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Nachdruck Städteatlas: Städte der Welt

Knapp 400 Jahre nach der Herausgabe der Stadtansichten von Georg Braun und Franz Hogenberg ist nun im Taschen-Verlag ein über sechs Kilo schwerer Nachdruck erschienen. Lange vor dem ersten Heißluftballonflug gelangen dem ungewöhnlichen Team detailgenaue Radierungen und Kupferstiche von Städten mit einer ganz eigenen Technik.

Von Marc Goergen

Sie waren die Bestseller am Ende des 16. Jahrhunderts, die Stadtansichten von Georg Braun und Franz Hogenberg. Schon der erste Band von "Civitates Orbis Terrarum", erschienen 1572, erlebt acht Auflagen - und fünf weitere Bände sollten noch folgen. Wenig erstaunlich. Zeigten doch die "Städte der Welt" erstmals hunderte Metropolen, wie sie bis dahin kein Mensch wirklich sehen konnte: aus der Vogelperspektive. Knapp vierhundert Jahre nach der Herausgabe des letzten Bandes ist nun im Taschen-Verlag ein opulenter, über sechs Kilo schwerer Nachdruck der Ansichten erschienen.

Sie waren ein ungewöhnliches Team: Braun, der Theologe aus Köln, und Hogenberg, der Kupferstecher aus den Niederlanden. Zusammen führte sie die Leidenschaft, die menschlichen Siedlungen, ob am Niederrhein oder am Nil, möglichst detailgetreu darzustellen. Schon über fünfzig Jahre zuvor hatten Geografen wie Sebastian Münster ein ähnliches Ansinnen verfolgt - ihre Versuche können sich indes nicht mit den kolorierten detailgenauen Radierungen und Kupferstichen Hogenbergs messen: kleine Gassen, Kanäle, selbst einzelne Häuser sind genau zu erkennen und geben so faszinierende Einsichten in die Städtelandschaft vor den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges.

Die Welt von oben sehen

Wie aber gelang es Hogenberg und Braun die Welt von oben zu sehen - lange vor dem ersten Flug mit einem Heißluftballon? Offenbar bereiste der Kupferstecher Hogenberg die jeweiligen Städte ausführlich oder studierte Reiseberichte: Für die Ansicht Kairos etwa bezog er sich auf die Berichte des Leo Africanus, der Anfang des 16. Jahrhunderts ausführlich Nordafrika bereist hatte. Eine detailreiche, aber eben auch keine perfekte Quelle: So sind die Darstellungen Kairos, Damaskus und Jerusalems auch freier als jene fast an Satellitenbilder erinnernden Stiche etwa von Paris oder Köln.

Eine geschäftstüchtige Idee

Bei allem enzyklopädischen Idealismus zeigten sich Hogenberg und Braun durchaus geschäftstüchtig: Wer als Stadt in die Sammlung aufgenommen werden wollte, konnte selbst etwas dafür tun: den Autoren auf eigene Kosten Beschreibungen und alte Ansichten zukommen lassen. Oder in den damaligen Worten: "Wer aber seine Vaterstadt oder seine Geburtsstadt in diesen beiden ersten Büchern nicht findet, so möchte ich doch freundlich auffordern, dass er diese nach dem Leben abmalen und mir zusenden solle, dann werde ich sie durch den artigen Franz Hogenberg artig reißen lassen."

Georg Braun und Franz Hogenberg, Städte der Welt (herausgegeben von Stephan Füssel), Taschen-Verlag, 2008, 501 Seiten, 150 Euro.

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