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Interview: "Nutzt Eure Möglichkeiten"

Gudula Gresser, Mitarbeiterin im thüringischen Kultusministerium, spricht über den Schülerzeitungswettbewerb den ihr Land ausgerufen hat und die damit verbundenen Chancen.

Von Sascha Vogel

Mit welcher Motivation unterstützt das Thüringer Kultusministerium diesen Wettbewerb?

Schülerzeitungen bieten Schülern die Möglichkeit, mehr Verantwortung für ihre Schule und damit für sich selbst zu übernehmen. Ob es nun besondere Höhepunkte im Schulleben oder alltägliche Sorgen und Wünsche der Schüler und Lehrer sind - alles kann kritisch unter die Lupe genommen werden. Die Schüler können Veränderungen an der eigenen Schule anregen, indem sie Lösungen vorschlagen. Damit wird Schülerzeitung zu einem Bewährungsfeld demokratischer Lernkultur innerhalb einer Schule und wirkt ebenso nach "außen".

Wer für einen solchen Wettbewerb tätig ist und sich einsetzt, der hat doch früher bestimmt auch mal Schülerzeitung gemacht.

Wenn ich an meine Schulzeit zurück denke, gab es da kaum Schülerzeitungen. Deshalb finde ich es besonders bemerkenswert, dass sich seit den Neunzigern dieses Sprachrohr der Schüler auch in den Neuen Ländern entwickelt hat. Ich kann mich aber gut daran erinnern, dass ich als Kind gern gedichtet und dicke Hefte mit "Romanen" voll geschrieben habe.

Wie fördert die Teilnahme am Wettbewerb die Schülerzeitungsredakteure?

Wir wissen alle, dass Lob motiviert. Alle teilnehmenden Redaktionen erhalten als Dank eine Urkunde. Mit der Tätigkeit innerhalb einer Schülerzeitungsredaktion können junge Leute ihren Fähigkeiten und Interes-sen Gestalt geben. Vielleicht führt dies zu konkreteren Berufsvorstellungen. In jedem Fall aber stärkt diese Arbeit das Selbstbewusstsein.

Worauf wird denn speziell bei der Bewertung der Zeitungen geachtet?

Innerhalb des Landeswettbewerbs achten wir darauf, dass sich das Engagement der Schüler widerspiegelt - weniger das der Lehrer. Außerdem sind die Kriterien aus Gründen der Einheitlichkeit dem bundesweiten Wettbewerb entlehnt.

Ein wichtiges Privileg sollte jedem Schülermagazin offen stehen: die Pressefreiheit.

Das Thüringer Schulgesetz schreibt das Recht auf freie Meinungsäußerung fest. Der § 26 trifft dazu eine klare Aussage:
"Jeder Schüler hat das Recht, in der Schule seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten, soweit die Rechte anderer sowie die Sicherung des Bildungsauftrages der Schule keine Einschränkungen (...) erfordern. Über erforderliche Einschränkungen entscheidet der Lehrer in eigener pädagogischer Verantwortung."
Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine Thüringer Schülerzeitung größere Sanktionen oder Bevormundun-gen hinnehmen musste. Sollte es Meinungsverschiedenheiten geben, gibt es die Beratungslehrer, Eltern- und Schülervertretungen, die vermittelnd aktiv werden. Im Sinne positiver Veränderungen kann - und sollte - es an Schulen sicher auch einen kritischen Disput geben. Die Schülerzeitung sollte als Transporteur dieses Dialogs dabei nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern zur Verfügung stehen, oder?

Wie lautet Ihr Rezept für eine richtig gute Schülerzeitung?

Eine gute Zeitung hat die Sicht nach außen und innen. Sie sollte den Schülern bei gesellschaftlich relevanten Themen unparteiisch bei der Meinungsbildung behilflich sein, ohne Denkmuster vorzuschreiben. Sie sollte verändern wollen, das Gemeinschaftsgefühl fördern und das Schulleben bereichern.

Und was tut so eine "Schülerzeitungsbeauftragte" des Freistaats Thüringen in ihrer Freizeit?

Sie versucht, in ihrer Freizeit auszugleichen, was manchmal bei der Arbeit am Schreibtisch zu kurz kommt - sie fährt Rad und (seit einem Jahr) Inline Skates und neben Klavierspiel und Hausarbeit liest sie sehr gern in den Zeitungen der Profis...

Gibt es etwas, dass Sie den jungen Medienmachern mit auf den Weg geben wollen?

Geht mit offenen Augen durch die Welt! Seid kritisch und diskussionsfreudig! Gebt Meckerern keine Chance! Nutzt und erweitert eure Möglichkeiten, an der Gestaltung eurer Schule eigenverantwortlich mitzuhelfen! Mit eurer Arbeit könnt ihr am Zusammenwachsen der Schulgemeinschaft mitwirken, denn jeder sollte sich an eurer Schule wohl fühlen!
Und nicht zuletzt: Mit dem Einreichen einer Ausgabe eurer Schülerzeitung am Thüringer Schülerzei-tungswettbewerb könnt ihr uns und andere an euren Initiativen und Ideen teilhaben lassen!

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