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Nach halbem Jahr Funkstille: Assange will eine Million Dokumente veröffentlichen

Ein halbes Jahr hat Assange in der Londoner Botschaft von Ecuador Zuflucht gesucht. Jetzt zeigt er sich erstmals wieder der Öffentlichkeit - und macht eine brisante Ankündigung.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks will nach Aussage ihres Mitgründers Julian Assange im kommenden Jahr eine Million Dokumente veröffentlichen. Die Veröffentlichungen würden "alle Länder der Welt betreffen", sagte der Australier am Donnerstagabend in einer etwa zehnminütigen "Weihnachtsansprache" vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London aus. Rund hundert Anhänger applaudierten dem 41-Jährigen, der seit Juni in dem Gebäude festsitzt. Zudem sagte Assange, er sei bereit, jeden zu empfangen, der mit ihm über die Lösung der Situation sprechen wolle. "Die Tür ist offen und sie war immer offen, für alle, die mit mir unter normalen Umständen sprechen wollen und die mir freies Geleit geben wollen", sagte er.

2012 bezeichnete Assange als "großes Jahr", in dem Wikileaks Dokumente über Syrien und zu anderen Themen veröffentlicht habe. Zudem kritisierte er die Regierung der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder. "Wahre Demokratie gibt es nicht im Weißen Haus", sagte er. Wahre Demokratie sei vielmehr der "Widerstand von Menschen, die mit der Wahrheit gegen Lügen vom Tahrir bis London bewaffnet sind". Der Tahrir-Platz in Kairo gilt als einer der Schlüsselorte des Aufstands in Ägypten.

Assange dankt seinen Gastgebern

Der ecuadorianische Botschafter erklärte seine Solidarität mit Assange und sagte, Assange werde "verfolgt, weil er frei denkt und sich frei ausdrückt". Der Australier sei zu einem geschätzten Gast in der Botschaft geworden. Assange floh im Juni nach einer anderthalbjährigen Justizschlacht in die Londoner Botschaft des südamerikanischen Landes, um sich einer Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Ecuador gewährte ihm inzwischen auch politisches Asyl. In Schweden werden Assange Sexualstraftaten vorgeworfen; eine Anklage existiert jedoch nicht. Assange bestreitet die Vorwürfe. Er befürchtet, Schweden könnte ihn an die USA weiterreichen, wo ihm wegen der für die USA nachteiligen Veröffentlichungen seiner Plattform Wikileaks lebenslange Haft droht.

"Vor sechs Monaten kam ich in dieses Gebäude", sagte Assange vom Balkon der Botschaft im Zentrum Londons aus. "Sie wurde mir zur Heimat, zum Büro und zum Fluchtpunkt", betonte er. Er dankte seinen Gastgebern für die Geduld und ihre Haltung. Er könne arbeiten und kommunizieren - anders als mehr als 200 Journalisten weltweit, die derzeit im Gefängnis säßen.

Durch die Veröffentlichung geheimer Informationen zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan sowie von rund 250.000 vertraulichen Diplomatendepeschen hat Wikileaks den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen.

kgi/DPA/AFP / DPA