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Mord-Prozess: Reichsbürger-Prozess um erschossenen SEK-Beamten: "Ich bin der freie Mann Wolfgang!"

In Nürnberg steht der Sportschütze Wolfgang P. wegen Mordes vor Gericht. Er hat einen SEK-Beamten erschossen, als die Polizei ihm seine Waffen abnehmen wollte. Oft merken die Waffenbehörden nicht, wenn Sportschützen unzuverlässig geworden sind. Für Hausbesuche fehlt das Personal.

Der sogenannte Reichsbürger von Georgensgmünd, Wolfgang P., steht vor Gericht

Der sogenannte Reichsbürger von Georgensgmünd, Wolfgang P., vor Gericht: Wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind, lächelt er

Das SEK rückte im Morgengrauen an. Gegen sechs Uhr früh umstellten über 20 Polizisten im Oktober des vergangenen Jahres das Haus von Wolfgang P. im bayerischen Georgensgmünd. Die Polizisten sollten 31 Pistolen und Gewehre beschlagnahmen, die der Sportschütze und Jäger - mit Genehmigung der örtlichen Waffenbehörden -  seit 1991 in seinem Haus gehortet hatte. Das Landratsamt Roth hatte Wolfgang P. im August 2016 aufgefordert, seine Waffen abzugeben. Der Kampfsportlehrer hatte sich offensichtlich den Reichsbürgern angeschlossen, die Deutschland für eine GmbH halten. Waffenbesitzer, so will es das Gesetz, dürfen keine Staatsfeinde sein. Wolfgang P. hatte sich geweigert, seine Waffen abzugeben.

Der SEK-Beamte Daniel E. wollte gerade die Haustür aufbrechen, als der Reichsbürger durch die geschlossene Tür feuerte. Elf Mal. Eine Kugel traf Daniel E. in den Arm. Eine zweite blieb in seiner Lunge stecken. Eine Kugel durchbohrte den Oberarm seines Kollegen. Zwei weitere SEK-Beamte wurden durch splitterndes Glas verletzt. Daniel E. starb Stunden später in einer Klinik. Mit 32 Jahren. 

Wolfgang P. sitzt jetzt wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Nürnberg auf der Anklagebank. Er lächelt, wenn die Kameras auf ihn gerichtet sind, benimmt sich wie ein Promi, nicht wie ein reuiger Angeklagter. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass er mit dem Polizeieinsatz gerechnet hat. Ein Zeuge belastet ihn schwer. „Bei mir kommen die nicht rein. Ein paar von denen nehme ich mit“, soll Wolfgang P. nur Tage vor dem SEK-Einsatz beim Pokern geprahlt haben. Der Angeklagte bestreitet das. Er habe an jenem Morgen gedacht, „der dritte Weltkrieg  sei ausgebrochen“ und sich nur verteidigen wollen, hat Wolfgang P. dem psychiatrischen Gutachter erzählt. Vor Gericht verweigert er die Aussage. Als die Richterin  ihn nach seinem Namen fragt, antwortet er: „Ich bin der freie Mann Wolfgang“.

Die Innenminister der Länder wollen Reichsbürger jetzt entwaffnen. Kurios: Die Ersten ziehen dagegen vor Gericht, erhoffen sich Hilfe vom Staat, der für sie nicht existiert. In Halle steht gerade der ehemalige „Mister Germany“ Adrian U. vor Gericht. Auch er ist Reichsbürger. Auf Facebook soll der ehemalige Schönheitskönig mit Wolfgang P. befreundet gewesen sein. Auch Adrian U. soll auf einen Polizisten geschossen haben – allerdings mit einer illegalen Waffe. Anders als Wolfgang P. hatte er keine „waffenrechtliche Genehmigung“.  

