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Islamisten-Terror: Mönch rettet hunderte Artefakte vor IS-Miliz

Er konnte schon die schwarze IS-Flagge sehen, Kugeln pfiffen über seinem Kopf. Aber ein irakischer Mönch konnte dennoch hunderte historische Manuskripte vor den Islamisten retten.

Einem Dominikaner-Mönch ist es unter Einsatz seines Lebens gelungen, hunderte aramäische, altsyrische, arabische und armenische Handschriften zu retten (Symbolbild)

Einem Dominikaner-Mönch ist es unter Einsatz seines Lebens gelungen, hunderte aramäische, altsyrische, arabische und armenische Handschriften zu retten (Symbolbild)

Unter Einsatz seines Lebens hat ein irakischer Dominikaner-Mönch hunderte Manuskripte aus dem 13. und 14. Jahrhundert vor den Extremisten des Islamischen Staates (IS) in Sicherheit gebracht. "Ich musste die Schriftstücke unbedingt vor der systematischen Zerstörung allen nicht-islamischen Kulturerbes retten", berichtet Nadschib Michail am Freitag in Paris, wo derzeit ein Teil seiner Schätze ausgestellt wird. An die dramatischen Umstände seiner Aktion im vergangenen August kann sich der Ordensbruder noch erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Ende Juli witterte Michail, dass die Manuskripte in den Dominikaner-Bibliotheken in Mossul und Karakosch in Gefahr sind. Dort werden tausende Manuskripte aufbewahrt: Handschriften über Geschichte, Philosophie, christlichen Mystizismus, über den Islam, Literatur oder Musik, verfasst in Aramäisch, Altsyrisch, Arabisch oder Armenisch. Sie sind Schätze der Buchmalerei und Kalligrafie und Zeugnis der christlichen Kultur zwischen Euphrat und Tigris.

Mitten im Exodus

Michail stapelte die Manuskripte in Kartons und bringt sie mit seinen Ordensbrüdern zunächst von Mossul nach Karakosch. Die meisten Schriftstücke konnten sie schon mit Lastwagen nach Erbil in Kurdistan bringen. Am 7. August müssen dann die letzten Mönche aus der Stadt die Flucht ergreifen. "Wir steckten im Exodus der christlichen und jesidischen Bevölkerung auf dem Weg ins 70 Kilometer entfernte Erbil", erzählt er.

In letzter Minute machten sie sich auf den Weg. "Wir konnten von weitem die schwarze IS-Flagge sehen. Wir wurden von bewaffneten Peschmergas geschützt, aber sie haben unseren Wagen an der Grenze nicht passieren lassen. Also habe ich die Kartons aus dem Auto geholt und den vorübergehenden Menschen in die Hand gedrückt."

Systematische Zerstörung

"Kugeln pfiffen über unsere Köpfe hinweg", schilderte Wathek Kassab, ein Iraker, der für die dominikanische Gemeinde in Mossul und Karakosch arbeitete. "Ich dachte, wir würden alle getötet." Er trug selbst sechs Kisten, konnte damit nicht rennen. "Ich sagte Nadschib: 'Du wirst uns umbringen mit Deinen Texten!' Zum Glück wartete jenseits der Grenze ein Wagen auf uns."

Gemäß der Tradition der Dominikaner, die das Studium als eine Hauptaufgabe sehen, startete Michail schon vor einigen Jahren mit der digitalen Archivierung der Manuskripte. "Die Hälfte der Originale existiert heute nicht mehr, sie wurde vom IS zerstört", berichtet der Mönch.

ivi/AFP / AFP
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