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Nach Sex-Talk in Saudi-Arabien: König Abdullah erlässt Journalistin Peitschenhiebe

Gnade vor Recht: Der saudische König Abdullah hat der Journalisten Rosanna al Jami eine Strafe von 60 Peitschenhieben erlassen. Die drakonische Züchtigung war verhängt worden, weil die Frau an der Produktion einer Sex-Show im TV beteiligt war.

König Abdullah von Saudia-Arabien hat einer Journalistin 60 Peitschenhiebe erlassen, zu denen sie am Wochenende wegen einer Fernsehsendung über Sex verurteilt worden war. Das Informationsministerium teilte am Montag mit, die drakonische Strafe gegen die 22-jährige Rosanna al Jami werde aufgrund des königlichen Gnadenaktes nicht ausgeführt. Auch der Fall einer Kollegin, der schwangeren Iman Radschab, werde von einem Komitee des Informationsministeriums überprüft.

1000 Peitschenhiebe für den Gast

Rosanna A. war angeklagt worden, nachdem sie an einer TV-Produktion für den arabischen Fernsehsender LBC mitgewirkt hatte, in der ein Mann aus der saudischen Hafenstadt Dschidda über sein ausschweifendes Sexleben sprach. Der 32 Jahre alte Mann, ein geschiedener Vater von vier Kindern, wurde inzwischen zu fünf Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. Denn außerehelicher Sex und Anstiftung zur "Unmoral" sind in dem islamischen Königreich verboten, wo Frauen auf der Straße lange Gewänder und Kopftücher tragen müssen. Drei weitere Männer, die ebenfalls in der Show über Sex plauderten, wurden zu zwei Jahren Gefängnis und 300 Peitschenhieben verurteilt.

Staatsanwalt fand die Strafe noch zu milde

Die Journalistin war jedoch formal nicht wegen des Inhalts der Sendung verurteilt worden, sondern weil sie mit einem Sender kooperiert hatte, "der in Saudi-Arabien über keine richtige Akkreditierung verfügt". Die beiden Büros des libanesischen Satellitensenders LBC in Saudi-Arabien wurden nach der Ausstrahlung geschlossen.

Vor der Begnadigung durch den König hatte der Staatsanwalt noch Berufung gegen die Strafe eingelegt, weil er die Strafe von 60 Peitschenhieben als zu milde erachtete.

Al Jami berichtete unterdessen von Morddrohungen. "Unbekannte haben mich auf meinem Mobiltelefon angerufen und gedroht, mich zu töten", sagte sie der saudischen Nachrichten-Website "Al-Anawien". "Gott weiß, dass mir Unrecht widerfahren ist", fügte sie hinzu.

Die Journalistin ist vermutlich die erste Frau überhaupt in Saudi-Arabien, die zu Peitschenhieben verurteilt wurde. Sie sagte am Montag, auch wenn ihr das Auspeitschen nun erspart bleibe, sollte das Urteil gegen sie doch zur Abschreckung dienen.

AP / AP
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