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Panorama: Wie der Mensch die Erde verändert hat

In keinem Zeitalter hat die Menschheit die Erde so stark verändert wie im 20. Jahrhundert. Die Bevölkerung hat sich nahezu vervierfacht, Wüsten haben sich ausgedehnt, Wälder sind verschwunden und in der Luft schweben Substanzen, die die Natur vor der Industrialisierung nicht kannte.

Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Menschheit nahezu vervierfacht. Gleichzeitig haben sich die Wüsten ausgedehnt, Wälder sind verschwunden und in der Luft schweben tausende Substanzen, die die Natur vor der Industrialisierung nicht kannte. In keinem Zeitalter hat die Menschheit die Erde so stark verändert wie im 20. Jahrhundert.

BEVÖLKERUNG: 1,6 Milliarden Menschen trug die Erde im Jahr 1900, heute sind es über sechs Milliarden. Der Höhepunkt der Wachstumsrate von 2,2 Prozent wurde jedoch schon 1964 überschritten.

LANDWIRTSCHAFT UND ERNÄHRUNG: Heute bewässern Landwirte sechsmal so viel Fläche wie 100 Jahre zuvor. Zudem wächst auf einem Acker heute mit Dünger und moderner Technik im Mittel dreimal soviel Nahrung. Damit stieg allein die Getreideernte schneller als die Weltbevölkerung wuchs. So standen 1998 mit 319 Kilogramm jedem Menschen jährlich im Schnitt 72 Kilogramm Getreide mehr zur Verfügung als noch 1950. Größte Getreideproduzenten sind China, die USA und Indien.

Ein Großteil des Getreides wandert jedoch in Tiertröge und wird daher - betrachtet man den Nährwert für den Menschen - ineffektiv verwertet. Ein US-Bürger verbraucht im Schnitt 900 Kilogramm Getreide pro Jahr, das meiste wird von Tieren umgesetzt und in Form von Fleisch, Milchprodukten und Eiern gegessen. Einem Inder stehen dagegen 200 Kilogramm Getreide pro Jahr zur Verfügung.

TRINKWASSER: Die weltweite Wasserentnahme ist seit 1950 doppelt so schnell gewachsen wie die Anzahl der Menschen. 230 Millionen Menschen sind nicht ausreichend mit Wasser versorgt. 5,3 Millionen Menschen sterben nach UN-Angaben pro Jahr an Krankheitserregern im Trinkwasser. Die Flüsse in Deutschland enthalten wesentlich weniger Chemikalien als noch vor 30 Jahren. Viele Fische sind zurückgekehrt.

TIERE und PFLANZEN: Leben im Zeitalter des Massensterbens: rund 1 000 Arten verschwinden pro Jahr. Bei natürlicher Evolution wären es ein bis zehn.

Zu Beginn des neuen Milleniums ziehen die Menschen jährlich fünfmal so viel Fische aus den Ozeanen wie 50 Jahre zuvor - damit steht jedem Mensch statistisch heute zweimal so viel Seefisch zur Verfügung wie 1950. Doch das Leben und die wirtschaftliche Existenz von 200 Millionen Menschen, die vom Fischfang leben, sind bedroht: Elf der 15 wichtigsten Fanggebiete und 70 Prozent der wichtigen Speisefische sind überfischt. Die Ozeanfischerei scheint an die natürlichen Grenzen gestoßen zu sein.

Elf Prozent der 4 400 Säugetierarten sind bedroht. Die Individuenzahlen von zwei Dritteln der 9 600 registrierten Vogelarten sinken. Ebenfalls elf Prozent sind vom Aussterben bedroht. Von den 242 000 wissenschaftlich registrierten Pflanzenarten sind 14 Prozent vom Aussterben bedroht. Hauptgrund ist der Vernichtung ihres Lebensraumes.

Der Mensch schuf auch Ozonloch und Treibhausklima

WALD: Allein zwischen 1980 und 1995 wurden 200 Millionen Hektar Wald geschlagen - das entspricht 5,5-mal der Fläche Deutschlands. Holz nutzt der Mensch hauptsächlich als Brennholz, für Papier und den Hausbau. In Europa, Japan und den USA, wo ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, werden mehr als zwei Drittel des weltweit produzierten Papiers verbraucht. Jeder Mensch in den Industrieländern verbrauchte 1995 im Schnitt 160 Kilogramm Papier, etwa zehnmal mehr als in den ärmeren Ländern.

In Deutschland bleibt die Waldfläche zwar erhalten, weil Bäume nachgepflanzt werden. Abgase aus dem Verkehr und Industrie sowie Dünger der Landwirtschaft machen dem Wald jedoch zu schaffen. Nach Auskunft der Regierung sind rund 20 Prozent der Bäume entscheidend und 41 Prozent schwach geschädigt.

TREIBHAUSEFFEKT: 1998 war das wärmste Jahr seit Aufzeichnung der weltweiten Temperaturen vor rund 130 Jahren. Es ist der bisherige Höhepunkt der 14 wärmsten Jahre, die alle nach 1980 lagen. Die durchschnittliche Wassertemperatur in den Ozeanen ist um etwa ein halbes Grad gestiegen.

Hauptgrund für den Effekt: Der Ausstoß an Kohlendioxid ist größer, als die Natur wieder aufnehmen kann. Daher ist die Konzentration dieses Treibhausgases von 280 ppm (Teile pro Millionen Teile) auf mehr als 360 gestiegen. In diesem Jahrhundert hat der Mensch nahezu 800 Milliarden Barrel (127 Billionen Liter) Ölprodukte durch Autos und Schlote in die Luft geblasen. Etwa 1 000 Milliarden Barrel stecken noch unter der Erde.

Der Verbrauch an Energie hat sich innerhalb der letzten einhundert Jahre verzehnfacht. Jeder Mensch benötigt im Schnitt 2,5-mal soviel Energie wie im Jahr 1900. Ein Deutscher jagt jedes Jahr etwa elf Tonnen Kohlendioxid in die Luft, ein Chinese rund ein Viertel davon.

WÜSTEN: Gobale Erwärmung, Überweidung, Abholzung und falsche Bewässerung sind Ursachen dafür, daß pro Jahr landwirtschaftliche Flächen von der Größe der Schweiz verlorengehen. Etwa 900 Millionen Menschen sind von der Ausbreitung der Wüsten betroffen. Besonders in Afrika in der Sahel-Zone südlich der Sahara treibt die Armut die Menschen dazu, die ausgedörrten Böden noch intensiver zu bestellen und damit endgültig unbrauchbar zu machen.

OZONLOCH: Das Ozonloch über der Antarktis hatte im September 1998 mit 25 Millionen Quadratkilometern einen neuen Rekord erreicht. Es war zweieinhalb Mal so groß wie Europa. »Das hat nachgewiesenermaßen einen negativen Effekt auf das Leben unter Wasser«, sagt der Ozonexperte der Weltwetterorganisation (WMO/Genf), Rumen Bojkov. Durch eine dünnere Ozonschicht können mehr gefährliche UV-Strahlen dringen. Algen und andere Wasserpflanzen würden in ihrem Wachstum behindert. Da diese den Fischen als Nahrung dienten, seien negative Auswirkungen auch auf die Gesundheit der Tiere zu erwarten.

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