Kommentar Der Mutter-Haken-Kreuzzug


Eva Herman ist vom NDR gefeuert worden. Endlich! Der gebührenfinanzierte Sender hat die Lady, die schon lange ziemlich viel Mist verzapft, viel zu lange auf dem Schirm gelassen.
Von Bettina Schneuer

Es war einmal, vor langer Zeit, da hatte ein Herr Hitler für Muttis das Gebären als Leistungssport eingeführt, begleitend die Produktion von Verhütungsmitteln verboten und die Abtreibung mit Todesstrafe belegt. Für Vatis hatte Herr Hitler die Autobahnen bauen lassen: Damit die am Sonntagnachmittag mit Mutti und den Kindern schöne Ausflüge machen konnten - und den Weg zur Front zeigen. Dies alles natürlich nur, wenn es sich bei Mutti, Vati und den lieben Kleinen um völkisch wertvolle, genauer: um "deutschblütige und erbtüchtige" Menschen handelte, was ganz leicht durch Vorlage von sieben Geburts- und drei Heiratsurkunden zu beweisen war. Für alle anderen sah das Dritte Reich Euthanasie, Zwangssterilisation, Heiratsverbote und so weiter vor.

Im Stechschritt zwischen Arbeitsplatz und Kindergarten

Diese Familienpolitik findet eine Frau Herman gut. Weil sie das aber nicht vor langer Zeit gut fand, sondern vor ein paar Tagen, als sie mal wieder ein neues Buch ("Das Prinzip Arche Noah") vorstellte, hat ihr Herr Arbeitgeber sie gefeuert.

Als Anmerkung zum Rauswurf von Eva Herman beim NDR würde ein "endlich" reichen. Na gut: ein "Endlich!" Denn der gebührenfinanzierte Sender hat die Lady, die schon lange ziemlich viel Mist verzapft, viel zu lange auf dem Schirm gelassen.

Erst wollte Frau Herman alle Mütter davon überzeugen, ihr Glück als Dauermilchzapfsäule für ihre Babies zu finden ("Vom Glück des Stillens"). Dann - oder vielleicht auch währenddessen? - sollten alle Mütter bitte an den Backofen zurück und nicht "im Stechschritt unterwegs" sein, nämlich zwischen Arbeitsplatz und Kindergarten ("Das Eva-Prinzip").

Herman lebt eigenes Anti-Vorbild

Kann man ja alles vertreten, nur sollte man es dann auch selbst leben: Es ist kein Fehler, wie Frau Herman zum x-ten Mal verheiratet zu sein, nur ein Kind zu haben und dazu eine ansehnliche Karriere - dumm ist nur, wenn man seinen Geschlechtsgenossinnen und deren Familien dauernd erzählt, dass dies der absolut falsche Lebensweg sei.

Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten. Sagt Frau Herman. Gut, dass sie sich schon wieder selbst nicht zugehört hat. Sonst dürfte sie noch länger beim Fernsehen arbeiten. Nun kann sich Mutter Eva ganz ohne Stechschritt ihrem Kreuzzug widmen. Oder ihrem Sohn. Ok, der ist auch schon im zweistelligen Alter, also recht selbständig. Dazu kommen jedoch, wie sie auf ihrer Homepage verrät, noch "drei Hunde, 25 Fische und im Frühjahr Kaulquappen". Sowie ganzjährig der vierte Ehe-Mann. Das reicht als Anfang für die Arche Noah


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