Über 200 Opfer von Sportschützen seit 1990

In Deutschland gibt es nach Einschätzung des Verfassungsschutzes etwa 15.000 Reichsbürger. Etwa 700 sollen mit Genehmigung der Behörden Waffen zu Hause haben, weil sie Sportschützen, Jäger, Waffensammler oder Waffenerben sind. Die Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“, in der viele Eltern organisiert sind, deren Kinder von Sportschützen erschossen wurden, reicht der Vorstoß der Innenminister nicht. Sie will alle tödlichen Sportwaffen verbieten lassen. Nach Recherchen der Initiative ist der SEK-Beamte Daniel E. einer von über 200 Menschen, die seit der Wiedervereinigung 1990 von Sportschützen erschossen worden sind. „In Deutschland sind mehr Menschen von Sportschützen umgebracht worden als durch den Terror der RAF“, behauptet Autor Roman Grafe („Deutsche Gerechtigkeit“).

Tatsächlich wird in Deutschland etwa jede Woche ein Mensch erschossen. Allerdings macht sich das Statistische Bundesamt nicht die Mühe, zu unterscheiden, ob die Opfer mit legalen oder illegalen Waffen getötet wurden. Die Statistiker zählen nur die gesamten Todesfälle durch Waffen. 2015 begingen 736 Menschen Selbstmord mit einer Waffe. 52 Menschen wurden erschossen. 

Roman Grafe hat die Initiative 2009 - nach dem Amoklauf von Winnenden - mit Angehörigen der Opfer gegründet. Damals hatte der 17-Jährige Tim Kretschmer 15 Menschen erschossen. Sein Vater, ein Sportschütze, hatte die Tatwaffe im Kleiderschrank zwischen Pullovern aufbewahrt.

Nach dem Amoklauf von Winnenden wurde die Altersgrenze für das Schießen mit großkalibrigen Waffen angehoben. Waffen und Munition müssen sicher und getrennt voneinander aufbewahrt werden. Waffenbesitzer müssen sich gefallen lassen, dass die Behörde sie „verdachtsunabhängig“ zu Hause kontrolliert. In der Praxis geschieht das allerdings eher selten. Den 550 Waffenbehörden in Deutschland fehlt das Personal. Sie müssen fast eine Million Menschen kontrollieren, die im Nationalen Waffenregister registriert sind und 5,3 Millionen legale Waffen zu Hause haben. 

Waffenkontrolleure vor verschlossenen Türen

Doch selbst wenn die Kontrolleure ausrücken, stehen sie meistens vor verschlossenen Türen. In Erfurt, wo der 19-jährige Sportschütze Robert Steinhäuser 2002 an einem Gymnasium elf Lehrer, eine Referendarin, die Schulsekretärin, zwei Schüler und einen Polizeibeamten erschoss, suchten die Kontrolleure von 2015 bis 2017 nach eigenen Angaben 358 Waffenbesitzer auf. Sie trafen gerade mal 115, also knapp ein Drittel, zu Hause an. In Hamburg rückten die Mitarbeiter der Waffenbehörde 2016 über 2000 Mal aus, konnten jedoch nur 457 Waffenbesitzer kontrollieren. Die niedrige Erfolgsquote kommt nicht von ungefähr: Die Kontrolleure dürfen nicht zur „Unzeit“, also spätabends, nachts oder an Sonn- und Feiertagen klingeln. Sie kommen also in der Regel während ihrer Bürozeit - wenn viele Leute arbeiten. In Bayern, wo es die meisten legalen Schusswaffen gibt, forderte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Waffenbehörden sogar auf, ihre Kontrollbesuche vorher anzukündigen, wie Grafe für den Nachrichtensender n-tv enthüllt hat. Herrmann, selbst Sportschütze, wird jetzt, nach der Bundestagswahl, als Verteidigungsminister gehandelt.

