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"#neustart19"-Kampagne Jan Böhmermann ist in die SPD eingetreten – so will er jetzt Parteichef werden

Jan Böhmermann kandidiert für den SPD-Vorsitz
Im Rennen um den SPD-Vorsitz erhalten Olaf Scholz und Co. Konkurrenz:


Jan Böhmermann will für den Posten als SPD-Chef kandidieren. 


Damit bietet der ZDF-Moderator der strauchelnden Volkspartei seine Hilfe im Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit an.


In den sozialen Netzwerken kündigt er seine Kampagne mit dem Hashtag #neustart19 an.


Die Twitter-Community zeigt sich vom Vorhaben des Satirikers begeistert.


Juso-Chef Kevin Kühnert nimmt das Angebot offenbar mit Humor. 
Er hat ein paar Ideen für Jan Böhmermann, wie es mit der Wahl zum SPD-Chef klappen könnte.


In seinem Bewerbungsvideo sucht der ZDF-Moderator auch eine weibliche Mitbewerberin für den Vorsitz.
Darauf meldet sich die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli zu Wort.
  
Für den Fall seiner Wahl kündigt Böhmermann außerdem an, Olaf Scholz aus der SPD auszuschließen.


Wie ernst es der Satiriker mit seinem Vorhaben nimmt, wird sich zeigen.
Bisher ist er noch nicht einmal SPD-Mitglied.
Fest steht: Der Start der neuen Staffel "Neo Magazin Royale" dürfte damit wohl geglückt sein.
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Traut er sich das schwierige Amt wirklich zu? Wo sind die Grenzen zwischen Politik und Satire? Die SPD hat Jan Böhmermann aufgenommen, und der ZDF-Moderator schielt weiter auf den Chefposten im Willy-Brandt-Haus.

Jan Böhmermann ist in die SPD aufgenommen worden. Einen entsprechenden Beschluss hat der Kreisverband Anhalt-Bitterfeld am Dienstagabend bekanntgemacht. Der ZDF-Moderator ist demnach jetzt Teil des Ortsvereins in der Kreisstadt Köthen – und nimmt nun einen neuen Anlauf, Parteichef zu werden.

Vor rund einem Monat überraschte Böhmermann mit der Ankündigung, SPD-Vorsitzender werden zu wollen. Um in dem laufenden Bewerbungsverfahren antreten zu können, hätte er jedoch schon bis zum 1. September in die Partei aufgenommen worden sein müssen. Dies gelang dem 38-Jährigen seinerzeit nicht.

Lars Klingbeil begrüßt Eintritt von Jan Böhmermann

Während Kritiker das Vorhaben des Satirikers als Provokation und Verächtlichmachung demokratischer Institutionen bewerteten, freut sich der Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Anhalt-Bitterfeld auf den neuen Genossen: "Satire darf vieles, und das hält Deutschlands älteste Partei sehr wohl aus", sagte Ronald Mormann laut Nachrichtenagentur DPA. "Die deutsche Sozialdemokratie hat 156 Jahre lang dafür gekämpft, dass Menschen ihre Meinung frei sagen dürfen." Mormann fügte jedoch auch hinzu: "Aber wir sind eine Partei und keine Satireveranstaltung."

SPD-Mitglied Jan Böhmermann
Gestik und Duktus passen schon – reicht das für Jan Böhmermann, um SPD-Chef zu werden?
© Julia Hüttner / ZDF / DPA

Auch Generalsekretär Lars Klingbeil begrüßt die Aufnahme Böhmermanns: "Herzlich willkommen in der SPD, lieber Genosse", schrieb er bei Twitter. "Jetzt geht's los! Infostände, Hausbesuche, Bürgergespräche, Plakate kleben. Wir freuen uns sehr, dass du jetzt an unserer Seite für eine starke Sozialdemokratie kämpfst!" Bislang deutet jedoch wenig darauf hin, dass sich Böhmermann tatsächlich der Arbeit an der Basis verschreiben wird.

