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Schülerzeitung: Bayrische Extrawurst

In Bayern ist mal wieder alles anders. Bis vor kurzem gab die Schülerzeitung noch der Direktor heraus. Doch, oh Wunder: Jetzt liegt die Entscheidungsgewalt beim Schulforum, in dem Schüler, Eltern und Lehrer vertreten sind.

Von Sarah Benecke

Er hatte es entgültig satt. Ständig dieses Gepfusche an seiner Schülerzeitung, das Streichen von Artikeln, die Wut auf die Schulleitung. Dominik Mai, Schüler des Justus-von-Liebig-Gymnasiums in Neusäß bei Augsburg, wollte sich nicht mehr mit seiner Situation abfinden. Die Rektorin Christa Lacher hatte die im Juli 2002 seine Zeitung "Spektrum" sprichwörtlich auseinander genommen: Vierzehn von sechzig Seiten unterlagen ihrer Zensur. Nicht besser davon kam ein Artikel namens "Amerika spielt mit dem Feuer", der vor einigen Jahren den zweiten Golfkrieg voraussagte. Die Rektorin meinte, derartige Spekulationen seien nicht beweisbar. Bewahrheitet haben sie sich trotzdem. Dominik Mai und seine Schulkameraden wandten sich daraufhin mit einer Petition an den Landtag - und die Junge Presse Bayern tat es ihnen gemeinsam mit etlichen anderen Schülerzeitungen gleich.

Keine Zensur mehr vom Direktor

Dreißig Jahre lang hatte der Verein schon gefordert, die Zensur von Schülerzeitungen abzuschaffen. Bei der CSU fanden die jungen Medienmacher allerdings wenig Gehör. Erst 2004 überlegten sie es sich anders und legten dem Bildungsausschuss einen Antrag vor, in dem das Eingriffsrecht des Schulleiters gekippt wurde. Reformen brauchen in Deutschland eben ihre Zeit - und diese brauchte sichtlich besonders lange. Aber sie kam.

Wenn auch, wie konnte es anders sein, mit neuen Einschränkungen. Ganz frei sind die bayrischen Schülerzeitungen auch nach der Reform nicht: Der Schulleiter muss ein Exemplar rechtzeitig vor Erscheinen auf dem Tisch haben. Stänkern kann er dann immer noch, zensieren allerdings nicht. Ändern und Streichen darf seit Frühjahr 2005 nur noch ein Schulforum, bestehend aus Lehrern, Eltern und Schülern. Da können sich letztere wenigstens wehren, wenn sie eventuelle Artikel über die Weltherrschaft der Mäuse gefährdet sehen. Aber dass die Schüler zu vollkommen selbständigem Handeln fähig sind, wird scheinbar selbst nach den erfolgreichen Petitionen bezweifelt. Ein "beratender Lehrer" soll gewählt werden, genauso wie ein Sprecher der Zeitung. Die Redaktion wird zwar nicht dazu gezwungen - aber, wie ein Forumsbeitrag der Jungen Presse Bayern es ausdrückt: "Sowas kann zwecks besserem Draht zu Lehrerschaft und Direktor auch praktisch sein, jedenfalls ist das meine Erfahrung".

Es geht also langsam voran in Bayern. Immerhin aber geht es voran. Jetzt liegt es an den jungen Redakteuren, das Beste aus ihrer Schülerzeitung zu machen. Und mutig genug zu sein, um auch mal kritische Beiträge über schimmelige Brötchen und schlechte Lehrmethoden zu drucken.