Reichsbürger Wolfgang P. fiel  den Behörden nur auf, weil er sich weigerte, seine Kfz-Steuer zu bezahlten. Als der Zoll das Geld eintreiben wollte, jagte er die Beamten mit den Worten vom Hof, sie würden „fremdes Staatsterritorium betreten“. Die „Staatsgrenze“ seines Grundstücks hatte er mit einer gelben Linie markiert. An seinem Briefkasten hing ein Schild. „Regierungsbezirk Wolfgang“, stand darauf. „Mein Wort ist hier Gesetz.“

Sportschütze Fred R. aus dem saarländischen Homburg blieb für die Behörden dagegen jahrelang unauffällig. Im Mai dieses Jahres erschoss er seine 41 Jahre alte Nachbarin Romana S. Ein Jahr zuvor hatte er versucht, ihren Hund zu vergiften. Das Amtsgericht Homburg hatte ihn deshalb zu einer Geldstraße von 600 Euro verurteilt. „Er drohte uns: ,Das werdet ihr noch bereuen’“, erzählt die Mutter von Ramona S. dem stern. Fünf Tage später lauerte Fred R. ihrer Tochter auf, als sie von der Arbeit kam und tötete sie mit mehreren Schüssen. Als die Polizei ihn stellen wollte, schoss Fred R. auch auf die Beamten. Er verfehlte sie nur knapp. Wenig später jagte er sich in einem Wald eine Kugel in den Kopf.

Kontrolle vom Schreibtisch aus

Fred R. erhielt seine „Waffenbesitzkarte“ im Jahr 1983. Er war damals Mitglied im Schützenverein. Doch schon ein paar Jahre später trat er wieder aus. Sportschützen, die nicht mehr im Verein schießen, haben in der Regel kein „waffenrechtliches Bedürfnis“ mehr, wie es im Amtsdeutsch heißt. Sie müssen ihre Waffen abgeben. Doch erst seit 2002 müssen Schützenvereine Austritte melden. Da Fred R. lange vorher ausgetreten war, merkte die Waffenbehörde nicht, dass er kein Schützenbruder mehr war. 

Die Waffenbehörde überprüfte seine „Zuverlässigkeit“ und „persönliche Eignung“ routinemäßig – so wie es das Gesetz vorsieht -  spätestens alle drei Jahre am Schreibtisch. Die Kontrolleure checkten zuletzt Anfang 2017 im Bundeszentralregister, ob Fred R. wegen einer Straftat verurteilt worden war. Der Sportschütze war "sauber". Die Waffenbehörde fragte bei Polizei und Staatsanwaltschaft nach. Und erfuhr von dem Ermittlungsverfahren gegen Fred R., weil er versucht hatte, den Hund zu vergiften. Hätte Fred R. den Hund erschossen, wäre das womöglich ein Verstoß gegen das Waffengesetz gewesen. Die Behörde hätte Fred R. entwaffnen können. Versuchte Tierquälerei reichte dagegen nicht aus. Für eine Kontrolle vor Ort sah die Waffenbehörde keinen Anlass. Vielleicht wäre den Kontrolleuren sonst aufgefallen, was Nachbarn dem stern erzählt haben. „An seinem Eingang hing ein Hakenkreuz.“

Tatsächlich fand die Kripo nach dem Tod von Ramona S. in der Wohnung des Täters Nazi-Devotionalien, die Fred R. gesammelt hatte. Als Neo-Nazi hätte die Behörde Fred R. entwaffnen können.

Vier Wochen zuvor, im April, hatten Spaziergänger im brandenburgischen Priot zwei Leichen in einem Auto entdeckt. Vater und Sohn. Offenbar hatte der 41-jährige Daniel H. - Vizekreismeister im Pistolenschießen - erst seinen 16-jährigen Sohn Maxim und dann sich selbst erschossen. 

Mutter: "Ich habe lebenslänglich"

Im Jahr davor, 2016, berichteten Medien über elf Menschen, die von Sportschützen erschossen worden waren, darunter der Polizist Daniel E. und die elfjährige Janina. Das Mädchen starb in der Silvesternacht. Gegen ein Uhr hatte Janina mit anderen Kindern im fränkischen Unterschleichach auf der Straße gefeiert. Plötzlich war sie mit blutender Nase zusammengesackt. Sie starb am nächsten Morgen im Krankenhaus. Knapp zwei Wochen später nahm die Kripo den Sportschützen Roland E. fest. Er hatte sich über den Lärm in der Silvesternacht geärgert. Und auf die Kinder geschossen. Vor Gericht bescheinigte ihm ein Gutachter eine verminderte Steuerungsfähigkeit. Das Landgericht Bamberg verurteilte ihn Ende 2016 zu zwölfeinhalb Jahren wegen Totschlags. 

