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Natascha Kampusch: Priklopil benahm sich wie ein Kind

In einem Interview mit dem österreichischen Rundfunk ORF hat Natascha Kampusch über weitere Details ihrer achtjährigen Gefangenschaft berichtet. Demnach habe sie einige Male das Gefühl gehabt, vor Hunger zu sterben - ihr Entführer Priklopil habe sich währenddessen aufgeführt wie ein Dreijähriger.

"Ich wäre ein paar Mal fast gestorben, vor Hunger, vor Kreislaufschwäche", sagte die 18-jährige Kampusch in dem ORF-Gespräch, das auch der deutsche Privatsender RTL am Mittwoch übertrug. Priklopil sei er sehr geizig mit Nahrung gewesen. "Er war fast wie ein Magersüchtiger, der es auf andere Leute übertragen hat."

Die Wienerin war am 2. März 1998 von Wolfgang Priklopil entführt worden und hatte sich erst im August vergangenen Jahres aus ihrem Verlies befreien können. Zu ihrer Leidenszeit in dem fünf Quadratmeter großen Kellerraum sagte Kampusch: "Man hört das eigene Blut rauschen, man spürt die Enge, die Kälte, man denkt viel nach". Ein Entkommen sei nicht möglich gewesen, da Priklopil den Eingang blockiert hatte. "Allein schon dieser schwere Betonklotz, da kann man ja gar nicht ausbrechen, der ist viel zu schwer für mich", sagte Kampusch.

"Nicht verrottten"

Ihre Abhängigkeit vom Kidnapper bezeichnete Kampusch als "irrsinnig ungutes Gefühl"» Sie habe einerseits darauf hoffen müssen, "dass er ja nicht stirbt, damit man nicht verrottet, nie wieder gefunden wird". Andererseits habe sie jedoch auch gebetet, "dass ihm irgendetwas passiert, damit das Ganze ein Ende hat".

Die Behandlung durch ihren Entführer beschrieb Kampusch als sehr zwiespältig. Einerseits sei sie ihm irrsinnig wichtig gewesen. Auf der anderen Seite habe er sie "wie den letzten Dreck behandelt." Manchmal habe sich Priklopil aufgeführt wie ein Kleinkind. Er hätte dann einem Dreijährigen "alle Ehre gemacht". Es sei aber ein Unterschied, "ob ein dreijähriges Kind auf jemanden eintritt, einbrüllt und zornig ist und alles kaputt macht, oder ob das ein 1,72 Meter großer starker Mann ist".

"Lieber ein Ende mit Schrecken"

Am Tag ihrer Flucht am 23. August 2006 habe sie beschlossen, es müsse ein Ende geben. "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken und eine Qual ohne Ende", erklärte Kampusch, der die Schilderung ihrer Leidenszeit sichtbar schwer fiel. Nach ihrer dramatischen Flucht aus dem Haus Priklopils beging der Entführer Selbstmord. In den vergangenen Monaten wurde Kampusch von Experten betreut. Anwälte versuchen seither, sie vor aufdringlichen Medienvertretern zu schützen.

Auch die Mutter der jungen Frau äußerte sich in der Sendung zu ihren Ängsten nach dem Verschwinden ihrer Tochter. "Ich bin neben mir gestanden, das ist alles an mir vorbei gezogen. Man ist da wie in Trance, als ob sie einem das Herz rausreißen", beschrieb sie die Sorge um ihr Kind. Vor allem ein Streit mit Natascha am Vorabend der Entführung habe sie immer wieder beschäftigt. "Das hat mich in den acht Jahren auch sehr viel gekostet an Substanz. Ich habe immer wieder gesagt zu all meinen Kindern, man geht im Streit nicht auseinander. Wer weiß, ob man sich wieder sieht."

DPA/Reuters / DPA / Reuters
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