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Kommentar: Schülerzeitung - sterben und auferstehen

Es gibt Zeitungen, die Jahre von Schülergenerationen überleben und dann gibt es solche, die aussterben und neu erfunden werden. In diesem Fall wird alles ganz anders als beim Vorgänger. Oder doch nicht?

Von Lene Albrecht

Schülerzeitungen sind immer ein Produkt ihrer Zeit. Wie sich der Inhalt und das Aussehen im Laufe der Jahre verändert, hängt von der jeweiligen Generation Blattmacher ab, die gerade das Ruder in der Hand hat.

An meiner Schule gab es die Sch’bunz. Ein Haufen ungebleichter DIN-A4-Zettel mit einer Metallklammer gebunden. Die Seiten waren im Schnippellayout zusammen gebastelt und jede Ausgabe roch förmlich nach Kaffeedurchtränkten Nächten vor dem Erscheinungsdatum. Zweifelsohne waren die Redaktionsmitglieder engagierte Schreiber, gab es doch jeden zweiten Monat eine frisch kopierte Ausgabe. Mit dem Abgang der Schreiber von der Schule verschwand auch die Sch’bunz und es brauchte einige Jahre bis sich eine neue Gruppe schreibwütiger Schüler formierte. Die neue Zeitung trug einen anderen Namen, "tadellos" sollte sie sein und nichts sollte mehr an das muffige Image der Sch’bunz erinnern.

Von der Schreibmaschine zum Profilayout
Die meisten Schülerzeitungen sind heute professionell gelayoutet und nicht selten glänzend und farbig. Damit einher geht das Abdrucken diverser Anzeigen um die hohe Qualität bezahlen zu können. Dabei kam es in unserer Redaktion von Zeit zu Zeit zu Diskussionen welche Anzeigenkunden vertretbar sind. Aber schließlich soll die Qualität nicht leiden. Oft habe ich mich gefragt was unsere Vorgänger zu den Wortgefechten in unserem Redaktionsraum gesagt hätten. In meiner Vorstellung schwebten sie wie ein Geist mit erhobenem Zeigefinger über uns und wachten ob wir ihre Werte verraten würden. Sie hätten sich gewiss nicht an die Bundeswehr "verkauft".

Aber die Abnehmer sind anspruchsvoll geworden. Die Schülerzeitung muss einem gewissen Standard entsprechen um gekauft zu werden. Auch wenn sie anschließend in der Tiefe der Schultasche irgendwo zwischen Butterbrot und Mathebuch verschwindet, soll sie möglichst professionell auftreten. Auch ein Service wie Onlineauftritt samt Forum und täglich aktualisierten Beiträgen wird immer häufiger geboten.

Revolution vs. Jeanstrend
Neben der zunehmenden Professionalisierung im Auftreten der Schülerzeitungen ist es vor allem der Inhalt, der sich mit dem Wind der Zeit dreht. Schrieen einem von jeder Seite der Schb’unz noch Aufrufe zur Revolution entgegen, besannen wir uns darauf die Eisdielen in Schulumgebung zu testen. Während die Vorgänger über die Gefahren von genmanipulierten Riesentomaten und Weltpolitik schrieben, befassten wir uns mit dem Thema Jeanstrend und interviewten Popstars.

Die Texte vieler Schülerzeitungen sind bekömmlicher geworden. Beeinflusst durch Magazine wie NEON wird die Leserschaft gut unterhalten, jeder Geschmack bedient ohne dass der Inhalt zu oberflächlich erscheint. An zu provokativer Kritik wird meist gespart. Ich wünsche den jungen Zeitungsmachern etwas mehr Mut und weniger Angst davor anzuecken.

Denn wo wenn nicht in der Schülerzeitung kann man sich am besten für Kritik und eigene Meinung Gehör verschaffen?

Aber die nächste Generation von Schülerzeitungen kommt bestimmt. Sie wird revoltieren und alles ganz anders machen. Denn das Aufbegehren gegen das Alte haben sie dann doch alle gemeinsam.

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