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Nach Zockerskandal: Greenpeace verliert hunderte Spender

Ein verlustreiches Währungsgeschäft bei Greenpeace hat für Aufregung gesorgt - und für Konsequenzen bei der Umweltschutzorganisation. Mehrere hundert Spender haben ihre Unterstützung gestoppt.

Für Greenpeace ist der Zockerskandal ein großes Imageproblem

Für Greenpeace ist der Zockerskandal ein großes Imageproblem

Nach dem Bekanntwerden von Millionenverlusten bei Währungsgeschäften hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace in Deutschland rund 700 Förderer verloren. Wie Kommunikationsdirektor Michael Pauli der Nachrichtenagentur DPA sagte, wird Greenpeace hierzulande von rund 600.000 Geldgebern unterstützt. Der Rückzug reiße insofern kein riesiges Finanzloch ins Budget. Neue Spender zu gewinnen, sei aber mit erheblichem Aufwand verbunden. Greenpeace Schweiz, ebenfalls finanzstark, schrieb in einem Rundbrief an die Unterstützer von Bestürzung und Wut und bat "aus tiefstem Herzen um Entschuldigung".

Bei Greenpeace International in Amsterdam hatte ein mittlerweile entlassener Mitarbeiter eigenmächtig Währungsgeschäfte betrieben, die zu einem Verlust von 3,8 Millionen Euro führten. Über den Verlust und den Rückzug der Förderer hatte zuerst der "Spiegel" berichtet. Pauli bestätigte, dass die Organisation insgesamt rund 90 Millionen Euro für das Fundraising, also das Spendensammeln, ausgebe - "um 300 Millionen Euro Einnahmen weltweit zu erhalten. Wir sehen das positiv."

Radikale Umstrukturierung

Nach dem Bericht des Nachrichtenmagazins befindet sich die Umweltschutzorganisation insgesamt in einem Umbruch. Ziel sei es, den Schwerpunkt der Arbeit, der traditionell in den Industrieländern lag, in Länder wie Brasilien, China, Indien und nach Afrika zu verlegen. Es gehe nicht nur darum, in Schwellenländern die Lebensbedingungen zu verbessern. Wenn die Herstellung von Textilien in China verbessert, schadstoffärmer und sauberer werde, profitierten auch die Menschen in Deutschland davon, sagte der Sprecher.

Diese Neuausrichtung sei weltweit aber nicht mit einem Stellenabbau verbunden, betonte Pauli. "Dass so ein Umstrukturierungsprozess nicht ohne Reibungen verläuft, ist normal in einer Organisation, in der ziviler Widerstand dazugehört. Wir leben von der kulturellen Vielfalt." Das Magazin schrieb dagegen, die Zentrale sei "in Auflösung begriffen". Greenpeace-Chef Kumi Naidoo verstehe sich weniger als Verwalter, eher als Botschafter in Sachen Klimawandel.

Vorgesehen ist nach Angaben des Kommunikationsdirektors, dass Umweltschutz-Kampagnen künftig nicht mehr allein von der Zentrale in Amsterdam aus gesteuert werden, sondern sich Büros mit ihrem Expertenwissen dafür zusammenschließen und Teams bilden. So könnten beispielsweise die Aktivisten in Frankreich oder Polen von der Anti-Atomkraft-Erfahrung in Deutschland besser profitieren. Die Organisation werde nicht an Schlagkraft verlieren, unterstrich Pauli. Weltweit beschäftigt Greenpeace 2000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern.

ono/DPA/AFP / DPA