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Tod von Forrest Hayes: Prostituierte wegen Überdosis von Google-Manager verurteilt

Ein Überwachungsvideo zeigte einen Google-Manager mit Überdosis, sterbend zurückgelassen von einem Callgirl. Doch genau dieses Video entlastete die Angeklagte im Prozess um den Tod von Forrest Hayes.

Alix Tichelman im Gericht von Santa Cruz, US-Bundesstaat Kalifornien (Archivbild vom Juli 2014)

Alix Tichelman im Gericht von Santa Cruz, US-Bundesstaat Kalifornien (Archivbild vom Juli 2014)

Sechs Jahre wegen fahrlässiger Tötung - so lautet das Urteil des Gericht in Santa Cruz, US-Bundesstaat Kalifornien, gegen die Prostituierte Alix Tichelman. Sie hatte im November 2013 dem Google-Manager Forrest Hayes auf seiner Yacht eine Überdosis Heroin gespritzt und den Sterbenden zurückgelassen, statt den Notruf zu wählen. Für Aufsehen sorgte ein Überwachungsvideo, das die Ereignisse an Bord von Hayes' Yacht zeigte. Damals berichtete die Polizei, die Frau habe in aller Ruhe ihre Sachen einschließlich des Heroins und der Spritze zusammengepackt, ihr Glas Wein ausgetrunken und das Schiff verlassen, während Hayes mit dem Tode rang.

Doch im Prozess wurde laut "Welt" auch deutlich, dass das Überwachungsvideo noch mehr zeigt. Die damals 26-jährige Prostituierte reagierte offenbar keineswegs so abgebrüht, wie es zunächst schien. Nachdem Hayes - wegen eines allergischen Schocks, so der Gerichtsmediziner im Prozess - kollabiert war, schien Tichelman zunächst ratlos. Dann geriet sie sichtlich in Panik. Sie schlug dem 53-Jährigen auf die Brust und rief mehrmals seinen Namen, um ihn wieder aufzuwecken, berichtet die "New York Daily News". "In einem Moment schien sie ihn sogar zu umarmen, sie hielt ihn Wange an Wange", zitiert die Zeitung Ankläger Rafael Vazquez. Demnach lief Tichelman weinend im Boot auf und ab, bevor sie ein Glas Wein herunterstürzte und flüchtete.

Panisch statt kaltblütig

Tichelmans Anwalt hat laut sueddeutsche.de ebenfalls argumentiert, seine Mandantin habe in Panik gehandelt. Einen Grund für Mord habe sie nicht gehabt, schließlich sei Hayes ein lukrativer Kunde gewesen. Ankläger und Verteidiger einigten sich im Prozess auf einen Deal, der Tichelman das nun gefällte Urteil einbrachte.

Hayes und Tichelman hatten sich über ein Internetportal kennengelernt. Mehrfach hatte der Google-Manager die Prostituierte, die laut "Welt" für ihre Dienste 1500 bis 3000 Dollar pro Nacht verlangte, gebucht. Hayes war verheiratet und hinterließ fünf Kinder. In der Todesanzeige der Familie hieß es laut "Welt": "Forrest wird uns immer als liebender Ehemann und Vater in Erinnerung bleiben."

tkr