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Karikaturenstreit: Attentat auf Karikaturisten geplant

Der dänischen Polizei sind drei Verdächtige ins Netz gegangen, die einen Anschlag auf einen der Zeichner der Mohammed-Karikaturen geplant haben sollen. Zwei Tunesier und ein Däne marokkanischer Abstammung wurden festgenommen. Ein Islamgelehrter forderte die Muslime zur Ruhe auf.

Weil sie einen Anschlag auf einen der Zeichner der Mohammed-Karikaturen geplant haben sollen, wurden zwei Tunesier und ein aus Marokko stammender Däne festgenommen. Sie wurden gingen der Polizei bei Razzien in Aarhus im Westen des Landes ins Netz, teilte der Polizei-Geheimdienst PET mit. Nach Angaben der Zeitung "Jyllands-Posten" war ihr Karikaturist Kurt Westergaard Ziel des geplanten Attentats. Der 73-Jährige stehe seit Monaten unter Polizeischutz. Die beiden Tunesier würden als Gefahr für die nationale Sicherheit aus Dänemark ausgewiesen, sagte PET-Chef Jakob Scharf. Der 40 Jahre alte Däne werde nach einem Verhör vermutlich zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Sicherheitskräfte hätten in einem frühen Stadium der Anschlagspläne zugegriffen, um einen "in Zusammenhang mit Terrorismus stehenden Mord" zu verhindern, sagte Scharf. Es habe sich um eine vorbeugende Maßnahme gehandelt. Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen erklärte, der Fall zeige, dass es in Dänemark noch immer "Gruppen von Extremisten" gebe, "die grundlegende Prinzipien nicht akzeptieren und respektieren, auf denen die dänische Demokratie aufgebaut ist".

"Es gab konkrete Mordpläne"

Die Zeitung "Jyllands-Posten" hatte die Mohammed-Karikaturen von Westergaard und weiteren Zeichnern am 30. September 2005 veröffentlicht. Nach Drohungen wurden die Redaktionsräume mehrfach evakuiert, vor den Büros in Aarhus und der Hauptstadt Kopenhagen wurden Wachleute eingesetzt. "Es gab sehr konkrete Mordpläne gegen Kurt Westergaard", sagte Chefredakteur Carsten Juste. Der Karikaturist erklärte auf der Website des Blattes, er fürchte natürlich um sein Leben, wenn die Polizei von einem geplanten Attentat gegen ihn berichte. Seine Angst habe sich jedoch in "Ärger und Verbitterung" verwandelt. Der 73-Jährige und seine Frau erhalten der Zeitung zufolge seit mehr als drei Monaten Polizeischutz.

Die Mohammed-Karikaturen wurden später auch von anderen westlichen Zeitungen abgedruckt und lösten Anfang 2006 wütende und teils gewaltsame Massenproteste in der islamischen Welt aus. Westergaards Cartoon gehörte dabei zu den am heftigsten kritisierten: Er zeigte Mohammed, der einen Turban in der Form einer Bombe mit einer brennenden Zündschnur trägt. "Jyllands-Posten" lehnte eine Entschuldigung an die Muslime zunächst ab und erklärte, der Abdruck sei ein Protest gegen die Selbstzensur, die bei Künstlern im Zusammenhang mit dem Thema Islam zu beobachten sei. Später äußerte das Blatt Bedauern darüber, dass die Zeichnungen die muslimische Gemeinschaft angegriffen hätten.

Islamgelehrter fordert Zurückhaltung

Das Thema werde nie zur Ruhe kommen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des dänischen Journalistenverbandes, Fred Jacobsen, am Dienstag und nannte es abscheulich, "dass es Todesdrohungen gegen Leute gibt, einfach nur weil sie ihre Arbeit machen". Kasem Ahmad von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Kopenhagen, die die Proteste damals angeführt hatte, rief die Muslime zur Ruhe auf. Er hoffe, dass sich die Aufregung von vor zwei Jahren nicht wiederhole, sagte Ahmad dem Sender TV2. In den vergangenen Monaten deckten dänische Ermittler mindestens zwei mutmaßliche Anschlagspläne auf. Im November wurden zwei muslimische Einwanderer und ein Däne zu Haftstrafen verurteilt. In abgehörten Gesprächen hatten sie unter anderem die Büros von "Jyllands-Posten" als mögliches Anschlagsziel genannt. Im September wurden nach Geheimdienstangaben bei einer Razzia gegen militante Islamisten acht Verdächtige festgenommen, die Verbindungen zu ranghohen Al-Kaida-Führern hatten.

Jan Olsen/AP / AP