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"Engel mit den Eisaugen": Menschenrechte verletzt: Italien muss Amanda Knox fünfstellige Entschädigung zahlen

2009 wurde US-Bürgerin Amanda Knox in Italien wegen Mordes an einer britischen Studentin zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Jahre später wurde die heute 31-Jährige freigesprochen. Nun feierte sie einen weiteren Sieg vor Gericht.

Amanda Knox - Italien - Entschädigung

Für Amanda Knox ist das Urteil der nächste Erfolg vor Gericht (Archivbild)

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Italien muss der erst wegen Mordes verurteilten und dann freigesprochenen US-Bürgerin Amanda Knox mehr als 18.000 Euro Entschädigung zahlen. Die italienischen Behörden hätten bei der Befragung Knox' mehrere ihrer Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Donnerstag in Straßburg. Knox begrüßte das Urteil.

Die italienischen Behörden seien nicht den Anschuldigungen der US-Amerikanerin nachgegangen, von der Polizei geschlagen und unter Druck gesetzt worden zu sein, argumentierten die Straßburger Richter. Außerdem habe Italien nicht zufriedenstellend begründet, warum Knox im Jahr 2007 bei einem entscheidenden Polizeiverhör keinen Anwalt gestellt bekommen habe. Damit habe Italien unter anderem gegen das Recht auf ein faires Verfahren verstoßen. Das Urteil kann innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Amanda Knox nach acht Jahren freigesprochen

Knox war 2009 wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Die Leiche der 21-Jährigen wurde in der Wohnung gefunden, die sie sich in Perugia mit Knox geteilt hatte. Nach fast acht Jahren Justizgerangel wurde Knox schließlich freigesprochen. Bis dahin hatte sie schon rund vier Jahre in Haft gesessen und in den Medien als "Engel mit den Eisaugen" Bekanntheit erlangt.

Ein Urteil wegen falscher Verdächtigung blieb jedoch bestehen: Knox hatte nach Überzeugung der italienischen Richter einen Bekannten des Mordes an Kercher beschuldigt, obwohl sie um seine Unschuld wusste. Die Amerikanerin machte vor dem Straßburger Gericht geltend, dass sie diese Aussage im Schockzustand nach dem Fund der Toten und unter dem Eindruck von Schlägen der Polizei gemacht habe.

Knox begrüßte das Urteil am Donnerstag. Auf ihrer Webseite schrieb sie, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe entschieden, dass ihre Verurteilung wegen falscher Verdächtigung ungerecht gewesen sei. Die italienische Polizei sei entschlossen gewesen, sie zu brechen. "Ich wurde 53 Stunden innerhalb von fünf Tagen verhört, ohne Anwalt, in einer Sprache, die ich vielleicht so gut verstand wie eine Zehnjährige. Als ich der Polizei sagte, dass ich keine Ahnung habe, wer Meredith getötet hat, schlug man mir auf den Hinterkopf und sagte mir, ich solle mich "erinnern"."

Aussagen unterschrieben, dann wieder zurückgenommen

Schließlich habe die Polizei vor ihr eine Geschichte ausgebreitet - davon, dass sie gesehen habe, wie ihr Bekannter die britische Austauschstudentin tötete. "Sie sagten mir, ich sei traumatisiert von dem Vorfall und leide an Amnesie." Für einen kurzen Moment habe sie gedacht, dass die Polizisten vielleicht Recht hätten. Schließlich habe sie die entsprechenden Aussagen unterzeichnet, diese jedoch innerhalb von Stunden wieder zurückgenommen. Sie habe jahrelang ein schlechtes Gewissen deswegen gehabt.

Der einzige rechtskräftig Verurteilte in dem bis heute nicht aufgeklärten Mordfall ist Rudy Guede. Er wurde wegen Beihilfe zum Mord zu 16 Jahren Haft verurteilt. Die Frage, wer ihm geholfen haben könnte, bleibt damit offen. 

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mod / DPA