Janinas Mutter Magdalena M.: "Ich habe lebenslänglich."

Janinas Mutter Magdalena M.: "Ich habe lebenslänglich." Ihre elfjährige Tochter wurde Silvester von einem Sportschützen erschossen

„Ich habe lebenslänglich“, sagt Janinas Mutter Magdalena M. Sie steigt die Treppen zum Dachboden ihrer Wohnung hoch. Hier, unterm Dach, war Janinas Zimmer. „Wenn es mir schlecht geht, gehe ich hier hoch, lege mich aufs Bett und weine mir die Seele aus“, sagt sie. Alles ist noch so, wie Janina es am Silvesterabend vor ihrem Tod verlassen hat. Neben dem Bett steht die halbvolle Wasserflasche. „Janina hatte nachts immer Durst.“ Die Bettwäsche, pink und blau, hat nur ein paar Falten geschlagen. An den Wänden hängen Fotos von Janina, ein hübsches Mädchen mit langen, dunklen Haaren. Auf einem Foto steckt sie den Kopf mit ihrer besten Freundin zusammen. Auf einem anderen Bild küsst sie ihren Bruder. Er war neun Wochen alt, als der Sportschütze seine Schwester erschoss. Jeden Tag geht Magdalena M. mit ihrem kleinen Sohn zum Friedhof. „Er streichelt Janinas Foto. Er ist erst zwei, begreift noch nicht, was passiert ist. Eines Tages muss ich es ihm erzählen. Was soll ich ihm sagen? Dass es kein Unfall war? Dass Janina mit einer Waffe erschossen wurde, die der Staat dem Täter in die Hand gedrückt hat?“ 

Dieses Foto schenkte Janina ihrer Mutter zum Geburtstag

Dieses Foto schenkte Janina ihrer Mutter zu ihrem 36. Geburtstag. Nach dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter ist das Foto für die Mutter heute eine schmerzliche Erinnerung. 

"Waffen sind doch keine Spielzeuge"

Wenn Magdalena M. in den Ort zum Einkaufen geht, kommt sie an einem alten Wahlplakat vorbei. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warb im Bundestagswahlkampf „klar für Sicherheit“. Nach Janinas Tod hatte er gesagt: „Es gibt in der Tat nicht den geringsten Grund, den Schießsport in unserem Land in irgendeiner Weise infrage zu stellen.“

Dabei offenbart auch der Tod von Janina, wie lückenhaft Sportschützen kontrolliert werden. Roland E. war Mitglied im Schützenverein. Doch er hatte sich schon seit 15 Jahren nicht mehr auf dem Schießstand blicken lassen. So behielt er – zumindest auf dem Papier – ein „waffenrechtliches Bedürfnis“ und konnte die Waffe, mit der er Janina erschoss, behalten. Da er nicht straffällig geworden war, galt er als zuverlässig. „Wenn er die Waffe nicht hätte haben dürfen, wäre Janina noch am Leben. Der Staat trägt eine Mitschuld am Tod meiner Tochter“, sagt Magdalena M.

„Voller Wut“ verfolgt sie den Prozess gegen den Reichsbürger Wolfgang P., der den Polizisten erschossen hat. „Das ist doch grotesk. Ein Polizist stirbt bei dem Versuch, einem Sportschützen Waffen abzunehmen, die die Behörde ihm vorher genehmigt hat.“ Nach dem Tod ihrer Tochter hat sich Magdalena M. der Initiative „Keine Mordwaffen als Sportwaffen!“ angeschlossen. „Polizisten können Waffen tragen und Soldaten, ja, aber einfache Bürger? Nur weil sie spielen wollen? Waffen sind doch keine Spielzeuge.“

Keine Waffen für Privatleute in Großbritannien

In Großbritannien sind Waffen für Privatleute tabu. Nachdem 1996 in Dunblane ein Sportschütze 16 Erstklässler und ihre Lehrerin erschossen hatte, entwaffnete die konservative Regierung ihre Bürger. Über eine Million Briten hatten mit einer Unterschriftensammlung ein generelles Waffenverbot gefordert. Die Politik reagierte. 

