HOME

Minusrekord: So kalt war es seit 22 Jahren nicht mehr

Das Hoch "Angelika" hat für den vorläufigen Kälterekord des Winters gesorgt: Die Nacht zum Mittwoch war die kälteste seit 22 Jahren. Im sächsischen Dippoldiswalde sank die Temperatur auf minus 28 Grad. Wegen der winterlichen Straßenverhältnisse fiel im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg die Schule aus. Auch die Bahn hat mit der Eiseskälte zu kämpfen.

Kalt, kälter, am kältesten: Die Polarluft hat die winterliche Tiefsttemperatur weiter absacken lassen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sank die Temperatur an der Station Dippoldiswalde-Reinberg in Sachsen auf minus 28 Grad. In Altenburg (Thüringen) und in Sohland im Lausitzer Bergland (Sachsen) wurden laut Auskunft des Wetterdienstes Meteomedia minus 27,5 Grad gemessen. So kalt war es in der Region zuletzt vor 22 Jahren. Am Dienstag noch hatte das sächsische Delitzsch mit minus 26 Grad den Minus-Temperaturrekord gemeldet.

Die neuesten Tiefstwerte in Ostdeutschland wurden meist schon vor Mitternacht gemessen. In der zweiten Nachthälfte zogen von Norden her einige Wolken auf, die ein weiteres Absacken der Temperaturen verhinderten. Am Mittwochmorgen stiegen die Temperaturen verbreitet um drei bis vier Grad an. Die Meteorologen gehen davon aus, dass es zunächst keine weiteren Minus-Rekordwerte geben wird. "Hoch Angelika sorgt zwar auch in den kommenden Tagen für winterlich kalte Temperaturen, der Höhepunkt der Kältewelle wurde aber mit dem heutigen Tag erreicht", sagte Meteorologe Andreas Meingassner.

Aus Niedersachsen wurden am Morgen Schulausfälle im Landkreis Lüchow-Dannenberg gemeldet. Grund seien die Straßenverhältnisse, die eine Schülerbeförderung nicht zuließen. Die Nebenstrecken im Kreis sind meist noch so stark vereist, dass kein Busverkehr möglich ist.

Neben den Autofahrern bekommen auch Bahnfahrgäste die Tücken der eisigen Kälte immer mehr zu spüren. Auf 265 Minuten summierten sich die Verspätungen, die die Abfahrtstafel des Berliner Hauptbahnhofs am Mittwochmorgen um 9.30 Uhr anzeigte. Am stärksten betroffen waren mit jeweils 60 Minuten ein Intercity-Express nach Frankfurt/Main und ein Regionalexpress der besonders im Berufsverkehr stark genutzten Linie Magdeburg-Frankfurt/Oder. Auf dieser Linie fuhr kaum ein Zug mehr pünktlich.

Internationale Züge aus dem Osten kamen mit erheblichen Verspätungen in der Hauptstadt an. Als Gründe gab die Bahn Störungen an Weichen und Signalen, "witterungsbedingte Störungen" und hohe Streckenauslastung an.

Mailands Flughäfen vorerst geschlossen

Besonders heftig tobt sich der Winter in Norditalien aus. Nach mehr als 30 Stunden ununterbrochenen Schneefalls blieben am Morgen die Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate geschlossen, wie die "Zivile Luftfahrt Mailand" am Mittwoch mitteilte. Auch der Flughafen von Turin im Piemont sollte wegen Schnee und Eis noch bis zum Mittag geschlossen bleiben, berichteten italienische Medien.

In vielen norditalienischen Regionen hatten Kinder schulfrei. Auf den stark verschneiten Autobahnen waren Polizei und Räumfahrzeuge im Einsatz. Mehrere Autobahnstrecken in Ligurien und dem Piemont wurden für Lastwagen von über 7,5 Tonnen gesperrt. In vielen norditalienischen Großstädten kam es zu Staus, Verkehrsbehinderungen und Unfällen. In Mailand fuhren zwei Straßenbahnen ineinander, da eine eingefrorene Weiche nicht funktioniert hatte. Zwei Menschen wurden dabei leicht verletzt.

Marseille versinkt im Schnee

Ungewohnt winterliche Bedingungen herrschen derzeit auch in Südfrankreich. Die französische Hafenstadt Marseille drohte im Schnee zu versinken: Der Flugverkehr und die Schnellzugverbindungen wurden eingestellt, wie die Behörden mitteilten.

In der südostfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur wurden rund 30 Züge nach und aus Marseille in Bahnhöfen angehalten, damit sie nicht auf den Gleisen stecken blieben. Auch der Straßenverkehr in der Stadt kam praktisch zum Erliegen, sämtliche Busse blieben im Depot.

Der Schneefall setzte am frühen Morgen ein und sollte nach Angaben des Wetterdienstes bis zum Abend fortdauern. Die Autofahrer an der Côte d'Azur wurden überrascht, hochwinterliche Bedingungen sind an der Küste extrem selten. Der Grenzübergang nach Italien wurde bereits am Dienstagabend für Lastwagen gesperrt. Die Stromversorger riefen die Menschen der Region auf, ihren Verbrauch zu drosseln, um das Netz nicht zu überlasten.

DPA/AP / AP / DPA