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Schülerzeitung: Mutter macht Schülerzeitung für ABC-Schützen

Barbara Schmidt riskierte schiefe Blicke von Lehrern und halste sich und ihrem Mann viel Arbeit auf: Sie hat eine Schülerzeitung an der Ahrensburger Grundschule "Schule am Schloß" ins Leben gerufen.

Von Jennifer Nausch

"Maximum" heißt das frisch gedruckte Baby von Barbara Schmidt, ihrer Familie und 25 weiteren Schülern. Die erste Ausgabe ist im April erschienen. Um die 20 Seiten dicke Zeitung zu layouten, saß Ehemann Karsten Schmidt taglang vor dem PC. Die Übung dazu hatte er wahrscheinlich noch von früher, als er bereits mit seiner heutigen Frau zusammen für die Schülerzeitung arbeitete. Mit stern.de hat die 37-jährige Krankengymnastin über ihre Erwartungen an das Projekt, über Schwierigkeiten und das Familienleben als kleine Redaktion gesprochen.

Frau Schmidt, wie sind Sie auf die Idee gekommen, an der Schule ihrer Tochter eine Schülerzeitung zu gründen?

Die schönste Zeit am Gymnasium war für mich die, in der ich als Chefredakteurin für die Schülerzeitung gearbeitet habe. Da es noch keine solche Zeitung an der Schule meiner Tochter gab, wollte ich den Schülern diese Erfahrungen möglich machen. Während einer Schulkonferenz habe ich die Gelegenheit genutzt, um als Aktive im Elternbeirat von meiner Idee zu erzählen.

Wie haben die Lehrer auf Ihr Vorhaben reagiert?

Sehr unterschiedlich. Der Schulleiter Herr Herzfeld hatte das Projekt schon vorher angedacht, war begeistert und hat mich bei der Umsetzung sehr unterstützt. Es sind aber nur zwei, drei Lehrer sehr engagiert. Zwei Lehrer fühlten sich wahrscheinlich auf den Schlips getreten, als ich sie darum gebeten habe, den Autoren nicht so viele Schreibvorgaben aufzudrücken. Aber das ist mir egal.

Ist es nicht schwierig, eine Zeitung mit Kindern zu machen, die gerade erst schreiben und lesen lernen?

Ich hatte vorher keine Ahnung, ob das Projekt überhaupt gelingen würde und wie die Schüler es aufnehmen würden. Noch steckt das Ganze in den Kinderschuhen. Wir haben uns bislang erst fünfmal in den Pausen zu Redaktionskonferenzen getroffen - immerhin waren bei der ersten Ausgabe von "Maximum" aber schon 25 Schreiberlinge mit viel Spaß bei der Sache. Die Texte haben die Kinder überwiegend zu Hause geschrieben. Ganz einfach: Mit einem Stift auf einem Blatt Papier. Wir wollen aber demnächst mehr mit dem PC arbeiten.

Wer macht bei "Maximum" mit?

Alle Schüler, die unabhängig von der Anzahl an Rechtschreib- und Grammatikfehlern Lust zum Schreiben haben, dürfen mitmachen. Ich befürchte, viele Kinder verlieren die Lust am Schreiben, wenn Lehrer in ihren Texten nach Fehlern suchen.

Dürfen die Kleinen auch kritisch schreiben, wenn ihnen etwas an der Schule nicht gefällt?

Bisher gab es noch keine Schülerkritik. Die Artikel handelten von Festen, Projekten und Ausflügen, also nur von schönen Erlebnissen. Die Zeitung sollte aber auch für solche Dinge offen sein. Mal sehen, was die nächste Ausgabe bringt.

Merken Sie schon bei einigen der jungen Schreiberlinge, wer später einmal das Zeug zu einem guten Journalisten hat?

Schwierig zu sagen. Die jungen Autoren haben unterschiedlichste Fähigkeiten. Es gibt welche, die fast fehlerfrei schreiben, aber kaum eine eigene Geschichte zusammen bekommen. Genauso gibt es aber auch Redakteure, deren Texte nur so von Fehlern wimmeln, die aber einfach Lust zum Schreiben haben und kreativ sind.

Ihre Tochter hat einen Artikel geschrieben, Ihr Mann hat die Zeitung gelayoutet und Sie haben koordiniert. Wie fühlt sich das Familienleben als kleine Redaktion an?

Eine Woche vor dem Drucktermin hatten wir Megastress zu Hause. Ich habe viel redigiert und die Texte dann sofort an meinen Mann weitergegeben. Früher haben wir schon zusammen für die Schülerzeitung gearbeitet bei welcher ich Chefredakteurin war. Danach hat Karsten jeden einzelnen Text von Papier auf den PC gebracht und die Seiten gebaut. Wir hatten sehr viel Spaß. Ein bisschen hat uns das an alte Zeiten erinnert.

Wie finanziert sich die Zeitung?

Wir geben das Blatt beim Rathaus in den Druck - also über die Stadt Ahrensburg. Kleinigkeiten wie Kopien, die der Recherche behilflich sind, haben mein Mann und ich oder die Schule bezahlt.

Was war ihr schönstes Erlebnis und welche Barrieren gab es?

Es hat mich mit Freude erfüllt, zu sehen, wie die kleinen Redakteure mit vor Stolz geschwellter Brust ihre druckfrischen Ausgaben angepriesen und auf dem Schulgelände verkauft haben. Genervt hat mich, als einige Lehrer versucht haben, nur die besten Schüler aus der Klasse für das Schreiben von Artikeln zu gewinnen.

Ist absehbar, wann die nächste Ausgabe erscheint?

Noch nicht. Aber im Juni gibt es ein Schulfest unter dem Motto "Kinder der Welt", zu dem die Schüler jeder Klasse auf einer Doppelseite eigenständig ein Land vorstellen sollen. In dem Rahmen machen wir eine Sonderausgabe, die nächste reguläre Ausgabe von "Maximum" erscheint aber erst im kommenden Schuljahr.

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