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Jüngstes Todesopfer der Epidemie Zweijähriger Junge erliegt Ehec-Infektion


Traurige Nachricht aus Niedersachsen: Erstmals ist ein Kleinkind Opfer der Ehec-Welle geworden. In Celle erlag ein zweijähriger Junge der Infektion. Dennoch ist die Epidemie auf dem Rückzug.

Erstmals ist in Deutschland ein Kleinkind an einer Infektion mit dem gefährlichen Ehec-Erregertyp "O 104" gestorben. Der Zweijährige aus dem niedersächsischen Celle verstarb in der Nacht zum Dienstag, wie der Landkreis mitteilte.

Mehrere Tage lang lag der Junge in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf der Intensivstation, wo er nun der schweren Verlaufsform von Ehec erlag. Damit erhöhte sich bundesweit die Zahl der Todesopfer auf mindestens 36. Mehr als 3235 Menschen erkrankten bislang durch den Darmkeim. Insgesamt sinkt die Zahl der Neuerkrankungen aber.

Höhepunkt der Epidemie überwunden

Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Epidemie der lebensgefährlichen Durchfallerkrankungen eindeutig auf dem Rückzug. Seit einigen Tagen gebe es deutlich weniger Neuerkrankungen als in den Tagen zuvor, teilte des Institut am Dienstag mit. Damit bestätigte sich der Trend, dass die Seuche ihren Höhepunkt offenbar überschritten hat.

Dieser Höhepunkt sei am 23. Mai mit 155 Fällen registriert worden, so das RKI weiter. Seither werde ein stetiger Rückgang festgestellt. Ähnlich sei es bei der lebensgefährlichen Komplikation durch das HU-Syndrom. Hier sei der bisherige Höhepunkt am 21. Mai mit 61 Fällen registriert worden.

Gemüse in Deutschland wieder gefragt

Unterdessen zeichnet sich nach Erkenntnissen des Deutschen Bauernverbandes auf dem Gemüsemarkt eine leichte Entspannung ab, nachdem für Tomaten, Gurken und Salat Ehec-Entwarnung gegeben worden war. Auch bei den Direktvermarktern auf den Wochenmärkten und in Hofläden im Norden Deutschlands normalisierte sich die Lage, berichtete Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein.

Die Gemüseregale in den Verbrauchermärkten seien über Pfingsten jedoch weitgehend leergeblieben, da es den großen Supermarkt- und Discounter-Ketten nach der Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat nicht mehr gelungen sei, rechtzeitig zu ordern, sagte Dahmke. "Die Ware war produziert und im Vertrieb, aber sie konnte nicht ins Regal gebracht werden. Wir müssen jetzt das Vertrauen der Verbraucher wieder gewinnen." Weiterhin besteht die Warnung vor dem Verzehr von Sprossen, die als Quelle der Ehec-Epidemie ausgemacht wurden.

Schäden gehen in die Millionen

Der Geschäftsführer der Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte, Klaus-Dieter Wilke, berichtete von einer verhaltenen Nachfrage. "Wir hatten gehofft, dass der Handel schnell nachbestellt." Die Ernte von Blattsalaten liege derzeit bei 30 Prozent des Üblichen, vorige Woche seien es 20 Prozent gewesen. "Alles, was unter 100 Prozent liegt, ist Verlust", sagte der Chef einer der bundesweit größten Erzeugergemeinschaften. Die Einbußen der Mitgliedsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gingen in die Millionen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) betonte in Nürnberg daher erneut, Gemüsebauern könnten bei der landwirtschaftlichen Rentenbank zinsverbilligte Kredite beantragen. Außerdem seien Hilfsleistungen nach der Ehec-Krise Thema auf landes-, bundes- und europäischer Ebene. Die EU hatte zuletzt 210 Millionen Euro Hilfen für die Gemüsebauern in den Mitgliedsstaaten in Aussicht gestellt. Mehrere Länder, unter anderem Deutschland, hatten dies als zu wenig kritisiert.

Vorsichtige Entwarnung bei Lollo Rosso

Nur kurzzeitig sorgte ein Ehec-Fund auf Lollo Rosso in Bayern für Unruhe. Der Freistaat gab am Dienstag aber bereits wieder vorsichtige Entwarnung. "Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es sich um den gefährlichen Typ des Erregers handelt", sagte der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) am Dienstag in Nürnberg.

In Bayern seien 617 Gemüse- und Salat-Proben untersucht worden, sagte Söder. Eine Salat-Probe habe einen positiven Ehec-Befund ergeben. Dabei handelte es sich um Lollo Rosso von einem Gemüseerzeuger in Fürth. Der betroffene Betrieb und alle Waren des Erzeugers wurden vorläufig gesperrt. Es sei nach bisherigen Laborergebnissen aber nicht zu erwarten, dass es sich bei dem Ehec-Fund um den gefährlichen Typ "O 104" handele, der die blutigen Durchfallerkrankungen auslösen kann.

dho/Reuters/DPA/AFP DPA Reuters

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