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Gehörlose erfolgreich vor Gericht Britische Regierung sendet Corona-Briefings ohne Gebärdendolmetscher – und wird verklagt

Staatsminister Michael Gove
Staatsminister Michael Gove: Eine gehörlose Frau aus Leeds reichte Klage gegen ihn ein und gewann
© Jane Barlow / empics / Picture Alliance
Eine 36-jährige gehörlose Frau hat erfolgreich gegen die britische Regierung geklagt. Diese hatte zwei Corona-Briefings ohne Gebärdendolmetscher gesendet.

Weil die britische Regierung bei zwei im Fernsehen übertragenen Corona-Briefings keinen Gebärdendolmetscher eingeblendet hatte, klagte eine 36-jährige gehörlose Frau – und hat nun gewonnen. Medienberichten zufolge hat ein Londoner Richter geurteilt, dass das Fehlen der Gebärdensprache "zur Entmachtung, Frustration und Ausgrenzung" geführt habe.

Gehörlose erfolgreich vor Gericht: Britische Regierung sendet Corona-Briefings ohne Gebärdendolmetscher – und wird verklagt

Stress verursacht und Wohlbefinden beeinträchtigt

Bei der Klage ging es den Presseberichten zufolge um zwei "Datenbriefings" vom 21. September und 12. Oktober 2020. Die im TV übertragenen Sendungen sollen dazu dienen, die britische Bevölkerung über die neuesten Corona-Entwicklungen zu informieren.

Die 36-jährige gehörlose Schauspielerin und Autorin Katie Rowles habe die beiden Briefings jedoch nicht verfolgen können, da keine Gebärdendolmetscherin eingeblendet worden sei. Der fehlende Informationszugang habe bei der schwangeren Frau Stress verursacht und ihr Wohlbefinden beeinträchtigt. Aus diesem Grund habe sie Klage gegen Staatsminister Michael Gove eingereicht. Bei ähnlichen Formaten in Wales, Schottland und Nordirland seien Dolmetscher für die britische Gebärdensprache zu sehen gewesen.

Zwar seien die Sendungen untertitelt gewesen. Da Rowley jedoch an Legasthenie leide, habe sie sich nicht auf den Untertitel verlassen können. Laut dem Bericht der "BBC" fällt es den meisten Menschen, die die britische Gebärdensprache als Erstsprache verwenden, schwer, Untertitel zu verfolgen, da ihre Lesefähigkeit in der Regel beeinträchtigt ist.

Schadensersatz soll von Bezirksrichter festgelegt werden

Ein Londoner Gericht urteilte nun zu Rowleys Gunsten: "Die fehlende Bereitstellung – nur Untertitel – war ein Versäumnis bei der Einbeziehung, das den Eindruck erweckte, nicht bedacht worden zu sein, und dafür sorgte, sie zu entmachten, zu frustrieren und an den Rand zu drängen", sagte Richter Fordham laut "BBC". Die Höhe des Schadensersatzes werde von einem Bezirksrichter festgelegt. Rowley habe gesagt, dass sie sehr zufrieden mit dem Urteil sei. Sie sei jedoch "gleichzeitig auch traurig, dass wir für unsere Rechte kämpfen mussten". In einem im Juni von der "BBC" veröffentlichten Bericht heißt es, Rowleys Anwalt habe angegeben, 350 weitere Gehörlose zu vertreten, die ähnlich Ansprüche geltend gemacht hätten.

Dem "Independent" zufolge hat Fordham jedoch erklärt, dass die britische Regierung nicht "gegenwärtig oder dauerhaft gegen die Vorschriften verstößt". Es habe mehr als 170 solcher "Datenbriefings" gegeben – nur zwei seien mangels Gebärdendolmetscher für rechtswidrig erklärt worden. "Unsere Priorität war es immer, ein möglichst großes Publikum mit wichtigen öffentlichen Informationen zu erreichen, und wir werden weiterhin sicherstellen, dass während der Covid-19-Briefings Dolmetscher für die britische Gebärdensprache zur Verfügung stehen", sagte ein Sprecher des Kabinettsbüros.  

Quellen: "BBC"; "The Independent"

yks

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