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Iran: Die Zeit der Bulldozer

Nach dem Erdbeben im Iran wurde die Suche nach Überlebenden endgültig eingestellt. Bulldozer werden nun großflächig zur Beseitigung der Trümmer eingesetzt. Wie durch ein Wunder wurden fünf Überlebende entdeckt.

Wunder nach fünf Tagen unter Trümmern: Hilfsmannschaften haben nach dem katastrophalen Erdbeben im Iran fünf Verschüttete gerettet. Laut staatlichem Fernsehen wurden drei Männer und zwei Frauen in Barawat in der Nähe der zerstörten Stadt Bam geborgen. Unabhängige Berichte über die Rettungsaktion gab es nicht.

Eigentlich haben die Helfer die Suche nach Überlebenden endgültig eingestellt. Wie das Büro des Gouverneurs der Katastrophen-Provinz Kerman mitteilte, sollen ab heute Bulldozer großflächig zur Beseitigung der Trümmer eingesetzt werden. Binnen vier Tagen nach dem Beben hatten Helfer aus aller Welt insgesamt 3000 Menschen aus den Trümmern der fast völlig zerstörten Stadt Bam gerettet. Zuletzt war am Dienstag noch eine schwangere Frau lebend geborgen worden.

Mehr als 30.000 Beerdigungen

Bislang wurden nach Angaben des iranischen Innenministeriums mehr als 30.000 Leichen beerdigt. Spekulationen über bis zu 50.000 Todesopfer wollte das Ministerium nicht kommentieren. Rund 100.000 Menschen in der Region sind obdachlos. Amtlichen Berichten zufolge wurden 30.000 Menschen verletzt, noch immer würden mehr als 6700 in Krankenhäusern behandelt.

Deutsche Helfer zurückgekehrt

Suchmannschaften des Technischen Hilfswerks (THW), der Malteser und des Roten Kreuzes kehrten am Dienstag nach Deutschland zurück. Die rund 50 Bergungsspezialisten wirkten erschöpft nach ihrer Landung am Frankfurter Flughafen - sie konnten keine Opfer lebend retten. "Wir haben bis zuletzt auf ein Wunder gehofft", sagte Frank Thomas vom THW. "Da war alles zerstört, da war nichts mehr zu holen." Das Team sei keinen Moment zur Ruhe gekommen. "Sobald wir an einer Stelle fertig waren, kamen Angehörige aus anderen Häusern und zogen uns mit sich."

Den überlebenden Opfern der Katastrophe wurde indes weitere Hilfe zugesagt. Nach dem Abzug der Such-Teams begannen deutsche Experten mit dem Aufbau von Trinkwasseranlagen. Das Rote Kreuz begann mit dem Aufbau von Gesundheitsstationen zur Versorgung von bis zu 40.000 Patienten. Die Anlage soll nach Angaben eines Sprechers in Iran bleiben. Die Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats sagten 400 Millionen Dollar (320 Millionen Euro) Hilfe zu. Die Mittel sollen in den Wiederaufbau der Stadt Bam fließen. Der Iran will 80 Millionen Dollar investieren.

1600 Helfer bleiben

Rund 1600 internationale Helfer aus 44 Ländern sind nach dem Rückzug der Bergungsmannschaften noch im Einsatz. Derzeit würden die Notwendigkeiten für eine bis zu sechs Monate dauernde Hilfsoperation geprüft, teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) am Mittwoch in Genf mit.

Danach werden derzeit dringend 4000 Feldtoiletten, mobile Duschen sowie kleine Heizgeräte benötigt. Es fehlten auch noch Zelte, damit die Überlebenden der verheerende Erdbebenkatastrophe wieder ihre Privatsphäre erhielten.

Nach Angaben von OCHA haben rund 20.000 bis 30.000 Einwohner von Bam und umliegender Dörfer die Erdbebenregion verlassen und bei Verwandten Unterkunft gefunden. Von den 30.000 Verletzten seien 10.000 zur weiteren Behandlung auf Gesundheitszentren in anderen Regionen Irans verteilt worden.

"Menschlichkeit spielt immer noch eine wichtige Rolle"

Der iranische Präsident Mohammad Chatami dankte allen Staaten für die humanitäre Hilfe. Das tragische Unglück und die massive Hilfe zeige, dass Menschlichkeit noch immer eine wichtige Rolle spiele, in einer Welt, die von Krieg und Terror dominiert werde. Chatami wies zurück, dass die humanitäre Hilfe der USA zu einer Verbesserung der politischen Beziehungen beider Länder führen werde. "Wir sind für die Hilfe sehr dankbar und schätzen sie sehr. Man sollte sie aber nicht politisch verstehen", sagte Chatami.

USA "wieder bereit für Dialog" mit dem Iran

Nach den Worten von US-Außenminister Colin Powell sind die USA offen für einen Dialog mit Iran. Es gebe "ermutigende" Zeichen aus Teheran, sagte Powell in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der "Washington Post". Deshalb sollten die USA die Möglichkeit für einen Dialog zu einer angemessenen Zeit in der Zukunft offen lassen, sagte der Minister.