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Zehnjähriger starb 2010 Entführt, missbraucht, ermordet: Der Fall Mirco bei "Aktenzeichen XY...gelöst!"

Szene aus "Aktenzeichen XY...gelöst!": Moderator Sven Voss (l.) mit Ingo Thiel, Chefermittler im Mordfall Mirco
In "Aktenzeichen XY...gelöst!" spricht Moderator Sven Voss (l.) mit Ingo Thiel – dem damaligen Chefermittler im Mordfall Mirco S.. 
© ZDF/Stella Coniglio
Vor zwölf Jahren verschwindet der zehnjährige Mirco aus dem nordhrein-westfälischen Grefrath. Nach einer mehrmonatigen Suche ist klar: Der Zehnjährige wurde missbraucht und getötet. Am Freitag ist der Fall Thema bei "Aktenzeichen XY...gelöst!" 

Mirco S. aus Grefrath in Nordrhein-Westfalen verschwindet an einem warmen Sommertag. Es ist der 3. September 2010 als der zehnjährige Schüler auf einer Skateranlage in der Nähe seines Elternhauses spielt. Erst gegen 22 Uhr fährt er mit dem Fahrrad nach Hause. Doch dort kommt er nie an.

Der damalige Chefermittler Ingo Thiel erinnert sich: "Ich habe am 4. September einen Anruf erhalten, dass ein zehnjähriger Junge verschwunden ist." Damals hatte sich bereits ein Zeuge bei der Polizei gemeldet, weil er morgens auf dem Weg zum Bäcker Mircos Fahrrad auf einem Feldweg entdeckt hatte. Da er es mit nach Hause genommen und für seinen Sohn aufbereiten wollte, hatte er es bereits mit einem Hochdruckreiniger gesäubert.

Zeugin findet Jogginghose von Mirco auf abgelegenem Parkplatz

Hunderte Beamte durchsuchen daraufhin ein rund 50 Quadratkilometers großes Gebiet rund um eine Funkzelle, in dem das Handy des Jungen zuletzt eingeloggt war. Auch die Bevölkerung hilft mit, Plakate werden verteilt. Auch Tornados der Bundeswehr werden bei der Suche eingesetzt.

Hunderte Einsatzkräfte d an der Suche nach dem kleinen Mirco
Hunderte Einsatzkräfte beteiligten sich an der Suche nach dem kleinen Mirco
© Rene Tillmann/ / Picture Alliance

Eine Zeugin findet schließlich an einer stillgelegten Straße auf einem Parkplatz in dem Bereich einer Mülltonne eine Jogginghose. Auf dem Parkplatz finden Ermittler auch weitere Kleidungsstücke des Jungen. Straßenarbeiter finden einige Kilometer weiter Mircos Handy. Die Sonderkommission der Polizei geht inzwischen davon aus, dass der Schüler entführt und umgebracht wurde.

Am 15. September 2010 wird der Fall Mirco Thema bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY…ungelöst". Daraufhin meldet sich ein Zeuge, der in besagter Nacht einen VW Passat beobachtet hat, dessen Fahrer möglicherweise gerade dabei war, das Fahrrad des Jungen auf den Feldweg zu werfen. Auf der Jogginghose findet das LKA Düsseldorf Fasern eines Autositzes, wie er nur in einem VW-Passat der Baureihe B6 vorkommt. Im Großraum Grefrath gibt es 2500 Autos dieser Baureihe. Stück für Stück werden alle überprüft, Experten kleben jeden Autositz ab, um Faserspuren zu sichern.

Spur führt die Polizei zu Olaf H.

Parallel dazu werden 200.000 Daten aus der Funkzelle herausgefiltert und ausgewertet. Einer der Mobilnummer-Verläufe entspricht genau der rekonstruierten Fahrt des Täters. Es ist die Nummer von Olaf H., einem 46 Jahre alten Familienvater, der nur wenige Kilometer von Grefrath entfernt wohnt. In seinem Dienstwagen, einem VW-Passat, findet die Polizei die entscheidenden Spuren.

Am 26. Januar 2011 wird er festgenommen. Im Verhör auf dem Polizeirevier erzählt er den Beamten zunächst, dass Mirco schon tot gewesen sei, als er ihn in der Nacht seines Verschwindens gefunden hätte. Erst später gibt er zu, den Jungen ermordet zu haben und führt die Ermittler zu seiner Leiche in einem einsamen Waldstück. Er erzählt, wie er sich mit seinem Fahrzeug in der Dunkelheit dem Jungen in den Weg gestellt hatte, ihn von seinem Fahrrad gezogen und in seine Wagen gezerrt hatte. In einem Waldstück hatte er den Schüler missbraucht und erdrosselt.

Das Foto zeigt die Stelle, an der die Leiche von Mirco S. gefunden wurde
Hier an dieser Stelle in einem Wald unweit einer stark befahrenen Bundesstraße wurde die Leiche des kleinen Mirco vergraben

Das Landgericht Krefeld verurteilt Olaf H. am 29. September 2011 zu einer lebenslangen Haftstrafe und stellt zugleich die besondere Schwere der Schuld fest. Sie verlängert die Haftdauer in der Regel um fünf bis sechs Jahre. "Wie es zu dieser Tat kommen konnte, hat sich verlässlich in dieser Verhandlung nicht klären lassen", sagt der Vorsitzende Richter Herbert Luczak in der Urteilsbegründung. Es gebe zwar Hinweise auf Sadismus als Motivation, beweisbar sei dies aber nicht gewesen.

Olaf H. vor Gericht. Er verdeckt sein Gesicht mit einer Akte.
Vor Gericht verdeckte Olaf H. sein Gesicht vor den Pressefotografen
© Volker Hartmann / Picture Alliance

Olaf H. hatte bei seinen Vernehmungen und vor Gericht zahlreiche Versionen der Tat geschildert. Vieles davon erwies sich als gelogen. In seinem Schlusswort hatte er erklärt: "Mir ist bewusst, was für eine schreckliche Tat ich begangen habe. Ich erwarte keine Vergebung." Zu seinem Motiv schwieg der bis zu seiner Tat unbescholtene Familienvater hartnäckig. "Dass die Frage nach den Motiven unbeantwortet bleibt, wird die Familie ein Leben lang begleiten", sagte Nebenklägerin Reinartz.

Fall am Freitag bei "Aktenzeichen XY...gelöst!"

Die tiefgläubigen Eltern von Mirco veröffentlichen zwei Jahre nach der Tat ein Buch über den Mord an ihrem Sohn mit dem Titel "Verzweifeln. Vertrauen. Verzeihen. "Mit unserem Buch möchten wir zeigen, was uns geholfen hat, die Spirale von Hass und Verzweiflung verlassen zu können", zitiert der Verlag. Trotz allem führten sie jetzt ein Leben, das von Zuversicht, Menschenliebe und Glauben getragen sei.

Der Fall Mirco ist am Freitag, den 26. August, um 21.15 Uhr Thema in der ZDF-True-Crime-Reihe "Aktenzeichen XY…gelöst!". Moderator Sven Voss rekapituliert mit Soko-Leiter Ingo Thiel noch einmal die Suche nach dem Täter.

Quellen:  ZDF-Doku "Spurlos verschwunden", DPA

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