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Ämter lahmgelegt Katastrophenfall nach Hackerangriff – Landkreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld wird erpresst

Landkreis Anhalt-Bitterfeld
"Die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung ist durch den Angriff in erheblichem Umfang bis auf Widerruf extrem eingeschränkt", teilte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit
© Klaus-Dietmar Gabbert / DPA
Nichts geht mehr: Kriminelle haben die Verwaltung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld durch einen Hackerangriff lahmgelegt. Inzwischen ist eine Lösegeldforderung eingegangen.

Die Angreifer auf die Computersysteme der Landkreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld haben nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) in Sachsen-Anhalt ein Lösegeld gefordert. Das sagte ein LKA-Sprecher am Dienstag in Magdeburg der Nachrichtenagentur DPA. Zuvor hatten verschiedene Medien über mögliche Forderungen berichtet. Zur genauen Höhe des verlangten Betrags machte der Sprecher keine Angaben. Nicht selten bewegten sich solche Lösegeldforderungen allerdings in sechs- oder siebenstelliger Höhe.

Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld lahmgelegt

Bei dem Cyberangriff vergangene Woche waren mehrere Server des Landkreises den Angaben zufolge mit sogenannter Ransomware infiziert worden, bei dem Daten verschlüsselt werden. Die Quelle der Infektion war zunächst unklar. Bei Ransomware sollen die Daten üblicherweise nach einer Geldzahlung wieder freigegeben werden. Eine Garantie, dass nach Zahlung der Erpressungssumme wieder Zugriff auf die Daten besteht, gibt es allerdings nicht.

In Anhalt-Bitterfeld wurden nach dem Angriff alle kritischen Systeme vom Netz getrennt, um einen weiteren Datenabfluss zu verhindern. 

Der Landkreis hatte wegen der schweren Cyberattacke auf das Netzwerk seiner Verwaltung den Katastrophenfall ausgerufen. "Dieser Angriff hat auf alle Bereiche des Leistungsspektrums des Landkreises unmittelbare Auswirkungen und betrifft somit auch die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, die zurzeit nicht bearbeitet werden können", teilte die Kommune am Freitagnachmittag mit. Zudem seien weitere Folgen derzeit nicht absehbar. Der Landkreis mit rund 158.000 Einwohnern hat den Angaben zufolge Strafanzeige gestellt und arbeitet eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Der Katastrophenfall gebe dem Landrat die Möglichkeit, schneller zu entscheiden und Hilfe anzufordern, erklärte ein Sprecher. Jetzt gehe es darum, die Quelle der Infektion zu finden, sowie um Analyse und Bekämpfung des Virus. Die IT-Infrastruktur müsse wieder aufgebaut werden. Schnellstmöglich sollten die Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger wieder aufgenommen werden.

Hackerangriffe gibt es immer wieder

Der Kreis werde dabei von Spezialisten aus Bundes- und Landesbehörden sowie von weiteren Experten unterstützt. Unter anderem sei das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eingebunden. Der Katastrophenfall wurde den Angaben zufolge auch ausgerufen, weil viele finanzielle Belange von Bürgern betroffen seien. Laut Kreissprecher Uwe Pawelczyk geht es etwa um Menschen, die auf Sozialgeld warten, oder auch um Jugendhilfe.

Hackerangriffe auf Kommunalverwaltungen sind nach Ansicht des Deutschen Städte- und Gemeindebunds ein wiederkehrendes Problem. Eine hundertprozentige Sicherheit sei nicht herzustellen, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg am Dienstagmorgen dem Nachrichtenradio MDR Aktuell. "Einen richtig guten Angriff, den kann es überall geben", sagte Landsberg. Es sei sowohl weltweit als auch deutschlandweit zu beobachten, dass versucht werde, Kommunalverwaltungen oder auch kommunale Einrichtungen – etwa Stadtwerke – anzugreifen. Entscheidend sei, dass die IT-Systeme und damit auch die Sicherheit in den Verwaltungen ständig weiterentwickelt würden.

wue DPA

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