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Peking: "Kenne Einstein und deutschen Speck"

Während Horst Köhler im Reich der Mitte auf Staatsbesuch weilt, gehen die Chinesen weiter ihren Geschäften nach. stern-Mitarbeiterin Ellen Deng hat sie kurz gestoppt und gefragt, was sie von Deutschland und den Deutschen halten - eine Straßenumfrage in Peking.

Wang Xiao'ou, 11 Jahre alt, Grundschülerin:

"Die Deutschen pflanzen gerne Blumen, nicht nur für sich selbst, sondern auch um andere zu erfreuen. Nett! Gern würde ich da mal hingehen, aber natürlich würde mich auch jede andere Auslandsreise freuen."

Wang Jingyi, 10, Grundschülerin:

"Ich kenne Einstein und deutschen Speck. Ich mag das Land nicht, weil die einen Krieg begonnen haben. Ich glaube, manche vor denen haben Angst vor Panzern. Falls ich eines Tages mal dahingehe, möchte ich dort Burgen und Schlösser besuchen."

Xiang Xin, 12, Grundschülerin:

"Ich mag Deutschland, da sind die Prüfungen nicht so streng, und die Kinder werden nur von A bis D bewertet" (sie meint wohl 1 bis 6, d. Red.) "und nicht von 1 bis 100 wie in China. Und die Deutschen verstehen etwas von Kunst, sind sehr exquisit, klassisch."

Wang Jianhua, 49, Taxifahrer:

"Ein deutsches Auto fahren und eine schöne Freundin haben - was will man mehr im Leben?"

Richard Liu, 29, freier Journalist:

"In Deutschland herrscht Ordnung. Mein Auto fuhr dort 170 bis 180 Kilometer, aber ich habe keinen Unfall gesehen. Nie fahren die großen Lastwagen auf der Spur für kleinere Autos wie bei uns in China."

Herr Chen, 35, Professor für Architektur:

"Ich habe eine deutsche PPK-Pistole und würde gern mehr deutsche Abzeichen und Waffen sammeln. Deutsche Autos sind wie die Deutschen: stabil, bescheiden und sie funktionieren gut. Sie haben wirkliche hohe Qualität und sind auf sicheres Fahren und gute Kontrollsysteme ausgerichtet, während bei japanischen Autos die Gemütlichkeit im Vordergrund steht. Die deutschen Architekten haben den Mut Farben zu nutzen. Oft sieht man dort helle Farben. Noch liebenswürdiger sind die Verkäufer in Deutschland. Als ich auf dem Weg zum Schloss Neuschwanstein war, folgte mir ein junger Weidmannskunstverkäufer und lächelte, aber er drängte mich nie, etwas zu kaufen. Auf der anderen Seite der Alpen ist das anders, Sie wissen, Italien..."

A Gan, 35, Besitzer eines Asienrestaurants in Berlin:

"In Deutschland ist es viel sicherer als in Frankreich oder Spanien. Ich fand meinen Geldbeutel eine halbe Stunde, nachdem ich ihn in der U-Bahn verloren hatte. Und man muss sich nie um seinen Laptop sorgen, wenn er im Computerraum der Uni steht. In China oder anderen Ländern wäre das unmöglich! Aber eins verstehe ich nicht: Dass die Deutschen ihre Zigarettenstummel blindlings wegwerfen. Sogar in der U-Bahn scheint das nicht verboten zu sein. So kann man sich vorstellen, was ich eines Tages sah, als ich bei einem Halt unter die Schienen blickte: Tausende von Zigarettenstummeln! Mein Gott!"

Lao Zhang, 48, arbeitslos:

"Ich habe gehört, Deutschland ist ein Wohlfahrtsstaat. Dann macht es ja nichts aus, wenn man arbeitslos ist. Die Arbeitslosen sollen sogar mehr Geld bekommen als die Arbeitenden. Stimmt das?"

Su Xiu,15, Gymnasiastin:

"Ich möchte in Deutschland studieren, das soll dort billig sein. Aber es soll auch schwer sein, die Examen zu bestehen, es heißt, 40 Prozent fallen durch. Ich weiß nicht, ich muss das alles erst herausfinden, und die Sprache ist ein großes Problem für mich."

