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Bianca Devins Bilder ihres Mords verbreiteten sich im Internet – nun wird auch die Staatsanwaltschaft beschuldigt

Die 17-jährige Bianca Devins wurde ermordet
Die 17-jährige Bianca Devins wurde ermordet.
© Provided by the Williams-Devins Family.
Vor zwei Jahren wurde Bianca Devins von ihrem Freund ermordet, der danach Bilder der Tat im Internet verbreitete. Nun verklagt Devins Mutter die Staatsanwaltschaft: Sie sollen ebenfalls ein Sexvideo und die Aufnahme des Mords verbreitet haben.

Vor zwei Jahren wurde Bianca Devins von ihrem Freund ermordet, der danach Bilder der Tat im Internet verbreitete. Nun verklagt Devins Mutter die Staatsanwaltschaft: Sie sollen ebenfalls ein Sexvideo und die Aufnahme des Mords verbreitet haben.

Es war ein Kriminalfall, der die Welt erschütterte. Die damals 17-Jährige Bianca Devins wurde nach einem Konzertbesuch in New York City von ihren Freund durch Messerstiche in den Hals ermordet. Kurze darauf veröffentlichte er Bilder der Toten und Selfies mit der Leiche auf Snapchat, Instagram und Discord. Der Fall zeigte auch die Machtlosigkeit der sozialen Netzwerke. Medien weltweit berichteten darüber.

Der Versuch Bilder zu löschen

Devins hatte gerade die Highschool in Utica im US-Bundesstaat New York beendet und wollte auf das College wechseln. Im Juli 2019 ging sie mit dem 21-jährigen Brandon Clark zu einem Konzert in New York City. Dort muss es zum Streit gekommen sein und Clark tötete die 17-Jährige und verbreitete Bilder seiner Straftat in den sozialen Medien. Dafür hat er eine Haftstrafe von 25 Jahren bekommen.

Lieutenant Brian Coromato vom Utica Police Department bestätigte damals gegenüber dem US-Magazin "Rolling Stone“, dass drei echte Bilder ihres Mordfalls auf Social Media kursierten. Coromato sagte weiter, dass das Police Department diverse Plattformen kontaktiertet haben soll, damit diese die expliziten Bilder schnellstmöglich entfernen. "Aber wir haben gar keine Antwort erhalten. Soweit ich das sehe, wurde nichts entfernt“, berichtete er dem "Rolling Stone“. Doch nun stehen die Behörden selbst im Visier: Sie sollen ebenfalls ein zuvor gedrehtes Sexvideo und Bilder vom Tatort im Netz verbreitet und an die Presse weitergeleitet haben.

Mutter reicht Klage ein

Kimberley Devins, die Mutter der Getöteten, reichte vergangene Woche Klage gegen zuständige Staatsanwaltschaft in Oneida County ein. Nach dem Mord an ihrer Tochter seien nicht nur Nacktbilder auf ihrem Handy gefunden worden sein, Brandon Clark soll auch noch Kameras in seinem Auto installiert haben und das Paar beim Sex gefilmt haben, bevor er die 17-Jährige tötete.

Die Staatsanwaltschaft habe der Mutter daraufhin versichert, die Aufnahmen würden nicht verbreitet werden, so die Anklage. Ihre Tochter hatte eine größere Followerschaft auf Instagram, die nach ihrem Tod noch weiter wuchs. Kimberley Devins habe laut US-Medien die Befürchtung gehabt, dass nun auch das Sexvideo von ihrer Tochter viral gehen könnte.

Die Mutter soll später von zwei verschiedenen Dokumentarfilmern erfahren haben, dass sie die Sex- und Mordvideos von der Staatsanwaltschaft erhalten hätten, zusammen mit Nacktfotos vom Telefon ihrer Tochter. "Als sie damit konfrontiert wurden, gaben die stellvertretenden Bezirksstaatsanwälte Sarah DeMellier und Michael Nolan zu, dass die Staatsanwaltschaft den Inhalt geteilt hatte", heißt es laut "New York Post" in der Klage.

Die Gunst der Presse

Kimberly Clark behauptet, dass das Video vom Mord an ihrer Tochter von der Staatsanwaltschaft an "CBS 48 Hours", A&E, einen Vertrauten von Clark mit einem populären YouTube-Kanal und möglicherweise an MTV und "Peacock TV" weitergegeben wurde. Dazu werden zwei Staatsanwälte beschuldigt, die zwei Nacktbilder von Devins im Internet verbreitet zu haben.

In der Klage heißt es weiter, dass das Filmmaterial möglicherweise weitergegeben wurde, um die Gunst der Medien zu gewinnen, nachdem die NBC-Sendung "Dateline" dieselbe Staatsanwaltschaft in einem anderen Bericht negativ darstellte.

"Nach Informationen und Überzeugungen sah die Staatsanwaltschaft den Mord an Bianca Devins als die perfekte Gelegenheit für eine Wiedergutmachung in den Medien und umwarb infolgedessen die Presse und Dokumentarfilmer, indem sie ihnen enthusiastisch illegale Beweise übergab, die Biancas Privatsphäre und Rechte ausnutzten, ganz zu schweigen von den Bundesgesetzen zur Kinderpornografie", heißt es laut "New York Post" in der Klage.

Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen den Vorwurf der Kinderpornografie

Konkret wird die Staatsanwaltschaft der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte bezichtigt. Diese argumentiert dagegen, weil Bianca Devins zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 17 Jahre alt gewesen war und somit nicht gegen das Kinderpornografiegesetz verstoßen wurde. Devins Familie hält jedoch dagegen und sagt, das Gesetz gelte für alle unter 18.

Bianca Devins: Bilder ihres Mords verbreiteten sich im Internet – nun wird auch die Staatsanwaltschaft beschuldigt

"Unsere Familie ist gezwungen, die Gewalt immer und immer wieder in den sozialen Medien mitzuerleben, weil der Mörder die Tat gepostet hat", sagt Kimberly Clark zur "New York Post". "Es ist unerträglich, dass diejenigen, die Bianca schützen sollten – die Staatsanwaltschaft – sich stattdessen mit Kinderpornografie beschäftigen, als ob meine Tochter kein Recht auf Privatsphäre hätte", so die Mutter.

Quellen:  BBC, "New York Post"

yak

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