Jack Sim Ein Toiletten reinigender Weltverbesserer


Jack Sim hat eine Mission: Die Toiletten dieser Welt hygienischer werden zu lassen. Um sein Ziel zu erreichen, hat er eine "Welt-Toiletten-Organisation" gegründet. Die arbeitet sogar mit den Vereinten Nationen zusammen.

Ein Mann, eine Mission - Geschäftsmann Jack Sim (49) ist beseelt von einem Gedanken: eine Welt mit sicheren, hygienischen und wohlriechenden Klos. Aus seiner Heimat Singapur will er am liebsten einen Modellstaat machen - zumindest, was Toiletten betrifft. "In zehn Jahren könnten wir das schaffen", sagt Sim, der nach einer erfolgreichen Geschäftskarriere mit Baumaterial jetzt von seinen Investitionen lebt und auf der Suche nach neuen Herausforderungen die Welt-Toiletten-Organisation (WTO) gegründet hat.

"Toiletten brauchen Aktivisten", sagt der Vater von vier kleinen Kindern überzeugt. 60.000 öffentliche Toiletten gibt es in Singapur, aber nach seinen Angaben nur wenige wie die, die er für den Ortstermin ausgewählt hat. Wer im Einkaufszentrum "Great World City" muss, hat echt die Qual der Wahl: auf den fünf Etagen lässt sich die Notdurft in Tulpen, Gräbern, Western-Saloon, Venedig oder unter wilden Tieren verrichten. Die Toiletten sind hier nämlich thematisch nach Ländern und Erdteilen gestaltet: Holland, Ägypten, USA, Europa und Afrika.

Lim wünscht erstklassige Reinigung

"Wir sollten jeden Aspekt unseres Alltags genießen können, und keine Kompromisse in der Lebensqualität hinnehmen müssen, wenn wir zur Toilette gehen", sagt Lim. Bunte Wände findet er zwar nicht unbedingt nötig, dafür aber erstklassige Reinigung. Trainieren, ist seine Devise. Und weil Lim nicht lange fackelt, wenn er Bedürfnisse sieht, hat er kurzerhand ein "Welt-Toiletten-College" gegründet. Reinigungskräfte lernen dort alles über Geruchskristalle, Putzlappen, Reinigungsmittel. Acht Tage dauert die Ausbildung, 44 haben sie absolviert. Bleiben nach seinen Schätzungen noch 2956 Toilettenfrauen und -männer, allein in Singapur. Ende Januar beginnt der zweite Kurs.

Von Kloschüssel bis Toilettenpapier - laut und eloquent spricht Lim am Café-Tisch die Worte aus, als rede er über das normalste der Welt. "Jeder tut es, sechs bis acht mal am Tag, was soll das Verleugnen?" sagt er. Drei Jahre seines Lebens verbringe der Durchschnittsmensch auf den stillen Örtchen, Frauen mehr (96 Sekunden pro Gang), Männer weniger (35 Sekunden). "Wenn nicht drüber gesprochen wird, kann auch nichts verbessert werden."

Schulklassen adoptieren Toiletten

Dieses Tabu will Lim brechen. In Singapur hat er schon 100 Schulen dazu bewegt, die Toiletten zum Thema zu machen. Mit einer bunten Powerpoint-Show bewegt er die Klassen, in ihrem Schulgebäude jeweils eine Toilette zu "adoptieren", zu dekorieren und dann auch in Ordnung zu halten. Erst meinten manche Eltern, ein solches Thema in der Schule stinke zum Himmel. Inzwischen seien die meisten begeistert.

Wenn Lim einmal in Fahrt kommt, ist seine Leidenschaft für das stille Örtchen kaum in Zaum zu halten. Dann lamentiert er über die Händewasch-Muffel und über das mehr als dürftige Design der meisten Notdurftanstalten. Immer mit einer gehörigen Portion Humor. Lim kann seinen Schalk beim Foto-Termin im Tulpenklo kaum verbergen.

Seine Webseite ist eine wahre Fundgrube. Ein Blick und selbst in Zululand oder Vorarlberg braucht niemand in Not mehr verzweifelt oder verschämt nach einem nahen Abort zu suchen. "Likuphi itholethe?" - wo ist die Toilette - heißt es korrekt im einen, und "Wo ischt s'Löble?"im anderen Land.

Bei allem Humor geht es der Welt-Toiletten-Organisation um eine ernste Sache: Sie arbeitet zum Beispiel mit UN- und Weltbankhilfe daran, den 2,6 Milliarden Menschen ohne Toilette zu hygienischen Verhältnissen zu verhelfen. 55 Mitglieder aus 41 Ländern hat seine Organisation bereits. In diesem Jahr findet der Welt-Toiletten-Gipfel nicht im Tulpenfeld, sondern in Neu Delhi statt.

Christiane Oelrich/DPA DPA

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