranken und benutzt es, um andere zu verletzen

Dieser Umstand verstärkt die Wut der Amerikaner auf Shkreli noch mehr. Auch die egoistische Nummer mit dem exklusiven Album von Wu-Tang Clan hat jüngst den Zorn der Nation geschürt. Die Rap-Gruppe hatte sich einen ganz besonderen PR-Gag ausgedacht: Nur eine einzige Ausgabe eines neuen Albums wollte sie herausgeben, ein Unikat für einen Mega-Fan, das sie meistbietend versteigern wollten. Das Magazin "Bloomerg" enthüllte dann, dass Shkreli das Unikat gekauft hatte, für schlappe zwei Millionen Dollar. Gehört habe er das Album jedoch nie, lies Shkreli verlauten. 

Sein Image ist dem Unternehmer dabei offenbar herzlich egal. Shkreli nimmt Geld von den Kranken und benutzt es, um andere zu verletzen. Auf kritische Fragen lässt er sich gar nicht erst ein - oder verhöhnt den Fragesteller via Twitter mit Schimpfworten und verbalen Stinkefingern.

Mit seiner Arroganz und seinem Geld hat sich Shkreli den Hass der USA erkauft. Ob ihm sein vieles Geld und seine kalten Schultern ihm auch aus seinen Problemen mit der Justiz heraushelfen? Oder wird es nun ausgerechnet eine Angelegenheit wie Wertpapierbetrug, die ihn ins Gefängnis bringt? Er selbst plädiert freilich auf "nicht schuldig".


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