Piratenüberfall Rätselraten um Entführung in Somalia

Nach Erkenntnissen der Bundesregierung sind vor der somalischen Küste zwei Deutsche entführt worden. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass sich auch ein deutsches Kind an Bord des Schiffes befunden habe, heißt es. Es sei von einem kriminellen Hintergrund der Tat auszugehen.

Nach dem Piratenüberfall auf die Yacht eines deutschen Paares vor der Küste Somalias bemüht sich die Bundesregierung weiter um Aufklärung. Derzeit gehe man davon aus, dass zwei deutsche Urlauber verschleppt worden seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, in Berlin. "Wir müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Entführung ausgehen." Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass ein Kind an Bord gewesen sei.

In Somalia hieß es dagegen, unter den Entführten sei ein kranker Junge, der Hilfe brauche. Der Staatsminister für Sicherheit in der halbautonomen Region Puntland, Dschama Hirsi Farah, hatte erklärt, Piraten hätten drei Deutsche und einen Franzosen entführt. Die vier Europäer - zwei Eltern mit ihrem Kind und der Franzose - seien am Montag von einer Yacht im Golf von Aden verschleppt worden. Das Auswärtige Amt konnte dies nicht bestätigen.

Nach bisherigen Erkenntnissen hätten Piraten nach dem Überfall zwei Deutsche ins Landesinnere verschleppt, sagte der Sprecher. Unklar sei noch, ob sich unter den Entführten auch Angehörige anderer Nationen befänden. Es gebe aber keine Hinweise auf ein Kind. Man gehe von einem kriminellen Hintergrund aus. Ein Stammesältester in der Region Puntland, Aqil Abshir Qadi, erklärte, er habe sich bereits mit der Familie und dem ebenfalls verschleppten Franzosen getroffen. Unter den Deutschen sei ein krankes Kind, das Fieber habe und in einem schlechten Zustand sei. Das Alter des Kindes wurde nicht genannt.

Die Bundesregierung erwägt, in ähnlichen Fällen in Zukunft auch die Marine einzusetzen. In Brüssel werde zurzeit über eine europäische Aktion diskutiert, um in somalischen Hoheitsgewässern gemeinsam eingreifen zu können, sagte Jäger. In der Bundesregierung gebe es dazu noch "Gesprächsbedarf". Völkerrechtlich wäre ein solcher Einsatz dem Sprecher zufolge kein Problem, da er als "Maßnahme der kollektiven Sicherheit" auf Artikel 24 des Grundgesetzes gestützt sei. Die Maßnahme wiederum wäre abgedeckt durch die vorliegende UN-Resolution und einen europäischem Rahmenbeschluss.

Der UN-Sicherheitsrat hatte erst Anfang Juni beschlossen, dass andere Staaten künftig auch in den Hoheitsgewässern von Somalia Piraten verfolgen dürfen. Das Bundesverteidigungsministerium wies darauf hin, dass die Marine im Rahmen der US-geführten Antiterror-Operation "Enduring Freedom" zwar keine Piraten bekämpfen, aber sehr wohl Nothilfe leisten dürfe. Die Fregatte "Emden" habe sich aber am Montag rund 300 Seemeilen von dem Segelschiff entfernt befunden. Am Mittwoch kam die "Emden" einem niederländischen Frachter zur Hilfe, der nach einem Monat in der Gewalt von Piraten vor der somalischen Küste wieder freigelassen worden war.

Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums hatte die deutsche Fregatte ein Notsignal der "MV Amiya Scan" erhalten und die Besatzung mit Lebensmitteln und Wasser versorgt. Inzwischen sei die "Amiya Scan" auf dem Weg in den Suez-Kanal, erklärte die niederländische Schifffahrtsgesellschaft. Die Besatzung - vier Russen und fünf Philippiner - sei unverletzt. Ob ein Lösegeld bezahlt wurde, wollte der Sprecher nicht sagen. Das Schiff wurde am 25. Mai auf dem Weg nach Rumänien im Golf von Aden gekapert.

AP AP

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