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Marco W.: Zweiter Anwalt wirft auch das Handtuch

Auch der zweite deutsche Anwalt von Marco W. gibt auf: Nach der Veröffentlichung des Buchs des 18-Jährigen über seine Untersuchungshaft in der Türkei hat der Jurist sein Mandat niedergelegt. Der Schüler sei vertraglich so gebunden, dass er den Rat seines Verteidigers, keine Interviews vor Prozessende mehr zu geben, nicht befolgen könne.

Der in der Türkei wegen Missbrauchs angeklagte Marco W. aus Uelzen hat nach der Veröffentlichung seiner Gefängnismemoiren auch seinen zweiten deutschen Anwalt verloren. Der Strafverteidiger Michael Nagel erklärte am Freitag in Hannover, dass er wegen bevorstehender weiterer öffentlicher Äußerungen des Schülers das Mandat niederlegen müsse. Der 18-Jährige könne wegen vertraglicher Bindungen an Dritte der Aufforderung nicht entsprechen, vor Abschluss seines Strafverfahrens in der Türkei keine Interviews zu geben.

Der Schüler sei "aufgrund einer offensichtlich unverantwortlichen Beratung von Seiten Dritter" vertraglich gebunden, erklärte Nagel weiter. Diese vertragliche Bindung mache es W. unmöglich, der anwaltlichen Aufforderung zu folgen, "keinerlei Interviews vor Abschluss des Strafverfahrens zu geben und jede Form der Medienpräsenz zu unterlassen". Der Anwalt äußerte dennoch die Hoffnung, dass sich die negativen Auswirkungen der medialen Verarbeitung der Erlebnisse in türkischer Haft in Grenzen halten werden. Er hoffe, dass "die Verfahren in der Türkei und in Deutschland das positive Ende finden, für das ich immer gekämpft habe", betonte er.

Die Familie von Marco reagierte am Abend auf die Niederlegung des Mandats und erklärte, sie sehe sich in der Türkei vor Gericht nach wie vor gut vertreten. In Deutschland wird die Familie nun wieder von Rechtsanwalt Jürgen Schmidt aus Uelzen unterstützt.

Im Hamburger Kinderbuchverlag erschienen unterdessen unter dem Titel "Marco W. - Meine 247 Tage im türkischen Knast" die Gefängnismemoiren des 18-Jährigen. Das Buch ist in einer Startauflage von 20.000 Exemplaren erschienen. Der Verleger Carlos Schumacher hatte bereits vor dem Erscheinen angekündigt, dass er zur Werbung für das Buch Talk-Show-Termine für Marco suche. Wegen der Werbung für das Buch hatte schon der zweite deutsche Anwalt, Matthias Waldraff, sein Mandat niedergelegt.

AP/AFP / AP