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Onlinejournalismus: Schülerzeitung im Web

Was hat "Die Zeit" mit der "Bild" und dem "Spiegel" gemein? Man kann sie auch online lesen. Onlinejournalismus ist schwer im kommen. Wer etwas auf sich hält, zieht schleunigst mit. Und was macht der Nachwuchs?

Von Lene Albrecht

Der Zeitungsleser online
Morgens mit einer Tasse Kaffee in der Hand am Frühstückstisch sitzend und mit der Nase tief in raschelndes Papier versunken, so sieht er aus, der typische Zeitungsleser. Ob im Park oder in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, überall sieht man ihn. Dabei müsste man meinen diese Spezies wäre seit dem Siegeszug des Onlinezeitalters längst ausgestorben. Vorbei mit den schwarz gefärbten Fingern und dem umständlichen Zusammenfalten. Aber offensichtlich ist der Onlinejournalismus gar keine richtige Konkurrenz für die Printmedien. Vielmehr stellt das Internet eine Bereicherung dar. Ähnlich sieht das auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. Deren Mitglieder werden ermutigt die Onlineressource für sich zu nutzen. So kommt es, dass der BDZV in diesem Jahr im Rahmen des Schülerzeitungswettbewerbs einen Sonderpreis für das beste crossmedial erscheinende Schülerblatt vergibt. Denn auch die Profis von Morgen haben den Trend hin zum Internet längst erkannt.

Wooling – eine Erfolgsgeschichte


Florian Zinner ist 17 und führt für seine Schülerzeitung "Wooling" die Online-Redaktionsleitung. Seit 2005, dem Jahr indem er an das Oberland-Gymnasium in Sachsen kam, investierte er viel Zeit und Nerven. Auf Anraten eines Lehrers entstand zuerst eine Website auf der sich die Wooling vorstellte. "Mittlerweile ist jedes Printmedium auch online vertreten. Deshalb haben wir uns gedacht, eine Website reicht uns nicht aus. Wir wollen ein richtiges Onlinemagazin schaffen.", berichtet Florian von der Gründungsgeschichte. Zu Beginn lief der Neuanfang schleppend, zu ungewohnt das neue Medium und dessen Eigenschaften. Plötzlich konnten zu jeder Zeit Artikel veröffentlicht werden. Ohne Redaktionsschluss fehlte der nötige Druck. Die Redakteure haben sich schwer getan, natürlich würden die lieber einen selbst geschriebenen Artikel auf Papier gedruckt in der Hand halten.

Aber Florian feilte weiter an der Onlineplattform und der Erfolg sollte ihm Recht geben. Seiner Meinung nach gehört eine Präsenz im Internet zu einer zeitgemäßen Schülerzeitung dazu. Besonders interessant sei, dass so eine breitere Leserschaft erreicht werde, auch über die Schulpforten hinaus. Die Seite bietet eine Fülle an Informationen, zum Schulleben, zu Politik und Kultur. Jeden Monat gibt es ein neues Feature. Diesen Monat geht es um Studiengebühren. Wooling versorgt seine Leser mit Tipps und Tricks rund um das Thema Bafög, Stipendien und Studienkredite auf eine durchaus charmante Art. Mit dem Vorurteil die Qualität des Journalismus sinke im Internet, räumt Florian auf. Im Gegenteil. Die Printausgabe sei durch das Onlinemagazin noch viel besser und professioneller geworden.

Während die Printausgabe nur zweimal im Jahr erscheint, wird das wooling.net mehrmals im Monat um neue Beiträge bereichert. Damit trifft es den Nerv der Zeit. Immer gut informiert, lautet das Motto. Was gestern aktuell war, ist heute schon kalter Kaffee. Mit diesem Problem haben viele Blattmacher zu kämpfen. Das Internet stellt einen guten Ausweg dar. Mittlerweile hat sich die Zahl der Besucher angefangen bei 20 auf 300 bis 400 pro Tag gesteigert.

Volle Kraft voraus

Wooling hat geschafft, wonach viele professionelle Medien streben. Sie haben sich eine feste Stammleserschaft erarbeitet. Nicht zuletzt durch die vielen interaktiven Spielereien, die das Internet möglich macht. Auf Artikel kann per Mausklick direkt reagiert und in einem Forum über aktuelle Themen diskutiert werden. Über einen Ehemaligentreff bleiben die abgegangenen Schüler in Kontakt, ein Klassentreffen online sozusagen.

Die Erfolgsgeschichte der Wooling zeigt, dass Internet und Print nicht auf Kriegsfuß stehenmüssen. Ja, dass beide sogar eine gleichberechtigte und harmonische Beziehung führen können, wenn man es denn richtig zu verbinden weiß. In diesem Fall hat der Nachwuchs den Profis wohl eine Nasenlänge voraus.

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