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Scheibes Kolumne: Schülerzeitungs-Katastrophen

Man hilft ja gerne, wenn man kann. So ging es jedenfalls stern.de-Autor Scheibe, als er gebeten wurde, die Schülerzeitung aus der Grundschule seiner Kinder zu produzieren. Dummerweise ist dieses Mal alles schief gegangen, was nur irgendwie schief gehen kann. Schuld ist nur die Elektronik.

Früher habe ich die Schülerzeitung in der Falkenseer Europaschule am Gutspark noch selbst betreut. Doch Kinder können grausam sein - und ich kann mich da einfach nicht durchsetzen. Also habe ich die Überwachung des Schreibvorgangs in kompetente Hände übergeben und meine Rolle fürderhin auf die Produktion von 200 Exemplaren der "Eurokids" beschränkt. Was nicht bedeuten soll, dass dabei nichts mehr schiefgehen kann.

Da brummt der Bär

Ist ja klar: Kaum brummt im Büro der Bär, dass die Hütte wackelt, ist die neue Schülerzeitung fertig. Und sie ist so dick wie nie zuvor. Auf Disketten, CDs und USB-Stick kommen Texte und Bilder zu mir in die Redaktion geflattert. Einige Papierfotos müssen noch gescannt werden, aber das ist ja mit modernster Computertechnik längst kein Problem mehr. In "Corel Draw" lege ich schnell 24 Seiten an und lade mir passend dazu Texte und Bilder ein. Das Layouten sollte danach kein Problem mehr sein.

Zum größten Problem wird aber nicht die korrekte Zuordnung der Bilder zu den Texten, sondern die bereits vorhandene Formatierung der Texte. Emsige Kinderhände, die sich zum ersten Mal am Computer eingefunden haben, haben viel zu viele Leertasten in den Text gehämmert. Kommata, die nicht am Ende eines Wortes hängen, sondern davor. Willkürlich eingestreute Tabulatoren. In Texte eingebettete Bilder. Und Tabellen, die "Corel Draw" gnadenlos zerhackt: Die Aufräumarbeiten in den Bleiwüsten der Kinder ziehen sich bis tief in die Nacht hinein. Bei Cola und Red Bull nährt sich in mir die Hoffnung, dass die angehenden Redakteure viel effektiver arbeiten könnten, wenn der normale Deutsch-Unterricht nicht nur die Zeitformen der Verben lehren würde, sondern auch die Grundsünden des Text-Layoutens am Computer.

Irgendwann ist die Zeitung endlich fertig und von fast allen Fehlern befreit. 200 Hefte sollen gedruckt werden, also bestellen wir fürs Büro 200 x 12 = 2400 Blatt Papier, 90 Gramm, das ist schöner. Das Heft hat zwar 24 Seiten, aber mein Laserdrucker ist rattenschnell und kann die Blätter beidseitig beschriften. Schon rattert das Ding los und spuckt bedruckte Seiten und jede Menge Ozon in die trockene Büroluft. Leider macht die aufgefüllte Tonerkassette nur Mist. Schon bald schmiert und schliert sie die Blätter voll. Die Ausdrucke sehen grauenhaft aus. Als hätte man einen asthmatischen Kopierer aus den Siebzigern dazu genötigt, noch rasch ein paar Kopien auszuwürgen.

Toner installieren?

Kein Problem: Wir haben ja noch einen Toner, den wir gerade erst wieder neu haben auffüllen lassen. Den setze ich schnell in den Drucker ein. Und lese zum ersten Mal auf dem Display meines Laserdruckers: "Toner bitte installieren". Installieren? Ist doch keine Treiberdiskette dabei, oder? Schnell komme ich drauf, dass es vielleicht am Chip liegen könnte, der irrsinnigerweise inzwischen zum Toner mit dazugehört wie Ketschup zur Pommes. Ich schicke meine Kollegin los, den nicht-installierbaren Toner umzutauschen. Und sicherheitshalber noch einen neuen kaufen.

Sie kommt wieder und bringt den zuvor seinen Dienst verweigernden Toner zurück. Er hat einen neuen Chip bekommen. Damit sollte es eigentlich gehen. Beruhigt warte ich bis zum Abend, um die restlichen Schülerzeitungen zu drucken - die ersten 80 im Schmuddeldruck haben uns die Kids bereits am Morgen aus den Händen gerissen. Natürlich kommt es, wie es kommen muss. Trotz neuem Chip sagt der Toner wieder - "Toner bitte installieren". Argh. Zum Glück versieht der neue Toner seinen Dienst nach Vorschrift. Knapp 120 Hefte druckt er, bevor er weit vor der gefühlt richtigen Zeit zur Neige geht.

Verzweiflungstat

In meiner Verzweiflung breche ich den Chip aus dem neuen und nun bereits leeren Tonergehäuse und klebe ihn auf den vollen, aber anscheinend plötzlich nicht mehr kompatiblen Toner. Es hilft nix: Dieser Toner möchte anscheinend ums Verrecken nicht mehr in meinen Drucker zurückkehren. Sei es drum: Die Schüler kaufen mir alle bereits produzierten Hefte ab, mehr gibt es eben nicht. Und ich träume davon, das Ganze nächstes Mal einfach in einem Copycenter abzugeben.

Eine Glosse von Carsten Scheibe, Typemania

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