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Klage gegen Seniorenresidenz Wenn der Stripper im Altenheim blankzieht


Nackte Haut statt Bingo: In den USA sorgt eine Strip-Show im Seniorenheim für großes Aufsehen. Der Anblick habe seine Mutter verstört, glaubt der Sohn einer 86-Jährigen - und klagt auf Schadensersatz.

Langeweile im Altenheim? Von wegen! Zumindest in einer Seniorenunterkunft in Long Island im US-Bundesstaat New York war richtig viel los. Für den Geschmack des Sohnes der 86-jährigen Bernice Youngblood zu viel. Denn dort, wo man eher Bingo-Abende vermutet, bespaßte ein männlicher Stripper die Bewohner. Ans Licht kam das ungewöhnliche Unterhaltungsprogramm, weil Youngbloods Sohn Franklin im Zimmer seiner Mutter ein Bild fand, das die alte Dame gemeinsam mit einem muskulösen und halbnackten Stripper zeigt, dem sie auch noch Geld in die Unterhose steckt.

Der Sohn war entsetzt - und reichte eine millionenschwere Klage gegen das Altenheim und dessen Personal ein. Sein Vorwurf: Beim Anblick des Strippers habe seine Mutter, eine gläubige Baptistin, "extremes seelisches Leid, Erniedrigung, Scham, ein vermindertes Selbstwertgefühl und einen Verlust der Würde" erlitten, wie die britische Tageszeitung "The Independent" berichtet.

Keine Chance, sich zu wehren

Eine derartige Aktion könne sicher "etwas für 32-jährige Singlefrauen sein, nicht aber für eine 86-jährige, traditionelle Afro-Amerikanerin", befand Youngblood. Zumal seine Mutter und die anderen Bewohner physisch und mental gar nicht in der Lage seien, "um solchen abscheulichen Handlungen zuzustimmen oder sich gar dagegen zu wehren", heißt es in der Klageschrift weiter. Bitter stößt Franklin Youngblood zudem auf, dass seine damalige Bitte um Aufklärung vom zuständigen Personal zunächst ignoriert worden sei und eine Pflegerin zudem versucht habe, ihm das Beweisfoto aus der Hand zu reißen.

Aus der Sicht der Verantwortlichen des Altenheims gehen die Anschuldigungen der Familie zu weit. "Unsere Bewohner sind erwachsene Menschen, die diese Aktion gewünscht und angefragt haben. Sie haben dafür gestimmt und das Pflegeheim hat es genehmigt", sagte ein Sprecher des Trägers der Institution. Den Vorwurf, "der abscheuliche Vorfall" sei lediglich "zum perversen Vergnügen der Angestellten" veranstaltet worden, stimmte er nicht zu. Frau Youngblood hätte zu jeder Zeit die Wahl gehabt, der Veranstaltung fernzubleiben, so der Sprecher.

Beschämt, aber keine genauen Erinnerungen

Auf der Homepage des Altenheimträgers wurde inzwischen eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin heißt es, man ehre die Individualität, Würde, Privatsphäre und Sicherheit jedes einzelnen, mit denen man das Vergnügen habe zusammenzuarbeiten. Und weiter: "Wir arbeiten eng mit den Angehörigen und Bezugspersonen zusammen, um sicherzustellen, dass sich alle Beteiligten so sicher, behaglich und fröhlich wie möglich fühlen."

Die betroffene Bernice Youngblood fühlt sich angesichts des Vorfalls "schrecklich" und "beschämt", wie sie auf einer Pressekonferenz sagte. Genaue Erinnerungen an die Strip-Show hat sie allerdings keine. Genau wie viele der insgesamt 16 Heimbewohner leidet auch die 86-Jährige an Demenz.

mod

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