Paris Grausige Funde von Totgeburten


In der Leichenkammer eines Pariser Krankenhauses wurden über 300 Totgeburten und Föten gefunden. Manche wurden bereits seit 20 Jahren dort aufbewahrt. Der Skandal hat die Behörden alarmiert.

Die Totgeburten und Föten lagen in Säcken mit Formalin, manche von ihnen waren seit über 20 Jahren in der Leichenkammer des Pariser Krankenhauses Saint Vincent de Paul aufbewahrt. Der Skandal um diesen grausigen Fund hat die französischen Behörden alarmiert und Gesundheitsminister Xavier Bertrand hat eine Untersuchung angeordnet. Es sei "unerträglich", sagte der Minister und fragte, wieso die 351 Leichen nicht eingeäschert worden seien, wie es das Gesetz vorsieht.

Säcke mit schrecklichem Inhalt

"Mir ist es zu verdanken, dass dieser Skandal ans Tageslicht gekommen ist", sagt die 28-jährige Caroline Lemoine. Vor drei Jahren hat sie auf Anraten ihres Arztes ihre Schwangerschaft nach viereinhalb Monaten unterbrechen lassen, weil ihr ungeborenes Baby eine tödliche Missbildung hatte. Der Fötus wurde in die Entbindungsklinik Saint Vincent de Paul geschickt - nach einer Autopsie hätte das Krankenhaus ihn innerhalb von zehn Tagen einäschern sollen. Hartnäckige Nachfragen nach dem Bestattungsdatum mobilisierten einen Angestellten der Krankenhausverwaltung, der die Säcke mit ihrem schrecklichen Inhalt entdeckte.

Dieser Vorgang sei ein Versehen und die Folge "menschlichen Versagens", entschuldigte sich das Krankenhaus. Ein Frauenarzt der Entbindungsstation bedauerte das juristische Vakuum. "Ein Fötus hat keinen Rechtsstatus", sagte er. Auch die Aufbewahrung ist nicht gesetzlich geregelt. In Laboratorien werden Organe routinemäßig gelagert.

Föten für die Wissenschaft aufbewahrt

Der französische Ethik-Ausschuss hat sehr zurückhaltend auf die Enthüllung reagiert. In den meisten Krankenhäusern würden Totgeburten und Föten für wissenschaftliche Zwecke aufbewahrt, sagte der Präsident des Ausschusses Didier Sicard, um Missbildungen mit fortschrittlichen Methoden untersuchen zu können.

"Es gibt heute keine komplizierten Missbildungen wie in den 50er und 60er Jahren mehr", sagte Sicard. Der Grund seien moderne Untersuchungsmethoden wie Fruchtwasseranalyse und Ultraschall. Die Frau, die den Stein ins Rollen brachte, will das Krankenhaus nicht verklagen. "Sie haben meinen Sohn inzwischen eingeäschert, und ich habe meine Trauer überwunden", sagte Caroline, die inzwischen Mutter eines gesunden Mädchens geworden ist.

Petra Klingbeil/DPA DPA

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