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Nach Germanwings-Absturz: Dobrindt fordert bessere Kontrollen von Piloten

Die nach dem Germanwings-Absturz von Bundesverkehrsminister Dobrindt eingesetzte Taskforce ist zu einem Ergebnis gekommen: Piloten sollen zukünftig besser kontrolliert werden - um psychische Probleme somit früher zu erkennen.

"Depressionen sind weit verbreitet und in den meisten Fällen gut heilbar", so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt

"Depressionen sind weit verbreitet und in den meisten Fällen gut heilbar", so Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt

Engmaschigere Kontrollen, mehr Sensibilität für psychische Probleme und ein besserer Informationsfluss: So lauten die Empfehlungen einer von (CSU) eingesetzten Taskforce zur Flugsicherheit, nachdem ein mutmaßlich depressiver Copilot Ende März eine -Maschine zum Absturz gebracht hatte. Den Mechanismus der Cockpit-Türen stellt der am Dienstag in Berlin vorgestellte Zwischenbericht nicht in Frage. Germanwings unterbreitete den Angehörigen der Unglücksopfer ein Schadenersatzangebot, das deren Anwälte aber zurückwiesen.

"Depressionen sind weit verbreitet und in den meisten Fällen gut heilbar", sagte Dobrindt. Deshalb kommt der unter Leitung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erarbeitete Bericht zu dem Schluss, dass die für die Erteilung der Flugtauglichkeit zuständigen Ärzte verstärkt für psycho-soziale Störungen sensibilisiert werden sollen. Ferner empfiehlt die Taskforce, neue Methoden zur Kontrolle von Drogen-, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch zu prüfen. Zudem solle das (LBA) die mögliche Einführung stichprobenartiger Zufallskontrollen von Piloten nach US-Vorbild analysieren, sagte Dobrindt.

Anlaufstellen auf europäischer Ebene

Zu den weiteren Empfehlungen der Taskforce zählt die verpflichtende Einrichtung von Anlaufstellen auf europäischer Ebene. An diese innerhalb der Fluggesellschaften angesiedelten Anlaufstellen können sich Piloten und Crewmitglieder wenden, wenn sie bei sich selbst oder ihren Kollegen Auffälligkeiten beobachten. Außerdem fordert die Taskforce, den Informationsfluss zwischen Medizinern, Aufsichtsbehörden und Fluggesellschaften zu vereinfachen. Dieser werde teilweise durch die ärztliche Schweigepflicht und Datenschutzrechte unnötig erschwert, heißt es in dem Bericht.

"Das Vertrauensverhältnis zwischen Piloten, Unternehmen und Medizinern ist sicherheitsrelevant und muss unbedingt erhalten werden", sagte der BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Eine Arbeitsgruppe soll sich nun damit befassen, wie die Kommunikation vereinfacht werden kann, ohne den Datenschutz zu untergraben und erkrankte Piloten von einem Arztbesuch abzuschrecken. Die Empfehlungen der Taskforce will Dobrindt auch auf europäischer Ebene zur Sprache bringen.

Zwei-Personen-Prinzip soll beibehalten werden

Änderungen am Mechanismus der Cockpit-Tür sind in dem Zwischenbericht nicht vorgesehen. Dagegen habe sich das nach dem Absturz der Germanwings-Maschine eingeführte Zwei-Personen-Prinzip bewährt und solle bis auf Weiteres beibehalten werden, sagte von Randow. Bei dem Absturz hatte der deutsche Copilot Andreas L. nach bisherigen Erkenntnissen absichtlich den Sinkflug eingeleitet, nachdem er für einen Moment allein im Cockpit zurückgeblieben war. Nach dem Zwei-Personen-Prinzip ist das nicht mehr zulässig.

Germanwings unterbreitete den Hinterbliebenen der Opfer des Flugzeug-Absturzes am Dienstag ein Entschädigungsangebot. Um "langfristig Verantwortung" zu übernehmen, sei ein Treuhandkonto in Höhe von bis zu 7,8 Millionen Euro für die Ausbildung der Kinder von Opfern eingerichtet worden, teilte der Mutterkonzern Lufthansa mit. Ein zusätzlicher Hilfsfonds von bis zu sechs Millionen Euro sei für individuelle Unterstützungen im Einzelfall vorgesehen.

Nach Angaben der Hinterbliebenenanwälte bot Germanwings den Hinterbliebenen zusätzlich pauschal 25.000 Euro als Schadenersatz an. Die Anwälte der Hinterbliebenen werteten dies als "völlig unangemessen".

amt / AFP