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In Sichtweite 1000 Lichtjahre entfernt – Forscher entdecken erdnächstes Schwarzes Loch

ein schwarzes Loch leuchtet
Das erste Foto eines Schwarzen Lochs konnten Forscher im Jahr 2019 in der Galaxie Messier 87 aufnehmen
Astronomen haben bei der Beobachtung eines Sternsystems das der Erde nächstgelegene Schwarze Loch entdeckt. Dies gibt ihnen nun Hinweise auf weitere versteckte Schwarze Löcher.

Eine Gruppe von Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) und weiterer Forschungsinstitute hat ein Schwarzes Loch entdeckt, das nur tausend Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Damit ist das Schwerkraftmonster unserem Sonnensystem näher als jedes andere bisher gefundene Schwarze Loch, wie die ESO am Mittwoch in Garching mitteilte. Das unsichtbare Schwarze Loch ist demnach Teil eines Sternsystems, das mit bloßem Auge sichtbar ist.

Das Team fand den Nachweis für das bizarre Objekt, indem es seine beiden Begleitsterne mit dem 2,2-Meter-Teleskop MPG/ESO am La-Silla-Observatorium der ESO in Chile nachverfolgte. Dabei gehen die Forscher davon aus, dass dieses System wohl nur die Spitze des Eisbergs ist – in Zukunft könnten noch viele weitere ähnliche Schwarze Löcher gefunden werden. "Wir waren völlig überrascht, als wir feststellten, dass dies das erste Sternsystem mit einem Schwarzen Loch ist, das man mit bloßem Auge sehen kann", erklärte Petr Hadrava, emeritierter Wissenschaftler an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag und Mitverfasser der Forschungsarbeit.

Sternsystem gab den Hinweis zum Schwarzen Loch

Das System befindet sich im Sternbild Telescopium und ist der Erde so nah, dass seine beiden Sterne von der Südhalbkugel aus in einer dunklen, klaren Nacht ohne Fernglas oder Teleskop beobachtet werden können. "Dieses System enthält das der Erde nächstgelegene Schwarze Loch, von dem wir wissen", sagte der ESO-Wissenschaftler Thomas Rivinius, der die am Mittwoch veröffentlichte Studie leitete.

Das Team beobachtete das System mit der Bezeichnung HR 6819 ursprünglich als Teil einer Studie über Doppelsternsysteme. Als sie ihre Beobachtungen analysierten, waren sie laut ESO jedoch verblüfft, als sie einen dritten, bisher unentdeckten Körper in HR 6819 entdeckten - das Schwarze Loch. Die Beobachtungen mit dem Feros-Spektrographen am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop in La Silla zeigten, dass einer der beiden sichtbaren Sterne alle 40 Tage ein unsichtbares Objekt umkreist, während sich der zweite Stern in großer Entfernung von diesem inneren Paar befindet.

Nicht alle Schwarzen Löcher erscheinen wirklich schwarz

Das verborgene Schwarze Loch in HR 6819 ist den Angaben zufolge eines der ersten bisher entdeckten Schwarzen Löcher mit stellarer Masse, die nicht gewaltsam mit ihrer Umgebung interagieren und daher wirklich schwarz erscheinen. Aber die Forscher konnten seine Anwesenheit ausmachen und seine Masse berechnen, indem sie die Umlaufbahn des Sterns im inneren Paar untersuchten.

Astronomen haben bisher nur einige Dutzend Schwarze Löcher in unserer Galaxie entdeckt, die fast alle in starker Wechselwirkung mit ihrer Umgebung stehen und ihre Anwesenheit durch die Freisetzung von Röntgenstrahlung verraten. Wissenschaftler schätzen jedoch, dass im Lauf der Lebenszeit der Milchstraße viel mehr Sterne bei ihrem "Tod" zu Schwarzen Löchern kollabierten.

Die Entdeckung könnte die Forscher zu weiteren schwarzen Löchern führen

Die Entdeckung eines stillen, unsichtbaren Schwarzen Lochs in HR 6819 gibt der ESO zufolge nun Hinweise darauf, dass sich die vielen versteckten Schwarzen Löcher in der Milchstraße in vergleichbaren Sternsystemen befinden könnten. "Es muss Hunderte von Millionen Schwarzer Löcher geben, aber wir wissen nur von sehr wenigen - wenn wir wissen, wonach wir suchen müssen, sollten wir besser in der Lage sein, sie zu finden", erklärte Rivinius.

Schon jetzt glauben die Astronomen den Angaben zufolge, dass ihre Entdeckung Aufschluss über ein zweites System geben könnte. "Wir erkannten, dass ein anderes System, genannt LB-1, ebenfalls ein solches Dreifachsystem sein könnte, auch wenn wir mehr Beobachtungen benötigen würden, um dies sicher sagen zu können", erläuterte Marianne Heida, eine Postdoc-Stipendiatin der ESO und Mitautorin der Arbeit.

las AFP

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