Tessar, 31, Technologie-Berater:

"Als ich ein Kind war, bekam ich einen Lamy-Druckbleistift. Und er ist nie kaputtgegangen! Ich benutze ihn immer noch. Das ist die Bedeutung von 'Made in Germany'. Ich mag Leica, und ich habe eine M6. Sie erfordert eigenes Verständnis von Fotografie. Die Leica denkt nicht für dich, sie hilft mir mich selbst zu entwickeln."

Niu Wenyi, 30, Mitarbeiterin einer deutschen Kultureinrichtung in Peking:

"Ok, ich mag den deutschen Fußball nicht, und ich stehe auch nicht auf die stumpfsinnige Musik dort, mit Ausnahme von den Einstürzende Neubauten. Ich lese auch nicht gern deutsche Literatur, zu langweilig und niederschlagend. Aber die deutsche Philosophie finde ich gut. Ich habe etwas Nietzsche, Kant und Hegel auf Chinesisch gelesen. Obwohl das schwere Kost ist, fühle ich darin Gedanken, die tief ins Herz gehen."

Minami, 33, Marketing-Managerin:

"Mit Deutschen einen Vertrag auszuhandeln ist hart, sie diskutieren über jedes Detail. Aber danach halten sie sich auch daran. Man hat später nicht den Ärger wie mit anderen Partnern aus Taiwan oder Japan. Während des Oktoberfests folgte ich auf dem Münchner Bahnhof einem einem gut aussehenden Deutschen. Er schien etwas angetrunken zu sein, und ich fragte ihn: 'Bist du ok?'. Er antwortet: 'Klar, willst du mich auf einer geraden Linie gehen sehen?' Und er ging im Zickzack, haha! Aber ich fühlte mich trotzdem sicher mit ihm. Einige Franzosen oder Italiener mögen auf dem Bierfest ihre Manieren verlieren, aber selten die Deutschen. Überhaupt sehen die deutschen Männer gut aus, im Unterschied zu den deutschen Frauen."

Wu Xinxin, 51, Wirtschaftswissenschaftler:

"Mein deutscher Freund hat für mich die Heizung aufgedreht, aber er vergaß auch nie sie wieder abzustellen. Er hatte zwei Autos, aber er ging zu Fuß zur Arbeit. Die Deutschen fühlen wirklich Verantwortung für die Umwelt und andere Fragen. Sie glauben, was sie glauben, und sie tun, was sie sagen. Ich fühle bei ihnen auch ein starkes universelles Bürger-Bewusstsein, sie sind nicht so wirtschaftsorientiert wie die Briten und Amerikaner. Die Deutschen legen Wert darauf, ihren Geist zu entwickeln, während die Amerikaner vor allem praktische Fähigkeiten entwickeln. Die produzierende Industrie ist nicht mehr länger in der Hand der Deutschen. Was in Zukunft passieren wird? Schwer zu sagen. Die Deutschen legen Wert auf ihre Traditionen und Kultur. In China wird heute immer mehr versucht, unsere Tradition, den Konfuzianismus, in populärer, leicht verständlicher Weise darzustellen, zum Beispiel, indem man Kleider aus jener Zeit trägt. So etwas in der Art würden die Deutschen nicht unbedingt machen."

Hu Yujiang, 36, Dokumentarfilmregisseur:

"Mich hat der Respekt der Deutschen vor ihrer Geschichte bewegt. Als ich die Ausstellung am Checkpoint Charlie sah, kam es mir vor, als wären die Dinge dort gerade passiert, nicht in der Vergangenheit. So eine Nation ist eine ehrliche Nation!"

Mu Rong, 28, Buchhalter:

"Oh, die Deutschen, das sind Leute, die keine Witze machen."

Chen Qingjun, 36, bildender Künstler:

"In den Friseursalons bei uns hängen Bilder von deutschen Haarmodels. Ich mag sie, sie sind schön und nett, nicht so honigsüß wie die französischen Mädchen. Übrigens mag ich Fassbinder, er ist unersetzbar. Und ihm würde ein Platz wie der Friseursalon auch gefallen, stimmt's?"

A Kang, 34, Webmaster:

"Die Deutschen machen alles sehr sorgfältig und arbeiten hart. Aber geht nicht etwas von der Freude am Leben verloren wenn man das übertreibt?"

Umfrage: Ellen Deng, Peking
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.