Wie lange der Moderator der Sendung "Neo Magazin Royale" sein SPD-Parteibuch behalten wird, ist offen. In seinem Podcast "Fest und flauschig" kündigte er bereits an, wieder aus der Partei austreten zu wollen, wenn sein Vorhaben, Parteivorsitzender zu werden, scheitern sollte.

SPD-Parteitag wählt im Dezember neue Spitze

Um das zu verhindern und SPD-Chef zu werden, werde Böhmermann gemäß Organisationsstatut der Sozialdemokraten "gemeinsam mit vier durchgeknallten SPD-Ortsvereinen" seine Bewerbung für den Vorsitz "offiziell und fristgerecht zum Parteitag einreichen, damit die Delegierten entscheiden können", kündigte er nach seiner Aufnahme in die Partei auf Twitter an.

Der Bundesparteitag findet vom 6. bis 8. Dezember in Berlin statt – dort müsste sich Böhmermann dann den Delegierten präsentieren. Der Fahrplan der SPD sieht eigentlich vor, dass sie die Gewinner der geplanten Mitgliederbefragung offiziell an die Spitze der Partei wählen. Derzeit sind sieben Bewerberduos und ein Einzelkandidat für den SPD-Vorsitz auf Vorstellungstour durch Deutschland. Ab dem 14. Oktober können dann alle über 400.000 Mitglieder der ältesten Partei Deutschlands für ihre Favoriten stimmen. (Lesen Sie hier im stern mehr zum Thema: "Das Kandidatenfeld ist komplett: Sie wollen an die Spitze der SPD" und "Das Schaulaufen beginnt: So aufwendig ist die Suche nach der neuen SPD-Spitze")

Böhmermann will unter dem Motto "#neustart19" ins Rennen um den Parteivorsitz gehen. Auf einer entsprechenden – jedoch seit Wochen nicht aktualisierten – Kampagnen-Webseite wirbt er um Unterstützung. In einer kürzlich bei Youtube veröffentlichten Rede imitierte dabei den Duktus von Parteitagsreden und bediente dabei Phrasen ("Nicht die Wählerinnen und Wähler, sondern unsere politischen Gegner sollen wieder Angst davor haben, dass die SPD wieder an die Macht kommt.", "Sozialdemokratie bedeutet Wandel"), skizzierte jedoch auch seine politischen Ziele: Unter anderem will er sich im Fall einer Wahl zum Parteivorsitzenden für eine Reform des Gesundheitssystems weg von der Profitorientierung, für eine Abkehr von fossilen Energieträgern, für eine höhere Erbschaftssteuer, für die Stärkung von Gewerkschaften und der europäischen Idee und gegen die "Schwarze Null" einsetzen.

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Dass Böhmermann, der sich selbst eine Herkunft aus sozialdemokratischem Milieu bescheinigt, SPD-Chef werden möchte, begründete er mit der angeblichen Erscheinung des früheren Parteivorsitzenden und Bundeskanzlers Willy Brandt im Traum. Dieser habe ihm gesagt: "Du musst es machen, der Olaf (Scholz) ist 'ne Pfeife." 

Wenn man die Ernsthaftigkeit seiner Kandidatur in Frage stelle, müsse man auch jene von Scholz anzweifeln, betonte Böhmermann wiederholt.

Eigentlich hätte der Moderator an seinem Wohnort Köln Mitglied werden müssen. Nachdem aus dem zuständigen Ortsverband aber ablehnende Stimmen laut geworden waren, fand sich die Köthener SPD zur Aufnahme bereit – die Sozialdemokraten der Rheinmetropole genehmigten dann die dafür erforderliche Ausnahme vom Wohnortprinzip.

Quellen: SPD-Organisationsstatut"Fest und flauschig", Lars Klingbeil bei Twitter, Jan Böhmermann bei Twitter, neustart19.de, Nachrichtenagentur DPA


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