Den Aufruf der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" haben in Deutschland dagegen nur ein paar tausend Menschen unterschrieben, darunter Prominente wie der Musiker und Schriftsteller Stephan Krawczyk, der Historiker Hubertus Knabe, die Schauspieler Claudia Amm und Günter Lamprecht, die 1999 einen Amoklauf in Bad Reichenhall knapp überlebt haben. Damals erschoss der 16-jährige Schlosserlehrling Markus P. vier Menschen und beging Selbstmord. Die Waffe hatte er von seinem Vater, einem Schützenbruder, geklaut. Ein generelles Verbot tödlicher Sportwaffen ist in Deutschland nicht zu erwarten. Nur die Grünen haben sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen. „Die meisten Politiker haben Angst, sich mit der Schützenlobby anzulegen“, sagt Roman Grafe.

Trägt Polizei Mitschuld am Tod des Kollegen? 

Im Prozess gegen den Reichsbürger Wolfgang P. rekonstruiert das Gericht den Polizeieinsatz akribisch. Wie waren die Sichtverhältnisse? Wie lange heulte das Martinshorn? Drei oder vier Sekunden? Konnte Wolfgang P. hören, dass die Polizei vor seiner Tür stand? Riefen die SEK-Beamten laut genug: „Polizei!“ War der Einsatz gründlich genug vorbereitet? Stimmt es wirklich, dass Wolfgang P. sein Haus kaum noch verließ, wie die Polizei annahm? Seine Anwälte wollen „Barfrau Xenia“ vom „Saunaclub Palmas“ vernehmen lassen, um zu beweisen, dass Wolfgang P. regelmäßig ihr Gast war. Außerdem soll Wolfgang P. mehrmals pro Woche Kampfsportschüler in einer Turnhalle trainiert haben. Die Trainingszeiten standen angeblich im Internet. Hätte die Polizei die Waffen also auch gefahrlos während der Abwesenheit von Wolfgang P. aus dem Haus holen können? Hat die Einsatzleitung den Tod des Kollegen fahrlässig verursacht, weil sie Wolfgang P. nicht observiert hat? Berechtigte Fragen. Doch mitunter scheint es, als säße die Polizei auf der Anklagebank. Die Frage, ob die Politik eine Mitschuld trifft, weil sie hierzulande Sportschützen noch immer erlaubt, Waffen zu besitzen, spielt vor Gericht keine Rolle.

Aus dem Gefängnis hat Wolfgang P. dem Gericht einen Brief geschrieben, den die Vorsitzende Richterin verliest. „Ich bin bekannt als Wolfgang Johannes P.“, „lebendig und nicht verstorben und nicht verschollen auf dem Planeten“. Wolfgang P. beteuert noch einmal, dass er an einem Überfall geglaubt und sich habe schützen wollen. „Das schwöre ich bei meinem Schöpfer. Er ist der Einzige, dem ich Rechenschaft schuldig bin.“ Einmal springt Wolfgang P. im Prozess auf. "Der Mensch Wolfgang verlangt, dass der Zeuge vereidigt wird", ruft er aus. Ein Verrückter? Gerichtspsychiater Michael Wörthmüller hält den Angeklagten für voll schuldfähig. „Seine Überzeugungen sind ungewöhnlich und abnorm. Aber es sind keine krankhaften Ansichten.“ Eine Unterbringung in der Psychiatrie dürfte damit für Wolfgang P. nicht infrage kommen.

Das Gericht will am Montag sein Urteil fällen.