Ostern Papst ruft zum Einsatz für den Frieden auf


Bei der traditionellen Ostermesse auf dem Petersplatz hat Papst Johannes Paul II die Gläubigen aufgerufen, sich unermüdllich für den Frieden einzusetzen. Besonders erwähnte er dabei den Krieg im Irak und die Lage in Palästina an.

Papst Johannes Paul II. hat bei der Ostermesse in Rom unter dem Beifall zehntausender Gläubiger zum Frieden im Irak aufgerufen. Zugleich mahnte er die Weltgemeinschaft, sich für einen "solidarischen Wiederaufbau" des zerstörten Iraks einzusetzen. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass der Krieg zu einem "dramatischen Konflikt zwischen den Kulturen und den Religionen" beiträgt, sagte der Kirchenführer vor Zehntausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz. Anschließend spracht er den Segen «Urbi et Orbi» (Die Stadt und dem Erdkreis).

Papst fordert "Frieden im Irak"

"Es zerbreche die Kette des Hasses, die ein geordnete Entwicklung der Menschheitsfamilie bedroht!" Dabei erinnerte der Papst auch an die Spannungen im Heiligen Land und an die vielen "vergessenen Kriege und schleichenden Konflikte" in Afrika und anderen Teilen der Dritten Welt. Der 83-jährige Kirchenführer sprach mit vergleichsweise klarer Stimme."Friede dem Irak!", rief der Papst in seiner Predigt. "Mit Unterstützung der Völkergemeinschaft mögen die Iraker zu Protagonisten des solidarischen Wiederaufbaus ihres Landes werden."

Zehntausende Besucher auf dem Petersplatz

An der Messe auf dem Petersplatz im Rom nahmen rund 50.000 Gläubige teil, tausende weitere strömten am späten Vormittag noch in Richtung des Platzes.

Erinnerung an Opfer von Krieg, Gewalt und Hass

Das 82-jährige Kirchenoberhaupt nahm trotz seiner schweren Krankheit an allen Schlüsselzeremonien der Karwoche teil. Dazu zählte auch die Nachtmesse, welche die letzten dunklen Stunden nach dem Tode Christi vor seiner Wiederauferstehung symbolisiert. Während der Zeremonie wurden Hunderte von Kerzen entzündet, und der Papst hielt die letzte Predigt vor der Ostermesse am Sonntagmorgen. Bereits bei der traditionellen Kreuzwegprozession am Karfreitag hatte er an die Opfer von Hass, Krieg und Terror erinnert und unter anderem eine irakische Familie erwählt, um das Kreuz an seiner Stelle zu tragen. Da der Papst unter anderem an Parkinson leidet, kann er das Holzkreuz nicht wie früher selbst schultern.

Von schwerer Krankheit gezeichnet

Die Karwoche ist für den Papst sehr kraftraubend. Sie begann mit einem Palmsonntagsgottesdienst, an Gründonnerstag leitete das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zwei Messen. Die traditionelle Fußwaschung von zwölf Priestern ließ der Heilige Vater wie im Vorjahr von zwei Kardinälen vornehmen.

Osterbotschaften im Zeichen des Irak-Krieges

Die großen christlichen Kirchen in Deutschland haben in ihren Osterbotschaften den Irak-Krieg erneut scharf kritisiert. Der Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands, Manfred Kock, sagte, die ethischen Rechtfertigungen für den Krieg seien nicht überzeugend. Es habe ihn sehr gestört, dass US-Präsident George W. Bush auf religiöse Umschreibungen für die Motive seines Feldzuges zurückgegriffen habe, sagte Kock am Sonntag im Deutschlandfunk. "Wir haben den Muslimen angesichts des Terrors vom 11. September 2001 immer wieder gesagt, ihr müsst eure Religion nicht missbrauchen lassen. Und nun werden wir damit konfrontiert, dass sich auch der amerikanische Präsident auf religiöse Formeln bezieht, wenn er den Krieg rechtfertigt."

Krieg schafft keinen Frieden

Mit einem Krieg kann nach Auffassung des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, kein Frieden geschaffen werden. Der erste Schritt zur Versöhnung sei zwar immer ein Wagnis, aber ohne ein Minimum an Vertrauensvorschuss könne es keinen Frieden geben, sagte Lehmann in seiner Osterpredigt im Mainzer Dom. Frieden sei kein Naturereignis oder Automatismus, sondern benötige Einsatz. Ohne Verzicht und Opfer sei Frieden nicht möglich.


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